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Babenhausen

20.02.2021

Warum es in der Babenhauser CSU gerade rumort

Es gibt Unmut in der CSU Babenhausen: Einige Mitglieder sehen Gesprächsbedarf.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolfoto)

Plus Der Ortsverband Babenhausen hat sich getroffen, um Delegierte zu wählen. Einige Mitglieder nutzten den Termin, um Unmut zu äußern. Was der Vorsitzende zur Kritik sagt.

Eine halbe Stunde war für die Sitzung des CSU-Ortsverbandes Babenhausen eingeplant. Wegen der Pandemie sollte nur das Nötigste abgehandelt werden: Wahlen standen auf der Agenda. Auf Ehrungen und lange Diskussionen müsse man leider verzichten, sagte der Ortsvorsitzende Christian Pfeifer mit Verweis auf den Wunsch der Landesleitung. Ein paar Mitglieder nutzten die Zusammenkunft in überschaubarer Runde dennoch, um Kritik zu äußern – auch am Vorsitzenden. Um was es geht.

Es herrschte Gesprächsbedarf über die Reaktion auf die Kommunalwahl im März 2020. Nachdem Pfeifer einen kurzen Arbeitsbericht verlesen und Kassenwart Benjamin Wiest die finanzielle Situation erläutert hatte, gab es Wortmeldungen. Franz Mutzel zitierte einen Artikel unserer Zeitung, in dem Pfeifer das Wahlergebnis als "kein Desaster" bewertet hatte. Wie berichtet, stellt die CSU weiter den Bürgermeister und holte sich sechs Marktratssitze, einen weniger als in der Wahlperiode zuvor. "28 Prozent für die CSU: Das ist meiner Meinung nach ein Desaster", sagte Mutzel: "Wir haben das Vertrauen der Babenhauser zu einem großen Teil verloren." Sinnbildlich sei, dass Mitgliederzahl und Kassenstand sinken. Er forderte eine Ursachenforschung. Auch Hubert Putz monierte, nach der Wahl "nichts gehört" und eine Analyse vermisst zu haben.

Pfeifer erinnerte daran, sich durchaus gemeldet zu haben. Eine "Wahlnachlese" sei wegen der Pandemie nicht zustande gekommen. "Wer Kritik hat, kann mich gerne anrufen. Das ist nie passiert." Weiter ging er nicht auf die Wortmeldungen ein, denn er müsse die Versammlung coronabedingt kurzhalten.

Pfeifer: "Ich kann die Zeit von vor 20, 30 Jahren nicht mit heute vergleichen."

Im Nachgang nimmt Pfeifer gegenüber unserer Redaktion Stellung. Vor der Wahl konnten ihm zufolge alle Kandidaten in Sitzungen Ideen einbringen. Die Terminplanung sei über eine Messenger-Gruppe erfolgt, der alle angehörten, bis auf einen, der per Telefon informiert worden sei. Die Einladung zu einem kleinen Treffen am Wahlabend habe wegen der damals beginnenden Corona-Lage verständlicherweise nicht jeder wahrgenommen. Am Tag danach habe er alle Kandidaten angeschrieben, so Pfeifer. Später sei ein Treffen mit "Wahlnachlese" geplant gewesen, das aber wegen der verschärften Corona-Regeln abgesagt wurde - mit Verweis auf einen baldmöglichsten neuen Termin.

Zum Wahlergebnis sagt er, dass der Ortsverband einen Generationenwechsel zu vollziehen hatte. Fünf erfahrene CSU-Markträte traten nicht mehr an. Außerdem habe sich die Parteienlandschaft in Babenhausen - wie in ganz Bayern - verändert. "Ich kann die Zeit von vor 20, 30 Jahren nicht mit heute vergleichen", so Pfeifer. "Sicher hätten wir gerne diesen einen Sitz behalten oder sogar mehr bekommen." Die sinkende Mitgliederzahl erklärt er mit einer allgemein abnehmenden Bereitschaft, sich zu engagieren, ob in Parteien oder Vereinen. Der Kassenstand habe sich seit 2014, als er ehrenamtlicher Vorsitzender wurde, um rund 3000 Euro verringert, auf etwa 12.000 Euro.

Kassenwart Wiest regte in der Versammlung an, sich bei den Ausgaben für Wahlkämpfe "neu zu sortieren" und mehr auf soziale Medien zu setzen. Eine Rolle dürfte dabei ein neuer Posten spielen: Sonja Henle ist nun Digitalbeauftragte. Bei der Wahl des Vorstands, die neben derjenigen der Delegierten im Schnelldurchlauf erfolgte, erhielt Pfeifer neun von zwölf Stimmen.

Aus der CSU Babenhausen kommt auch Kritik an der Verwaltung

Weitere kritische Anmerkungen betrafen nicht den Ortsverband, sondern den Marktrat und die Verwaltung. Die ehemalige Rätin Beatrix Käßmeyer forderte eine Erklärung, weshalb ihr Vorschlag für ein amtliches Mitteilungsblatt einst in der Fraktion abgelehnt worden sei, wo doch nun ein solches erscheint. "Oder ist das ein Blatt der Grünen?", warf Mutzel ein. Er deutete damit auf ein Grußwort des Grünen-Ortsverbandes hin, das kürzlich in dem Blatt, das dem Einvernehmen nach keine politische Plattform sein sollte, abgedruckt war. Es sei bereits besprochen worden, dass dies nicht mehr passieren soll, hieß es.

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