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Illertissen

13.01.2020

Weshalb der Secondhand-Faschingsmarkt in Illertissen so beliebt ist

Im Saal der Pfarrgemeinde Illertissen war der Andrang am Freitag groß. Um Punkt 15 Uhr stürmten die Narren den Kostümverkauf.
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Im Saal der Pfarrgemeinde Illertissen war der Andrang am Freitag groß. Um Punkt 15 Uhr stürmten die Narren den Kostümverkauf.
Bild: Alexander Kaya

Plus Zum zwölften Mal findet der Secondhand-Faschingsmarkt der Aktion Hoffnung in Illertissen statt. Der Andrang ist groß – ebenso die Freude über ergatterte Kostüme.

Mehr als 100 Menschen stürmen in den Saal, als die Organisatoren des Secondhand-Faschingsmarkts um 15 Uhr die Türen des Illertisser Pfarrheims St. Martin öffnen. Schon wenige Minuten später sind die ersten fündig geworden. Der kleine Julian zum Beispiel. Er bekommt ein Löwenkostüm – und der Löwe ist sogar sein Lieblingstier. „Das nehmen wir, das passt perfekt“, sagen Mutter und Vater. Aus mehr als 2000 Kostümen können die Besucher des Basars wählen.

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Seit 17 Jahren veranstaltet die Aktion Hoffnung – eine kirchliche Hilfsorganisation des Bistums Augsburg und des katholischen Hilfswerks Missio in München – diese mobilen Kleidermärkte in Kooperation mit Gemeinden. Illertissen ist seit zwölf Jahren dabei. Insgesamt zieht die Aktion Hoffnung während der närrischen Zeit durch knapp 50 Orte in ganz Bayern. Der Erlös kommt weltweiten Projekte zugute.

Der kleine Julian und Vater Martin Schwarzak aus Betlinshausen sind zufrieden: Sie haben ein kuscheliges Löwenkostüm aus zweiter Hand ergattert – ideal für alle kommenden Faschingsumzüge.
Bild: Alexander Kaya

Die Märkte sind ein voller Erfolg, wie Gerda Joppich von der Hilfsorganisation findet: „Einfach toll. Man hat sogar das Gefühl, es werde jedes Jahr besser.“ Vor allem im ländlichen Raum kämen die Besucher zahlreich. Dort fänden schließlich auch die meisten Faschingsbälle und Umzüge statt. Besonders gut verkaufen sich ihr zufolge Tierkostüme – so wie Julians neuer Löwen-Overall. Die sechs ehrenamtlichen Helfer aus Illertissen sind ebenfalls begeistert: „Es macht richtig Spaß, wenn sich der Saal füllt. Die Leute kommen und kruschteln rum.“

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Beim „Kruschteln“ wird auch Markus Hettich aus Illereichen fündig. Dieses Jahr möchten seine Frau und er sich als Clowns verkleiden. Er entdeckt ein Jackett mit passender Perücke. Tochter Maya sucht währenddessen noch weiter nach einer Garde-Mädchen-Verkleidung. Mittlerweile ist es für die Familie der dritte Besuch, um den persönlichen „Faschingsfundus“, wie es Hettich nennt, zu erweitern. „Das ist viel besser als neu zu kaufen, und man bekommt tolle Einzelstücke.“

Die indisch anmutende Tunika, das Retro-Sweatshirt, das noch original aus den 80er-Jahren stammt, die selbst genähte Pluderhose: Die Einzigartigkeit der Kostüme gefällt vielen Besuchern. Dass sie bereits getragen sind, merke man gar nicht. Und dass der Erlös gespendet wird, mache die Veranstaltung umso besser.

Eine gute Organisation ist gefordert

Dieses Jahr kommen die Einnahmen Projekten zur Schul- und Berufsausbildung sowie zur medizinischen Versorgung von Aids-Waisen und HIV-Betroffenen in Uganda zugute. Im vergangenen Jahr kamen Spenden in Höhe von mehr als 45000 Euro zusammen.

Die Aspekte der Nachhaltigkeit und des guten Zwecks betont auch Johannes Müller, Geschäftsführer der Aktion Hoffnung: Durch den Kauf der Faschingsmode aus zweiter Hand schone der Kunde die Ressourcen und seinen Geldbeutel und spende zugleich zugunsten eines Entwicklungsprojekts.

Hinter dem Markt steckt allerdings auch eine gute Organisation: „Seit dem Sommer bin ich am Auszeichnen“, sagt Gerda Joppich, die als eine von vielen im Eine-Welt-Zentrum in Ettringen (Unterallgäu) die Kostüme mit Preisen versehen hat. Das ganze Jahr über können Menschen Kleidung spenden, die zwar gut erhalten ist, aber nicht mehr getragen wird. Nicht nur närrische Verkleidung ist gefragt. In Lastwägen werden die sortierten Kostüme dann in der Faschingszeit zum jeweiligen Austragungsort gebracht, wo ehrenamtliche Helfer die Kleiderstangen damit behängen. Eine Auswahl an Damen-, Herren- und Kinderkleidung muss überall dabei sein.

Dass der mobile Kleidermarkt der Aktion Hoffnung im Ort überhaupt haltmacht, ist ebenfalls Ehrenamtlichen zu verdanken. Sie müssen den Benefizverkauf bei der Hilfsorganisation anfragen. Auf alle Märkte bezogen sind es gut 450 Freiwillige. In Illertissen helfen die sechs Frauen seit Jahren zusammen, um den Faschingsbasar erfolgreich anbieten zu können.

Markus Hettich hat ein Clownskostüm entdeckt.
Bild: Alexander Kaya

Ist ein Kostüm verkauft, packen es die Helferinnen in Tüten, in denen zukünftige Kleiderspenden wieder für die Aktion Hoffnung abgegeben werden können. Wer weiß, vielleicht kann das Löwenkostüm in ein paar Jahren ein anderes Kind erfreuen, wenn der kleine Julian herausgewachsen ist.

Weitere Termine: Die Tour der Secondhand-Märkte dauert noch bis zum 7. Februar an. In der Region macht die Aktion Hoffnung als Nächstes am kommenden Freitag, 17. Januar, im Historischen Zehentstadel in Pleß an der Booser Straße 2 halt. Am Freitag, 24. Januar, findet ein weiterer Markt im Musikerheim in Egg an der Günz an der Inneberger Straße 1 statt. Kleiderspenden können das ganze Jahr über in Sammelcontainern und bei den Secondhand-Märkten in Augsburg und Nürnberg abgegeben werden.

Lesen Sie außerdem: Die Narren starten in die fünfte Jahreszeit

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