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Illertissen

23.01.2017

Wie Bobbycars zu Boliden werden

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Für klein und groß: Bobbycars gelten als beliebte Spielzeuge.
Bild: Dedert/dpa

Industriemechaniker der Illertisser Berufsschule machen Spielautos mit Akkuschraubern zu Rennwagen. Wenn die am Donnerstag in Neu-Ulm getestet werden, kann jeder dabei sein.

Da dürfte jedem Hobbytüftler das Herz aufgehen: Mit einem Surren setzt sich das kleine rote Spielauto in Bewegung, ganz so als ob es ein echter Rennwagen wäre – angetrieben von einem handelsüblichen Akku-Bohrschrauber. Dessen Leistung reicht für ein Tempo von 25 Stundenkilometern. Auch wenn damit wohl nicht die Gefahr besteht, aus den Kurven der Kartbahn in der Neu-Ulmer Industriestraße herausgetragen zu werden: Die Piloten am Steuer der umgebauten Bobbycars müssen einige Herausforderungen meistern. So gilt es, auf dem kleinen Auto genug Platz zu finden. Manche Lenker versuchen das mit angezogenen beinen. Andere mit ausgestreckten. Die Ziellinie bringt Erlösung: Der Pilot zieht die Handbremse und der kleine Flitzer stoppt. Unter dem Visier des Sturzhelms ist ein zufriedenes Lächeln zu sehen. Die Testfahrt hat anscheinend gut geklappt, der am kommenden Donnerstag, 26. Januar, (Beginn: 10 Uhr) anstehende Wettbewerb vor den Augen der Öffentlichkeit kann kommen.

Es war ein herausforderndes Projekt: In nur zweieinhalb Monaten mussten die angehenden Industriemechaniker der Illertisser Berufsschule handelsübliche Bobbycars In Rennmaschinen verwandeln. Planen, konstruieren, bauen und schließlich damit fahren, das alles gehört zu dem Projekt, für das die 19 bis 25 Jahre alten Tüftler Noten bekommen. Dazu kommt noch ein ganz anderer Druck: Denn wie gut die selbst gebauten Autos sich im Wettbewerb schlagen, davon kann sich am Donnerstag beim öffentlichen Schaulauf jeder Interessierte mit eigenen Augen überzeugen. „Da geht es dann natürlich um etwas“, sagt Ludwig Rapp, der Fachbereichsleiter Metall an der Schule.

Ein Akkuschrauber als Motor: Funktioniert das überhaupt? Das funktioniert, weiß Lehrer Rapp. Immerhin leiste ein starker Schrauber 150 bis 160 Newtonmeter, und damit ebenso viel wie ein VW Golf. „Da ist schon Power dahinter.“ Eine Folge: Die Bobbycars müssen aufgemotzt werden, also für solch starke Kräfte umgebaut werden. Zudem mussten Bremsen eingebaut werden, das war für alle Konstrukteure Pflicht. Damit alle Teile an den kleinen Wagen Platz finden, haben manche Schüler ein Metall-Chassis angebaut. Was sich deutlich aufs Gewicht auswirkte: Nahezu 20 Kilo statt der üblichen zwei bis drei wiegen solche Bobbycars. Doch wer als einer der ersten durchs Ziel fahren will, darf auf keinen zu schweren Boliden setzen. Immer wieder wurde deshalb in den schuleigenen Rennställen überlegt, ausprobiert, diskutiert, nachgebessert. „Das ist ein anspruchsvolles Projekt“, sagt Rapp. Gebaut wurden die Rennmaschinen in den Betrieben, bei denen die Schüler in die Lehre gehen – als eine Kooperation mit der Illertisser Berufsschule.

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Große Chancen beim Wettbewern rechnet sich das Team aus den Konstrukteuren Tobias Maucher, 17, aus Hegelhofen, Jan Bührle, 18, aus Setzingen, Andreas Albrecht, 19, aus Neenstetten und Alexander Emperle, 17, aus Kissendorf aus. Der Grund: „Wir haben schon bei der Konkurrenz geschaut, aber kein anderes Car war so stark, wie unseres“, erklärt Albrecht selbstbewusst. Wie es allerdings um die technischen Finessen der Parallelklasse bestellt sei, wisse er nicht. Bis zum Rennen werde man noch weitertüfteln, sagt Maucher. Das Fahrzeug der vier befindet sich bei Bosch Rexroth in Elchingen, wo es auch gebaut wurde. Ans Steuer setzen wird sich am Donnerstag Alexander Emperle. „Ich bin guter Dinge.“

Dann gilt’s: Neun Bobbycar-Boliden von insgesamt 33 Schülern gehen an den Start. Jan Bührle erwartet ein spannendes Rennen: „Die Konkurrenz ist da.“

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