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Vöhringen

14.01.2019

Wie Menschen am Esstisch zueinanderfinden

In Vöhringen beim Begegnungsabend gab es allerlei Speisen aus unterschiedlichen Ländern zu probieren.
Bild: Ursila Katharina Balken

Beim Begegnungsabend „Winterzauber“ treffen sich in Vöhringen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Was dabei geboten war.

Kubaa balanciert ein großes Tablett mit Fleischbällchen durch die Tür des evangelischen Gemeindehauses, gefolgt von Yasmina mit einem Wunderwerk an Torte. Das alles findet Platz auf einem langen Tisch, der sich schnell zu einem reichhaltigen kalten Buffet entwickelt mit internationalen Leckereien, die hierzulande nicht auf den Speisekarten zu finden sind. Zum Begegnungsabend „Winterzauber“, veranstaltet vom Freundeskreis Asyl in Vöhringen, gehören nicht nur Gespräche, sondern es darf auch gemeinsam gegessen werden. Das verbindet, vor allem, wenn sich die Besucher so viel Mühe mit den herzhaften und süßen Leckereien gegeben haben.

Erst tröpfeln die Gäste, doch schnell werden es immer mehr. Es kommen Familien mit Kindern, meist Syrer, auch Türken. Im Saal sind die Stühle schnell besetzt. Ungezwungen soll es zugehen. Deshalb sind die Sitzgelegenheiten zu einem großen Viereck aufgestellt worden. Dort sitzen die Männer, während die Frauen sich in ein Eck zurückgezogen haben, alle mit Kopftuch und fein angezogen. Durch die Saalmitte toben und tollen schwarz gelockte Kinder, haben ihren Spaß, dass die Helferinnen sie an die Hand nehmen, einen Kreis bilden und begleitet von Flötentönen durch den Saal tanzen. Die Ehemänner stehen an hohen runden Tischen, unterhalten sich in ihrer Muttersprache, ist ein Deutscher dabei, geht es auch schon erstaunlich gut in Deutsch.

Der zwölfjährige Sohn spricht fließend Deutsch

Mama Kubaa hat neun Kinder, „wir sind seit vier Jahren in Deutschland“, sagt die aus Syrien stammende Frau. Und weil sie es in deutscher Sprache nicht so ganz hinkriegt, springt der zwölfjährige Sohn Thawra als Übersetzer ein. Der Bub spricht fließend Deutsch. Viele der Gäste haben Arbeit, andere befinden sich im Wartezustand, ob sie als Asylanten anerkannt werden.

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In einer anderen Ecke stehen vier dunkelhäutige, junge Männer aus Gambia, ein Land, das zu den ärmsten der Welt zählt. Gerade angekommen, haben sie ein Problem mit Kälte und Schnee. Abdou spricht ein bisschen Englisch. Er ist höflich und meint, nein, die Kälte mache ihm nichts aus und verweist auf einen dünnen Anorak, den er trägt. Mehr Fragen kann er nicht beantworten, auch wenn sein Nachbar Hilfestellung gibt. Abdou berichtet in holprigem Englisch, wie schwer es ist, zu gehen. Aber die Familie hat ihn gedrängt, damit er sie unterstützen kann. Libyen zu durchqueren sei gefährlich. Banden warten auf die Flüchtlinge, nehmen sie in Gewahrsam und hoffen auf Lösegeld.

Bürgermeister Janson: Begegnung ist wichtig

Pfarrer Jochen Teuffel ist mit seiner Frau Naro dabei, steht neben dem Mitglied des Kirchenvorstandes Ingo Scheufele. Der wiederum unterhält sich mit Bürgermeister Karl Janson, der sagt, „es ist wichtig, dass wir uns heute hier auf lokaler Ebene begegnen“. Janson sieht es als „gute Motivation für alle Beteiligten“. Aber er verstehe auch die Ängste vor dem Fremden und den Fremden bei den Bürgern. „Aber das beste Mittel, mit diesen Ängsten fertig zu werden, sind Begegnungen und Engagement.“ Als Bürgermeister ist für ihn wichtig, „diese Menschen frühzeitig und möglichst ohne Vorurteile einzubinden“.

Und wenn es mit der Sprache nicht so recht klappt, dann reicht oft ein Lächeln dem anderen gegenüber, sodass er sich angenommen fühlen kann. Der Begegnungsabend dauert viele Stunden, aber dann ist Schluss, weil die kleinen Mädchen und Buben ins Bett mussten.

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