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Illertissen

13.06.2018

Wie alte Schätze noch heute strahlen

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3 Bilder
Der Hochaltar von Christoph Rodt in Illertissen aus dem Jahr 1604, den Ferdinand Vöhlin und seine Frau Anna Maria Vöhlin gestiftet haben.
Bild: Regina Langhans

Georg Hartmetz schreibt eine Doktorarbeit über den Erbauer des Illertisser Hochaltars Christoph Rodt. Dabei gibt es immer wieder Neues zu entdecken.

 Den Hochaltar in der Pfarrkirche St. Martin in Illertissen hat Christoph Rodt geschaffen. Der Altar zählt zu den Vorzeigekunstwerken einer jeden Stadtführung und ist Gegenstand verschiedener kunsthistorischer Schriften. Er lieferte genug Stoff für eine Magisterarbeit und ist nun Bestandteil einer Dissertation, die Georg Hartmetz über den Holzbildhauer Rodt verfasst. Ausschnitte davon trug der Münchner Kunsthistoriker und stellvertretende Leiter der Fachakademie für Restauratorenausbildung in einer Veranstaltung des Illertisser Heimatpflegevereins im Barocksaal vor.

Eine Inschrift auf der Altarrückseite weist den aus Neuburg an der Kammel stammenden Christoph Rodt als „Vöhlin’schen Untertan“ und Erbauer aus. Sie war übermalt und erst 1906 wiederentdeckt worden. Auf die Frage, warum sich gerade Rodt als Forschungsthema eigne, antwortete Hartmetz humorvoll: „Mein Doktorvater sagte, über Rodt sei schon lange nichts mehr geschrieben worden, dabei gebe es noch viel zu entdecken.“ Er plane, die Arbeit im Herbst zu veröffentlichen.

Der Künstler Rodt dürfte etwa 26 Jahre alt gewesen sein, als er im Auftrag des Illertisser Schlossherrn Ferdinand Vöhlin und seiner Frau Anna Maria mit dem Hochaltar in der Martinskirche sein erstes großes Kunstwerk schuf. Als es 1604 vollendet war, war der Stifter bereits ein Jahr lang tot. Seine Frau begleitete die Vollendung des Altars, den sich die beiden anstelle eines Grabsteins wünschten. So erklärt sich auch die Form des Grabdenkmals des über zehn Meter hohen und rund sechs Meter breiten Aufbaus. Rodt zählt zu den bedeutendsten Bildhauern des süddeutschen Barock. Seine Spuren reichen weit über Illertissen beziehungsweise die um 1600 eröffnete Werkstatt in Neuburg an der Kammel hinaus.

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Denn immer mehr Werke lassen sich dem Holzbildhauer Rodt zuschreiben, wie das große Kreuz an der Nordseite der Chorwand in der Illertisser Kirche. Der kunstbewanderte Malermeister Albert Vogt entdeckte 1983 bei Umbauarbeiten im Kopf des Gekreuzigten zwei Schriften. Ihnen zufolge hat Rodt die Figur im Jahr 1627 geschaffen. Sie dürfte der Renaissancezeit entsprechend im Chorbogen gehangen haben. Das lasse sich auch daraus schließen, dass der Künstler die untere Hälfte der Figur leicht verkürzt habe, um den Eindruck des über den Kirchenbesuchern schwebenden Christus optisch zu verstärken, wie Doktorand Hartmetz erklärte.

Seine Recherchen zur Zeitgeschichte in der Biografie des Künstlers, dessen Geburtsjahr Hartmetz um 1578 schätzt – der Todestag am 16. März 1634 hingegen steht fest – führten zu neuen Schlussfolgerungen. Wurden Rodt zuvor seine Geldnöte und zwei Wirtshausraufereien negativ angerechnet, konnte ihn der Kunsthistoriker nun gewissermaßen „entlasten“. Er schrieb Rodt, der zudem als Bader und Zöllner sein Geld verdiente, soziale Eigenschaften zu. Etwa, indem er zu seinen drei Töchtern noch einen Ziehsohn aufnahm, der ebenfalls Bildhauer wurde.

Anhand sorgfältiger Werkvergleiche innerhalb der damals blühenden süddeutschen Barockkunst, wovon der Referent Bilder zeigte und erläuterte, hält er Rodt für einen Schüler von Hans Degler und dessen in der Weilheimer Schule verkörperten Bildhauertradition. Nach Ende einer sechsjährigen Lehrzeit sei Rodt wohl auf Wanderschaft gegangen und habe sich am Bodensee weitergebildet. Über sein Aussehen ist nichts bekannt. Es wird aber vermutet, dass der Kopf einer Engelsharfe am Hochaltar ein Selbstbildnis sein könnte.

Der Kunsthistoriker ordnete den Hochaltar mit manieristischen Zügen dem Scheitelpunkt von Renaissance und Barock zu. An verschiedenen Beispielen zeigte er auf, wie Rodt die Entwicklung mitgegangen ist.

Von ihm stammen das Kreuz in der Mariä-Geburt-Kirche in Altenstadt von 1601, Maria und Gottvater des nicht mehr vorhandenen Altars der Kirche in Au von 1627 und die Halbfiguren des heiligen Heinrich und seiner Frau Kunigunde aus der Zeit zwischen 1615 bis 1620. Sie gehörten wohl in die Schlosskapelle der Familie Vöhlin und stehen nun im Heimatmuseum. Für die Kirche in Kellmünz hat Rodt im Auftrag der Familie Rechberg einen Altar gebaut, den sie jedoch nicht bezahlten. So wurde er zum Schleuderpreis nach Neresheim verkauft.

Rodts künstlerischer Ruf reichte bis nach Österreich, wo er in Mondsee einen Altar baute. Hartmetz würdigte seine Leistung: „Sie sehen, Rodt hatte alle Hände voll zu tun.“

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