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Illertissen/New York

17.05.2019

Wie zwei Studenten aus Illertissen zu UN-Vertretern wurden

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Neben den beiden Illertissern nahmen 14 weitere Studenten der Uni Bamberg an dem Projekt teil. Das Bild zeigt die Gruppe im UN-Hauptsitz in New York.

Plus Veronika Jall und Micha Sperl nahmen in New York an einem Projekt der Vereinten Nationen teil. Wie sich dabei ihr Blick auf die Weltpolitik verändert hat.

Studenten aus mehr als 130 Ländern treffen sich einmal im Jahr in New York zur weltweit größten Simualtionskonferenz der Vereinten Nationen. Die jungen Leute schlüpfen dabei in die Rolle von Diplomaten und debattieren über Klima, Kriege und Finanzpolitik. Heuer waren auch zwei Illertisser dabei.

Erst vor drei Jahren haben Veronika Jall und Micha Sperl ihr Abitur am Kolleg der Schulbrüder gemacht. Mittlerweile studieren die beiden seit Herbst 2017 Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Beide interessieren sich für internationale Beziehungen, insbesondere Entwicklungs-, Friedens- und Klimapolitik. So haben sich Jall und Sperl im vergangenen Sommer dazu entschieden, sich für das studentische Projekt National Model United Nations (NMUN) zu bewerben.

So arbeiten die Vereinten Nationen

Im Rahmen mehrtägiger simulierten Verhandlungen, bei denen die Studenten Reden halten, Diskussionen führen und Resolutionen erarbeiten, befassen sich die Teilnehmer mit aktuellen weltpolitischen Themen. Aufgeteilt in Delegationen vertreten die jungen Leute die Interessen eines ihnen im Vorfeld zugeteilten Mitgliedsstaates. Ziel des Projektes ist es, Studierenden einen praxisorientierten und tiefgreifenden Einblick in die Arbeit der Vereinten Nationen zu geben.

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Die beiden Illertisser Micha Sperl und Veronika Jall haben bei dem Projekt National Model United Nations die Dominikanische Republik vertreten.

Zusammen mit 14 anderen Studierenden unterschiedlichster Fachrichtungen der Uni Bamberg bereiteten sich Jall und Sperl im vergangenen halben Jahr auf die NMUN vor. Die Bamberger Delegation hatte dieses Jahr die Aufgabe, den Karibikstaat Dominikanische Republik zu vertreten. In wöchentlichen Tutorien und Seminaren lernten die 16 Projektteilnehmer die Strukturen und Regeln der Vereinten Nationen kennen und übten mit ihren Tutoren das Halten von Reden, das Führen von Verhandlungen über komplexe Themen sowie das Schreiben von Resolutionen und Positionspapieren.

Während einer dreitägigen Berlin-Exkursion besuchte die Gruppe zur Vorbereitung Institutionen wie die kubanische und dominikanische Botschaft, das Innenministerium, das Auswärtige Amt, sowie den Unterausschuss des Bundestages für die Vereinten Nationen. Wieder zu Hause hatten die Studenten einen guten Überblick über die politi-schen Positionen und Bündnisse der Dominikanischen Republik.

Von Illertissen nach Washington D.C.

Kürzlich stand für die beiden dann die Reise an, für die sie sich so intensiv vorbereitet hatten. Von Illertissen aus ging es zunächst nach Washington und später weiter nach New York. Im Washington, der Hauptstadt der USA, standen zunächst weitere Treffen mit internationalen Politexperten auf dem Programm. Dabei konnte die Gruppe noch letzte offene Fragen zu den Vereinten Nationen, zur Dominikanischen Republik sowie allgemein zu internationaler Politik klären. „Die Zeit in Washington war unglaublich bereichernd, insbesondere weil wir einzigartige Einblicke hinter die Kulissen der Weltpolitik erhalten haben. Sehr eindrucksvoll fand ich, dass sich faszinierende Persönlichkeiten wie Brittany Brown, ehemals Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats der USA unter Präsident Obama, Zeit für uns genommen haben“, sagt Jall. Der Besuch bei internationalen Organisationen wie der Deutschen Botschaft, der International Crisis Group und der Weltbank hinterließen einen bleibenden Eindruck bei allen Projektteilnehmern.

Dann ging es mit dem Bus nach New York, wo es endlich an das eigentliche Projekt ging, die Verhandlungen zwischen den studentischen Delegationen. Nach einer bewegenden Eröffnungsrede der Präsidentin der UN-Generalversammlung begannen die fünftägigen Verhandlungen.

Im "Sicherheitsrat" wurde über Venezuela diskutiert

Während Jall mit ihrem Komiteepartner das Thema atomare Abrüstung in der Generalversammlung diskutierte, fiel Sperl und seiner Partnerin die Aufgabe zu, die Dominikanische Republik im Sicherheitsrat zu vertreten, wo auch Deutschland seit Beginn des Jahres einen Sitz innehat. Auf der Agenda stand die humanitäre Krise in dem südamerikanischen Land Venezuela. Sperl fasst seine Erfahrungen so zusammen: „Das Besondere am Sicherheitsrat ist, dass seine Entscheidungen für alle Mitgliedsstaaten bindend sind. Obwohl das Credo der Vereinten Nationen Kooperation und Konsensbildung ist, entsteht im Sicherheitsrat durch die Vetomacht der fünf Großmächte eine spezielle Dynamik, die es einem manchmal ganz schön schwermacht.“ Besonders spannend sei für ihn gewesen, dass sich die Gruppe mit einem so brandaktuellen Thema wie Venezuela befasst hatte, das kurze Zeit später im echten Sicherheitsrat diskutiert wurde. Gerade diese Sitzung hatte hohe Wellen geschlagen.

Ein Highlight war für die gesamte Delegation zudem der Besuch im Hauptquartier der Vereinten Nationen. Als Belohnung für ihre harte Arbeit und die gelungenen Verhandlungen während der NMUN bekam die Bamberger Delegation noch eine Auszeichnung. (az)

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