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Illertissen

20.05.2020

Wo letzte Wünsche in Erfüllung gehen: Hospiz wird fünf Jahre alt

Die Illertisser Schulbrüder schenkten ihr ehemaliges Wohnhaus dem Hospiz-Förderverein, der dort ein stationäres Hospiz mit Platz für acht Gäste einrichtete.

Plus Im Mai vor fünf Jahren wurde das Benild-Hospiz eröffnet. Mehr als 500 Gäste wurden seither dort auf ihrem letzten Weg begleitet und umsorgt.

Fünf dicke Gästebücher randvoll mit berührenden, emotionalen und teils unglaublichen Einträgen stehen inzwischen im Benild-Hospiz in Illertissen. Die Bilder und Widmungen erzählen eine Seite der nunmehr fünfjährigen Geschichte der Einrichtung. Mehr als 500 Menschen wurden in dieser Zeit dort aufgenommen und umsorgt. Der jüngste war 29, der älteste 96.

Im Hospiz wohnten früher die Schulbrüder

Im Mai 2015 wurde das Hospiz eröffnet. Ermöglicht hatte das eine Schenkung der Ordensgemeinschaft der Schulbrüder aus Illertissen, veranlasst durch Bruder Norbert Fleig, an den Förderverein rund um Roswitha Nodin und Ansgar Batzner. Die Brüder hatten ihr ehemaliges Wohnhaus gestiftet, das nach Benild Romançon den Namen Benildhaus trug. Der Förderverein plante den Umbau des Hauses zu einem stationären Hospiz mit acht Plätzen, das Menschen aus dem Landkreis Neu-Ulm und auch aus den benachbarten Landkreisen aufnimmt.

Ein letztes Mal die Lieblingsfußballmannschaft sehen

Den Mitarbeitern im Hospiz liegt viel daran, die letzten Wünsche der Menschen zu erfüllen. Dazu zählen kleine Wünsche, etwa das Lieblingsessen auf den Tisch zu bringen, aber auch größere: noch einmal die Lieblingsfußballmannschaft im Heimstadion anfeuern, noch einmal die Aussicht vom Gipfel der Zugspitze genießen, noch einmal zum Bodensee fahren.

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Die Zahl der Mitarbeiter ist von anfänglich 16 auf 34 gewachsen. Sie umsorgen die bis zu acht Gäste der Einrichtung.

Manchmal werden auch Treffen arrangiert mit Menschen, zu denen im Laufe des Lebens der Kontakt verloren gegangen ist, erzählt die Leiterin des Hospizes, Sonja Remiger. Sie kann berichten von einem Zusammentreffen eines Hospizbewohners mit der kleinen Schwester, die seit Jahren in den Vereinigten Staaten lebte, dem Wiedersehen mit den eigenen Kindern oder mit Menschen, die man einfach nie vergessen konnte. Immer gelangen diese Zusammenführungen leider nicht, sagt Remiger. Was jedoch immer gelingt, so die Überzeugung von Geschäftsführer Andreas Lazarek, ist die mulitprofessionelle Versorgung der Hospizgäste. Das Team aus qualifizierten Mitarbeitern, Ärzten und Therapeuten schaffe es, sich auf jeden Gast und jede Krankheit einzustellen – auf psychischer wie auf physischer Ebene. In der Regel werde dabei mehr Zeit auf die emotionale Arbeit verwendet als auf bloßes Wundmanagement und die Schmerztherapie.

Auch für Angehörige ist im Benild-Hospiz Platz

Das Benild-Hospiz bietet Platz für acht Personen, die alle in Einzelzimmern untergebracht sind. Die Küche ist ein zentraler Treffpunkt des Hauses. Angehörige können in den Zimmern übernachten. Ihnen steht aber auch eine kleine Wohnung im Obergeschoss zur Verfügung. Haustiere dürfen ins Hospiz mitgebracht werden.

Als Nonprofit-Organisation, ein Unternehmen, das keinen Gewinn erzielen muss, steht das Hospiz auch wirtschaftlich immer wieder vor Herausforderungen. Im Benild-Hospiz stehen soziale Werte über Gewinn und Rentabilität. Auch wenn 95 Prozent der Kosten von Trägern gedeckt werden, bleibt die eine zentrale Aufgabe des Geschäftsführers Lazarek die Spendenakquise – eine oft undankbare Aufgabe, die ihm die Menschen in Illertissen und Umgebung doch relativ leicht machen. Wer davon ausgeht, dass die Anfangseuphorie, die solchen Projekten häufig innewohnt, nach fünf Jahren einfach verflogen ist, irrt.

Die Spendenbereitschaft der Bürger, Unternehmen und Kommunen ist noch immer hoch. Lazarek stellt fest: „Wir sind diesbezüglich eine Vorzeigeregion, die gemeinsam auf politischer, wirtschaftlicher und privater Ebene einen großen Gesellschaftsbeitrag stemmt.“ In 38-jähriger Berufserfahrung im Klinikalltag habe er noch nie ein so ausgeprägtes Engagement ehrenamtlicher Unterstützer, Kooperationspartner und auch eigener Mitarbeiter erlebt.

Andreas Lazarek ist der Geschäftsführer des Benild-Hospizes.
Bild: Benild-Hospiz

In den fünf Jahren seines Bestehens hat sich das Benild-Hospiz einen festen Platz in der Stadt erarbeitet. Neben der ärztlichen Versorgung bietet die Einrichtung ihren Gästen ein breites Therapieangebot, zu dem Physiotherapie, Logopädie, Stoma-Ergotherapie bis hin zu Musiktherapie durch Veronika Vogelpohl gehört.

Geschäftsführer beeindruckt von hohem ehrenamtlichen Engagement

Eine stetig wachsende Zahl an ehrenamtlichen Helfern unterstützt die Mitarbeiter auf verschiedene Art und Weise, etwa direkt in der Trauerbegleitung, aber auch im hauswirtschaftlichen Bereich. Ehrenamtliche kümmern sich auch um die Besucher der Trauer-Cafés, das jeden ersten Freitag im Monat stattfindet. Ein weiteres Standbein der Sterbebegleitung in Illertissen ist die Arbeit der ambulanten Hospizgruppe, die bereits 1997 gegründet wurde. Die Zusammenarbeit zwischen ambulanter und stationärer Sterbebegleitung wurde in den vergangenen Jahren intensiviert.

Mit Blick auf die aktuelle Lage wünscht sich Lazarek, dass das Engagement der Illertisser für das Hospiz sich auch nach der Krise fortsetzt. „Denn Menschen werden immer unsere Unterstützung und unsere Versorgung im Hospiz nötig haben. Und jeder Mensch verdient am Lebensende die Aufmerksamkeit und die Zuwendung, die er üblicherweise am Anfang des Lebens bei der Geburt erfährt.“

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