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Illertissen

30.06.2017

Zwischen Kultur und Konflikten

Zur Klagemauer kommen Juden, um zu beten, der Felsendom gehört zu den islamischen Hauptheiligtümern. Außerdem gibt es in Jerusalem mehr als 150 christliche Kirchen. In der Stadt prallen drei Weltreligionen aufeinander. Die Illertisserin Tamara Franz freut sich darauf, ein Jahr an diesem spannenden Ort verbringen zu können.
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Zur Klagemauer kommen Juden, um zu beten, der Felsendom gehört zu den islamischen Hauptheiligtümern. Außerdem gibt es in Jerusalem mehr als 150 christliche Kirchen. In der Stadt prallen drei Weltreligionen aufeinander. Die Illertisserin Tamara Franz freut sich darauf, ein Jahr an diesem spannenden Ort verbringen zu können.
Bild: Roland Holschneider

Die Illertisserin Tamara Franz geht für ein Jahr nach Jerusalem. Mit K!ar.Text hat die 24-jährige Studentin darüber gesprochen, wie sie sich in Israel sozial engagieren wird – und warum.

Tamara, Du fliegst bald für ein Jahr nach Israel. Wie bist du denn darauf gekommen?

Tamara Franz: Ich bin jetzt bald fertig mit meinem Studium. Da wollte ich noch irgendwas Sinnvolles machen. Es war dann reiner Zufall, dass ich über die Aktion Sühnezeichen Friedensdienst, also ASF, gestolpert bin, für die ich dann in Jerusalem arbeite. Aber ich fand die Idee hinter dieser Organisation so toll, dass ich mich direkt beworben habe.

Kannst Du kurz erklären, worum es bei dieser Organisation geht?

Tamara Franz: Gegründet wurde ASF Ende der 1950er von der evangelischen Kirche. Sie ist also christlich geprägt, aber es kann jeder mitmachen, egal welcher Religion er angehört. Im Mittelpunkt stand anfangs die Wiedergutmachung für den Antisemitismus und die Verbrechen gegen Juden während der NS-Zeit. Heute setzt sich die Organisation in 13 Ländern gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung von Minderheiten ein.

Warum hat dich ASF gleich auf Anhieb so fasziniert?

Tamara Franz: Als die Flüchtlingskrise in Deutschland begonnen hatte, war ich für ein Auslandsstudium in Chile. Da habe ich dann von außerhalb mitbekommen, wie auch in Deutschland dieser Hass gegen die Asylsuchenden aufkam. Das fand ich wirklich schlimm. Ich war ja selbst in einem fremden Land. Und wenn die Leute nicht auf einen zukommen, ist es einfach schwer, dort zu leben. Ich finde es auch wichtig, dass wir, mit unserer Geschichte, die noch gar nicht so lange her ist, aufstehen und uns einsetzen für ein gutes Miteinander aller Kulturen.

Wie sieht die Arbeit dieses Friedensdienstes heute konkret aus?

Tamara Franz: Es gibt verschiedenste Projekte. Antisemitismus ist immer noch ein wichtiger Punkt. ASF arbeitet vor allem mit Menschen und Organisationen aus Ländern zusammen, die unter der NS-Zeit gelitten haben. Es gibt aber auch Projekte mit Menschen mit Behinderung oder sozial Benachteiligten. ASF macht auch historische und politische Bildung. Es wurde mit dem Gedanken an den Antisemitismus gegründet, aber hat sich im Laufe der Jahre vergrößert.

Warum dann Jerusalem?

Tamara Franz: ASF arbeitet in elf Ländern in Europa, den USA und Israel. Ich habe mich für verschiedene Länder und Projekte beworben und wurde nach einem Auswahlseminar in Jerusalem angenommen.

War das denn dein Wunschziel?

Tamara Franz: Jerusalem ist schon sehr spannend, kulturell gesehen. Drei Weltreligionen – Islam, Judentum und Christentum – prallen hier aufeinander. Die Stimmung ist, glaube ich, ganz speziell.

Machst du dir denn auch Sorgen um deine Sicherheit? Wenn Israel in den Nachrichten auftaucht, geht es doch meistens um Gewalt und Terror.

Tamara Franz: Für meine Familie ist es wohl schlimmer. Bei mir überwiegt auf jeden Fall die Neugier und die Lust, das zu machen. Ich war aber schon in Israel und war sehr überrascht von dem, was ich dort erlebt hatte. So im Gegensatz zu dem, was ich in Deutschland aus den Medien mitbekomme. Aber es stimmt, gerade Jerusalem ist sehr konfliktgeladen. Es passiert viel, tagtäglich.

Der Staat Israel wurde ja erst 1948 gegründet. Bis heute gibt es Konflikte zwischen den Palästinensern, die dort schon vorher gelebt hatten und den Israelis.

Tamara Franz: Ich habe Menschen beider Religionen getroffen, als ich dort war. Es gibt einfach ganz viele verschiedene Meinungen, auch Vorurteile gegenüber dem anderen Volk. Ich glaube, das liegt daran, dass die Menschen dort in dem Konflikt groß werden. Bei denen, die ich getroffen habe, war häufig auch der Wunsch nach Ruhe und Frieden groß. Viele stört aber auch, dass die Medien fast nur über die Auseinandersetzungen in dem Land berichtet wird, die alles andere überdecken.

Was wären denn deiner Meinung nach die schönen Seiten des Landes, über die die Medien auch mal schreiben sollten?

Tamara Franz: Israel ist einfach ein wunderschönes Land. Mir hat die Vielfalt an Kultur gefallen. Es sind viele Juden aus ganz Europa nach Israel gekommen, dann kommen noch Einflüsse aus dem Nahen Osten dazu. Das gibt so einen kunterbunten Eintopf. Auf der Straße hört man die verschiedensten Sprachen, zu essen gibt es praktisch alles von vegan bis Schnitzel.

Bei welchen Projekten arbeitest Du denn in Jerusalem mit?

Tamara Franz: Einerseits werde ich im Beit Ben Yehuda arbeiten, einer internationalen Jugendbegegnungsstätte. Dort gibt es Seminare für Schulklassen zu geschichtlichen, politischen, kulturellen und sozialen Themen. Dabei werde ich helfen. Dann arbeite ich noch für die Organisation Irgun Jotzei Merkas Europa, die Heime für ältere Menschen gegründet haben. Die werde ich besuchen und ihnen im Alltag helfen. Oder auch nur mit ihnen quatschen oder Tee trinken, wenn sie das möchten.

Wie hoch ist denn der Organisationsaufwand für ein soziales Jahr mit ASF?

Tamara Franz: So ein Freiwilliges Soziales Jahr kostet ganz schön viel Geld. Bei ASF unterstützen Paten die Freiwilligen finanziell monatlich mit 15 Euro, also insgesamt mit 180. Die irgendwo aufzutreiben, ist nicht ganz einfach. Sollte jemand Interesse haben, mein Pate zu werden, kann er mich gern persönlich anschreiben.

Paten Wer für Tamaras Einsatz spenden möchte, kann sie per E-Mail unter tamara.franz@gmx.de erreichen.

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