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Basketball-Bundesliga

09.01.2021

Ein bisschen Leidenschaft darf sein

So darf das gerne öfter sein: Die Ulmer Spieler Thomas Klepeisz, Dylan Osetkowski, Christoph Philipps und Troy Caupain (von links) gehen hinter der Bande ab.
Foto: Horst Hörger

Gegen Bamberg reagierte vor allem Per Günther sehr emotional. Jetzt sind auch seine Teamkollegen gefordert, denn die nächste Aufgabe wird noch schwerer

Per Günther platzte irgendwann der Kragen. Als sich am Mittwoch im letzten Viertel der Partie der Basketball-Bundesliga zwischen Ratiopharm Ulm und Brose Bamberg abzeichnete, dass es für die Ulmer trotz einer Sechspunkte-Führung Mitte des letzten Viertels eine weitere knappe Niederlage setzen würde, da schmiss der Kapitän einen Stuhl mit Vehemenz hinter die Spielerbank. So viel Emotion darf mindestens sein. Einige von Günthers Ulmer Teamkollegen zeigten auf und neben dem Parkett deutlich weniger Herz und Leidenschaft. Gerade diese Tugenden werden aber nötig sein bei der Auswärtsaufgabe am Samstag (20.30 Uhr) gegen Tabellenführer Ludwigsburg. Andernfalls droht gegen die Riesen die fünfte Niederlage im sechsten Spiel und das Abrutschen ins noch grauere Mittelmaß der Tabelle.

Zwei Tage danach hatte Günther seinen Frust verarbeitet. In der Pressekonferenz vor dem Ludwigsburg-Spiel sagte er immerhin: „Ich glaube schon, dass wir ein bisschen verärgert sind. Wir hatten uns mehr aus den letzten Spielen erwartet.“ Die Selbstkritik des Kapitäns: „Wenn du ein Spiel mit einem 0:13-Lauf beendest, kannst du nur auf dich selbst wütend sein.“ Es wäre ein Heimsieg drin gewesen gegen im Spiel gegen die Bamberger, das aufgrund der vielen großen Duelle zwischen beiden Mannschaften für Günther eine noch größere emotionale Bedeutung hat als das Derby gegen Ludwigsburg. Bamberg gegen Ulm – so lautete etwa in den vergangenen neun Jahren zweimal die Ansetzung in der Endspielserie um die deutsche Meisterschaft.

Die Kräfteverhältnisse haben sich verändert. Der neunmalige deutsche Meister und sechsfache Pokalsieger aus Oberfranken ist in der Bundesliga ebenso wie die Ulmer nur noch Mittelmaß. Vorneweg marschieren derzeit die Ludwigsburger mit ihren acht Siegen nacheinander, unter anderem gegen andere Topmannschaften wie Berlin, Crailsheim und Hamburg. Was alles andere als eine Momentaufnahme ist: Schon beim Saisonabschlussturnier im Juni im Münchener Audi-Dome bewies die Mannschaft von Trainer John Patrick mit Platz zwei, dass sie zusammen mit Oldenburg wahrscheinlich am ehesten dazu in der Lage ist, die deutschen Überflieger Alba Berlin und Bayern München zu ärgern.

Was die Ulmer mitnehmen nach Ludwigsburg, das ist die Gewissheit, dass sie diesen Gegner schlagen können. Ende Oktober fertigten sie im Pokal die allerdings durch eine Corona-Quarantäne geschwächte Mannschaft aus der Barockstadt mit 92:72 ab und schafften unter anderem damit die Qualifikation für das Top-Four-Turnier. Seitdem hat es ein paar personelle Veränderungen gegeben: Unter anderem hat Elias Harris die Ludwigsburger verlassen und beim spanischen Erstligisten Saragossa unterschrieben. Herausragender Spieler bei den Riesen ist damit jetzt erst recht Jaleen Smith: bester Werfer, bester Rebounder, die meisten direkten Korbvorlagen, Ballgewinne und Blocks. Eigentlich ein Fall für John Petrucelli, den wahrscheinlich besten Verteidiger bei den Ulmern. Aber der fehlt seit ein paar Spielen wegen Rückenbeschwerden. Nach der Einschätzung von Per Günther hat aber seine Mannschaft Probleme in erster Linie im Angriff: „Ich würde deswegen diese Personalie nicht allzu hoch hängen.“

Der Pokalsieg gegen Ludwigsburg stellt für Per Günther einen gewissen Wert dar: „Wenn du in Ludwigsburg gewinnen willst, musst du auch davon überzeugt sein, die Qualität dazu zu haben. Das haben wir uns durch den Sieg bewiesen.“ Wenn jetzt noch alle Ulmer Spieler so viel Herz und Leidenschaft an den Tag legen, wie ihr Kapitän das gegen Bamberg bei seinem Stuhlwurf getan hat...

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