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DFB-Pokal

22.12.2020

Enttäuschung hier, Frust dort

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Es hätte für Ulm die perfekte Konstellation sein können – der Patzer am Samstag hat sie zerstört. Im Bus nach Gelsenkirchen sitzt auch ein Mann, der zuletzt keine Rolle spielte

Es hätte die für den Außenseiter perfekte Konstellation sein können: Hier der Bundesligist Schalke 04 in der Turbokrise und mit mittlerweile 29 Spielen ohne Dreier. Dort der Regionalligist SSV Ulm 1846 Fußball, gierig und mit einem gewaltigen Lauf. Genau danach sah es noch am Samstagmittag aus, aber dann patzte bekanntlich Ulm im dritten Punktspiel nach dem Neustart heftig und überraschend. Nach zwei glatten Siegen ohne Gegentreffer und mit insgesamt sieben eigenen Toren gegen Stadtallendorf und Alzenau setzte es eine 1:2-Heimniederlage gegen Hessen Kassel. Und so spielen am Dienstag (18.30 Uhr) in der zweiten Runde des DFB-Pokals in der Veltins-Arena eben zwei angeknockte Mannschaften gegeneinander. Eine aus der ersten und eine aus der vierten Liga.

In dieser Hinsicht widerspricht Holger Bachthaler: „Wir sind nicht angeknockt, weil wir gegen Kassel verloren haben.“ Der Ulmer Trainer und die Spieler haben sich am Montagmorgen auf die etwa siebenstündige Reise nach Gelsenkirchen gemacht. In zwei Bussen übrigens, das schreibt der DFB wegen Corona so vor. Zu den Regionalliga-Partien gegen Stadtallendorf und Alzenau hatten die Ulmer noch in einem Bus fahren dürfen. Ebenfalls vorgeschrieben sind im Profibereich insgesamt vier Labortests. Die letzten vor dem Schalke-Spiel wurden am Sonntagmittag vorgenommen, die Ergebnisse sind auch schon da und sie sind alle negativ.

Die Stimmung in der Mannschaft war am Montag trotzdem natürlich nicht euphorisch, wie Holger Bachthaler direkt aus einem der Busse berichtete. Das lag an der frühen Abreise, aber auch – wie der Trainer eingestand – am Ergebnis gegen Kassel. Selten jedenfalls dürfte Bachthaler so viel Zeit und Gelegenheit für Einzelgespräche noch vor dem abendlichen Abschlusstraining auf einem Platz neben der Veltins-Arena gehabt haben. Auf ein paar Schlüsselspieler beim Gegner wird der Ulmer Trainer seine Schützlinge aufmerksam machen, aber insgesamt liegt der Fokus eher auf den Qualitäten, die der Regionalligist selbst abrufen muss. Bachthaler sagt: „Es wird uns kaum gelingen, die Schalker mit taktischen Kniffen zu überraschen.“ Es geht also um Kampfkraft und Laufbereitschaft. Um Tugenden, mit denen im Pokal viel möglich ist.

Die Ulmer wissen das aus eigener Erfahrung. Vor mehr als zwei Jahren haben sie den Titelverteidiger Eintracht Frankfurt aus dem Wettbewerb gekegelt und in der laufenden Saison den Zweitligisten Aue. Ein Sieg gegen Schalke und das auch noch auswärts, das wäre ein ähnlicher Coup wie der gegen Frankfurt. Es gab übrigens schon Pflichtspiele zwischen den Spatzen und den Königsblauen, auch wenn die sehr lange zurückliegen. Das bisher einzige Mal im DFB-Pokal standen sich beide Vereine in der ersten Runde der Saison 1996/97 gegenüber. Schalke gewann dank der Tore von Martin Max und Thomas Linke mit 2:0. In den direkten Duellen in der einzigen Ulmer Bundesliga-Saison 1999/2000 trennte man sich auf Schalke mit 0:0 und in Ulm mit 1:1.

Damals wie heute gilt: Wer gegen Schalke etwas reißen will, der braucht einen sehr guten Torhüter. „Einer, der auch ein paar schwierige Bälle hält“, wie Holger Bachthaler das formuliert. In der Bundesliga war das zweimal Philipp Laux, am Dienstag im Pokal wird das wohl wieder Max Reule sein, der in allen drei Spielen seit dem Neustart im Kasten stand. Zur Aufstellung wollte Bachthaler ansonsten am Montag noch nichts sagen. Immerhin verriet er, dass auch Anton Fink in einem der Busse nach Gelsenkirchen saß – der Mann also, der im Sommer mit großen Erwartungen aus Karlsruhe geholt wurde, der derzeit aber so gut wie keine Rolle spielt bei den Ulmern. Im ersten Spiel nach dem Neustart gegen Stadtallendorf wurde Fink eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt, gegen Alzenau und Kassel gehörte er gar nicht zum Aufgebot der Spatzen. Gegen Schalke schon – im DFB-Pokal sind ja auch 20 Spieler im Kader anstatt wie sonst nur 18 erlaubt.

Für die Aufstellung bei Schalke ist seit dem vergangenen Freitag wieder mal Huub Stevens zuständig und das ist kein Job, um den man ihn in der Szene beneiden würde – bei der 0:1-Niederlage im Kellerduell gegen Bielefeld am Samstag hat der knorrige Niederländer erlebt, wie unangenehm die Aufgabe wirklich ist, zu deren Übernahme er sich hat breitschlagen lassen. Das Spiel gegen Ulm ist das zweite in der voraussichtlich kurzen Amtszeit von Stevens und es soll auch schon wieder das letzte sein. Der Nachfolger wird möglicherweise schon am Dienstag nach Spielende verkündet. Als künftige Schalke-Trainer wurden und werden unter anderem der 67-jährige Friedhelm Funkel und der fast ebenso alte Schweizer Christian Gross gehandelt. Wer es auch immer wird auf Schalke – er würde sicher gerne eine Mannschaft übernehmen, die zumindest noch im DFB-Pokal dabei ist.

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