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16.07.2010

Herr Professor liebt Baseball und sein Schlagzeug

Herr Professor liebt Baseball und sein Schlagzeug
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Herr Professor liebt Baseball und sein Schlagzeug

Ulm Bill liebt Baseball. Denn Bill kommt aus Boston. Seit fast 25 Jahren lebt er in Ulm und an diesem Wochenende freut er sich auf eine Premiere in seiner Wahlheimat: ein Baseball-Länderspiel. Am Sonntag (14 Uhr) trägt im Stadion der Ulmer Falcons am Pfaffenhau die deutsche Nationalmannschaft ihr letztes Testspiel für die bevorstehende Europameisterschaft gegen Belgien aus.

"Das ist großartig", sagt Bill in New-England-Schwäbisch. Denn die Liebe zum Baseball gehört zu seinem Leben wie die Liebe zu seinem Schlagzeug: Bill Elgart ist mit seinen 67 Jahren einer der profiliertesten Modern-Jazz-Drummer Europas, hat mehr als 40 Schallplatten veröffentlicht und ist Professor an der Musikhochschule in Würzburg.

Bill lebt unauffällig in einer kleinen Söflinger Dachgeschoss-Wohnung und erledigt die täglichen Dinge des Lebens vorzugsweise mit dem Fahrrad. Dass er auf den Bühnen der renommiertesten Jazz-Clubs den Takt vorgegeben und weltweit Konzerte mit den Großen seiner Zunft geben hat, das sieht man dem schmächtigen Senior nicht an. Für Bill ist das auch ganz gut so. Wert auf Äußerlichkeiten, auf Ruhm und den ganzen Schnickschnack legt er nicht. Bill Elgart geht es um den Kern, das Wesen einer Sache. Und hier erkennt er Parallelen zwischen Sport und Kunst, vornehmlich im Baseball: "Das Prinzip ist einfach. Aber was du daraus machen kannst, das ist unglaublich."

Rhythmus ist ein wichtiger Faktor, weiß der Schlagzeuger aus Leidenschaft: "Du musst selbst im Rhythmus sein. Du musst aber den Rhythmus der Gegner stören, um zu siegen." Was auf dem Spielfeld zwei Teams miteinander austragen, übernehmen auf der Bühne die Instrumente.

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Bill wusste schnell, dass er Schlagzeuger werden wollte. "Meine Schulzeit habe ich vor allem im Probenraum der Schulband verbracht." War er mal im Tageslicht, nutzte er das Sportangebot Bostonsals Spieler in den Little Leagues im Baseball, in der Football-Schulmannschaft oder als Fan der Red Sox (Baseball) und Celtics (Basketball).

Aber auf Drängen der Eltern widmete er sich zunächst einem Tierarzt-Studium. Der gute Wille währte zehn Wochen, weil es an der Northeastern University in Boston eine sehr aktive Jazz-AG gab. Das war das Ende vom Traum, einen Tierarzt in der Familie zu haben. Der Vater lenkte ein und akzeptierte schließlich ein Studium an der "Berklee School of Music", einer der renommiertesten Musikhochschulen in Boston.

1976 kam ein Anruf eines Bekannten, der in Salzburg eine Jazzband gründen wollte. Bill nutzte die Gelegenheit: "Ich hatte schon immer großes Interesse an Europa." Die Liebe zum Schlagzeug war größer als Liebe zu seiner Familie. Trennung, zwei Kinder wuchsen ohne ihn auf. Die Liebe zu einer Frau immerhin brachte ihn 1986 nach Ulm, sein jüngster Sohn Joshua hält ihn hier und Bill blieb auch an der Donau, als er in Würzburg einen Lehrauftrag an der Hochschule für Musik erhielt.

Kurioserweise hat Joshua 2001 bei einem Urlaub in den USA seine Liebe zu Baseball entdeckt. Und Vater Bill bei der Rückkehr, dass es in Ulm tatsächlich eine Mannschaft gibt. Also begann Joshua bei den Falcons und Bill begleitet seinen Sohn zu Training oder Spiel. Fast wie daheim in Boston damals.

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