Regionalliga Südwest

20.04.2019

Mit Freude in den Endspurt

Felix Higl (links) war mit seinen drei Toren gegen Hessen Dreieich einer der Faktoren für den hohen 5:0-Sieg. Noch im Winter hätte ihm das der Großteil der Spatzen-Beobachter und Fans nicht zugetraut.
Bild: Horst Hörger

Bei den Spatzen entpuppt sich Felix Higl als guter Wintertransfer. In der Liga spielt sein Team in Frankfurt, spannender wird es aber ein paar Tage später

Etwas verwundert waren Fans und Beobachter des SSV Ulm 1846 Fußball im Winter schon. Der mit fünf Treffern zu dem Zeitpunkt beste Torschütze Steffen Kienle lag wegen eines Kreuzbandrisses seit einigen Wochen flach und bei seinen Mitspielern entwickelte sich eine lästige Abschlussschwäche. Aber anstatt eines adäquaten Ersatzes holten die Verantwortlichen in der Winterpause Felix Higl. Ein 22-Jähriger vom Oberligisten Bahlinger SC, der zudem nicht Kienle beerben sollte, sondern den Mittelfeldspieler Adrian Beck, der überraschend nach Belgien gewechselt war. Der Transfer wurde von der Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen, mehr aber auch nicht. Die Forderung nach einem neuen Stürmer blieb. Dass sie den bekommen haben könnten, daran dachten die Fans nicht.

Heute, fast drei Monate später, hat sich der Eindruck geändert. Felix Higl hat die fünf Tore-Marke von Steffen Kienle geknackt und beim 5:0 gegen Hessen Dreieich am vergangenen Wochenende einen Hattrick beigesteuert. Der „Perspektivspieler“, wie ihn Vorstandsmitglied Anton Gugelfuß im Winter genannt hatte, entfaltete sein Potenzial ziemlich schnell. Während seines Regionalliga-Debüts gegen den SV Elversberg gelang ihm prompt das Siegtor zum 1:0, in den beiden jüngsten Ligapartien traf er viermal. „Er hat sich super eingefunden“, sagt sein Trainer Holger Bachthaler. Schon während der Einheiten unter der Woche habe er immer wieder gezeigt, was in ihm schlummert. Was Felix Higl selbst über die Leistung seiner Mannschaft sagt, könnte er genauso gut über sich sagen: „Wir werden von Woche zu Woche stärker. Man sieht ja, welche Entwicklung wir in den vergangenen Wochen gemacht haben, das ist überragend.“

Ein Teil dieser positiven Entwicklung, von schwacher Torausbeute hin zur Torfreude, geht bei den Ulmern auch auf die Rechnung des Duos auf der rechten Außenbahn, Verteidiger Lennart Stoll und Mittelfeldakteur Nico Gutjahr. Gegen Dreieich machten sie viel Dampf über rechts, bereiteten einige Tore vor und blieben die ganze Spielzeit gefährlich. Besonders Gutjahr bekam von Holger Bachthaler Lob. Er sei in den vergangenen Spielen mit der aktivste Fußballer auf dem Platz gewesen. In Kombination mit Stoll ist er ein wichtiger Faktor im Aufbauspiel der Spatzen. „Ich fühle mich richtig wohl“, erklärt Gutjahr. „Wir wissen beide, was der jeweils andere macht: die Laufwege stimmen, wir wissen, wann wir nach vorne gehen oder es ruhig machen sollen und haben einfach Bock, Fußball zu spielen über rechts.“ Sogar einen Torjubel haben die beiden eingeübt. „Der heißt ’Spielmodus’“, erklärt Gutjahr. „Den machen wir auch immer vor der Partie.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Frage, die sich beim aktuellen Lauf der Ulmer stellt, ist nur die: Warum hat es so lange gedauert? Die Leistungen waren zwar nie wirklich schlecht, doch die knappen Ergebnisse nagten an den Spatzen. Jetzt wirken sie befreiter. Ein Resultat der harten Arbeit, sagt Gutjahr. Die Entwicklung der Ulmer während der Saison zahle sich aus, sagt Higl. Pünktlich zum Endspurt der Saison.

Der führt die Ulmer am Samstag zum FSV Frankfurt, ein Traditionsverein, der aktuell von einem Hoch nur träumen kann. Schon am Karfreitag sind die Ulmer nach Hessen aufgebrochen, mit dem stillen Feiertag war es da nicht viel her. Die Partie wird auch helfen, sich auf das vorzubereiten, was in der kommenden Woche ansteht. Im Halbfinale des WFV-Pokals wartet der SSV Reutlingen auf die Ulmer – der Puls dürfte dann um einiges höher sein als gegen den FSV, wobei Bachthaler beteuert, dass erst mal die Liga im Blickpunkt steht: „Wir wollen den maximalen Erfolg. Ab Sonntag werden wir uns dann auf Reutlingen vorbereiten.“ Gegen Frankfurt wird nur David Braig fehlen.

Tickets für das Spiel in Reutlingen gibt es im Internet auf dem Portal Reservix.de.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren