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Basketball

24.10.2020

Sie bleiben zusammen

Die Ulmer Bank war in dieser Saison wegen diverser Verletzungen noch nie voll besetzt. Die Mannschaft ist nach dem Eindruck von Kapitän Per Günther trotzdem zusammen geblieben.
Bild: Horst Hörger

Ulm hat am Wochenende zwei wichtige Spiele vor der Brust. Aber vorab wird in erster Linie über das Coronavirus, die Angst davor und die Risiken geredet

Wie geht man als Profisportler um mit dieser merkwürdigen Situation? Mit dem unheimlichen Coronavirus, vor dem alle Vorsichtsmaßnahmen offensichtlich keine absolute Sicherheit garantieren? Es gibt im Basketball unter anderem Fälle beim Bundesligisten Alba Berlin, in der Pro A bei Phoenix Hagen und in der Pro B bei der Ulmer Orange-Academy. Im eben erst eröffneten Campus ruht deswegen momentan der Trainingsbetrieb. Per Günther sagt: „Zumindest gefühlt ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch bei uns etwas passiert.“ Ebenfalls gefühlt sind der Kapitän von Ratiopharm Ulm und seine Mannschaftskameraden aber auch ein Stück weit privilegiert. Weil sie Gefühle sogar körperlich zeigen können und dürfen. Unter Menschen, die alle zwei bis drei Tage auf das Virus getestet werden, ist so etwas möglich. „Man kann im Training auch mal einen Mitspieler in den Arm nehmen“, sagt Günther.

Noch so ein Gefühl: Ein mulmiges, hat der Ulmer Kapitän bei Reisen im Eurocup wie der in das Risikogebiet Montenegro am Mittwoch dieser Woche – auch wenn Günther sich selbst immer wieder bewusst macht, dass der Begriff „Risikogebiet“ sich ein Stück weit relativiert bei derzeit mehr als 11000 täglichen Neuinfektionen auch in Deutschland. Zudem passen die Ulmer natürlich auf sich auf. Es gibt Hygienekonzepte, die Spieler meiden Kontakte und bleiben vor Ort im Hotel. „Wir schützen uns, so gut es geht“, sagt Trainer Jaka Lakovic: „Komplett abstellen lässt sich das Risiko natürlich nicht. Wir müssen beispielsweise zum Flughafen und wir müssen fliegen.“

Eine der Vorsichtsmaßnahmen bei Ratiopharm Ulm: Videoschalten ersetzen die Pressekonferenzen aus der Zeit vor Corona. Bei der am Freitag wurde die meiste Zeit über das Virus, die Angst davor und die Risiken gesprochen. Früher hätten sich Spieler, Trainer und Journalisten die Köpfe heiß geredet über die ja alles andere als unwichtigen Hausaufgaben an diesem Wochenende. Ratiopharm Ulm spielt am Samstag um 20.30 Uhr in der Arena im Pokal gegen Ludwigsburg und bereits am Sonntag um 15 Uhr gegen Würzburg. Nach der Auftaktniederlage gegen Bamberg vor einer Woche ist ein Ulmer Einzug in die Endrunde mathematisch und sportlich unwahrscheinlich geworden, aber eben nicht unmöglich. Zwei Siege im eigenen Wohnzimmer sind dazu auf jeden Fall notwendig. Früher hätte man sich auch ereifert über die Ungerechtigkeit, dass Ulm am Samstag das späte Spiel und am Sonntag das frühe zu bestreiten hat – wohlgemerkt als einzige Mannschaft in dieser Gruppe, die auch international beschäftigt und entsprechend stark belastet ist. In Corona-Zeiten wird der Spielplan halt kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen.

Was gibt nun also die sportliche Betrachtung her? Per Günther ist mit der Gesamtsituation im Ulmer Basketball gar nicht so unzufrieden, obwohl die Mannschaft vier der ersten fünf Pflichtspiele in dieser Saison verloren hat. Der Kapitän verweist darauf, dass meist mit Isaiah Wilkins und Thomas Klepeisz zwei potenzielle Starter gefehlt haben, mit Patrick Heckmann zeitweise sogar ein dritter. Richtig abgewatscht wurden die Ulmer trotzdem nie. Per Günther formuliert es so: „Es hätte auch heftige Niederlagen geben können. Aber das ist nicht passiert, weil wir als Mannschaft nicht auseinandergefallen, sondern zusammen geblieben sind.“ Dass man sich unter Basketballprofis auch mal in den Arm nehmen kann, das war dabei sicher hilfreich.

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