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Neuburg an der Donau

19.03.2018

So blicken unsere Großeltern auf ihre Jugend zurück

Nikolaus Großmann sieht sich die alten Bilder aus seiner Jugend an. Was hätte er anders gemacht?
Bild: Laura Freilinger

Wie war die Jugend vor etlichen Jahrzehnten? Wo ist der größte Unterschied zur heutigen Zeit? K!ar.Text hat nachgefragt.

Da er 1943 während des zweiten Weltkriegs geboren wurde, erlebte mein Großvater Nikolaus Großmann ein paar Jahre später in der Nachkriegszeit eine andere Jugend, als wir sie heute kennen. Dass damals noch niemand mit Handys und Kopfhörern über die Straßen hetzte, ist klar. Selbstverständliche Dinge, wie beispielsweise der Besuch einer höheren Schule, blieben vielen verwehrt. Heutzutage kann man sich das nur schwer vorstellen.

Ins Gymnasium ging nur, wer Geld hatte

"Jugendliche wie ich damals hatten nicht wirklich eine Wahl, was den späteren Beruf anging. Die Eltern bestimmten in meinem Fall, was ich zu tun hatte.“ Das lag nicht an einer strengen Erziehung, sondern schlicht daran, dass das Familienbudget stark beschränkt war. Nikolaus und seine Schwester Lotte mussten zusammen mit ihren Eltern ihr Leben finanzieren. Bis zur achten Klasse besuchten alle Kinder die Volksschule. "Wir hatten hervorragenden Unterricht. Wir bekamen besonders in Fächern wie Geschichte eine sehr gute Allgemeinbildung.“ Auf das Gymnasium gingen nur die Kinder sehr wohlhabender Eltern. In der Arbeiterfamilie reichte der Lohn für das Gymnasium nicht.

Der junge Nikolaus (vorne kniend) während seiner Ausbildung bei der Deutschen Bundesbahn.
Bild: Nikolaus Großmann (Archiv)

Deshalb wurde dem jungen Nikolaus mit 13 Jahren vorgeschrieben, eine Lehre zu beginnen. Diese durfte zu seiner Zeit erst mit 14 Jahren angetreten werden. Bis zu Beginn der Lehre die Füße hochzulegen, kam nicht mal Großmann selbst in den Sinn. So machte er die Aufnahmeprüfung für die Fachschule für Maschinenbau und lernte dort neun Monate.

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Auch Spaß während der Ausbildung gehört dazu

"Nachdem mein Vater 1947 aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, fand er Arbeit bei der Deutschen Bundesbahn und vermittelte mir dort einen Ausbildungsplatz." Kaum vorstellbar, dass der 14-jährige Nikolaus ganz alleine von seiner Heimatstadt Ansbach aufgrund der Lehre bei der Deutschen Bundesbahn nach Wuppertal in Nordrhein-Westfalen zog. "Man musste sich durchsetzen. Wir waren zwölf Jungen in einem Zimmer und durften nur dreimal im Jahr nach Hause fahren.“ Nach Beendigung der Lehre und einem halben Jahr Arbeit im Wuppertal kehrte er nach Ansbach zurück, arbeitete aber weiter bei der Deutschen Bundesbahn. Hätte Nikolaus Großmann die Möglichkeiten der heutigen Zeit gehabt, sehe sein Lebenslauf wahrscheinlich anders aus: "Mein Traum war ein Medizinstudium. Heute würde das sicher in Erfüllung gehen. Ich war gut in der Schule und würde zudem einige Praktika absolvieren, um so viel wie möglich zu lernen.“ Dass dennoch Unzufriedenheit herrscht, versteht er nicht. Über jede kleine Lebensverbesserung seien sie trotz Mängel glücklich gewesen, betont er mehrmals.

Tipp der Großeltern: Bildungschancen wahrnehmen

Großmann hatte auch Spaß während der Ausbildung. "Am ersten Tag des Monats erhielt ich mein Gehalt von 17 Mark und drei Pfennigen. Der Rest wurde für Unterkunft und Verpflegung abgezogen. Ich habe mir davon ein Nyletest-Hemd gekauft. Das ist ein weißes Synthetik-Hemd, dass bei Schwarzlicht hell aufleuchtet und in Mode war.“ Mit 21 Jahren begann seine Wehrpflicht. Es folgten der Beruf als Zeit- und Berufssoldat. "Für mich war die Bundeswehr ein wunderbarer Ort zur Weiterbildung. Zum einen gefiel mir meine Arbeit als wehrpflichtiger Soldat. Außerdem habe ich unglaublich viel gelernt und machte später Lehrgänge, unter anderem in den USA.“

"Im Gegensatz zu früher herrscht heute ein bewundernswerter Lebensstandard durch die Vielfältigkeit der Schulungsmöglichkeiten. Davon träumten wir damals nur.“ Er empfiehlt der heutigen Jugend von Herzen, Bildungschancen ernst zu nehmen, zu schätzen und für sich zu nutzen.

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