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Ursberg

13.03.2020

25 Neubauprojekte im Dominikus-Ringeisen-Werk Ursberg

Das jüngste Bauprojekt am Gründungsort des DRW in Ursberg: St. Paul, ein Flachbau für Menschen mit herausforderndem Verhalten. Die Aufnahme entstand im Sommer vergangenen Jahres. Bald sollen in Ursberg zudem weitere Kleinsthäuser aus Holz für jeweils eine Person entstehen.
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Das jüngste Bauprojekt am Gründungsort des DRW in Ursberg: St. Paul, ein Flachbau für Menschen mit herausforderndem Verhalten. Die Aufnahme entstand im Sommer vergangenen Jahres. Bald sollen in Ursberg zudem weitere Kleinsthäuser aus Holz für jeweils eine Person entstehen.
Bild: Manuel Liesenfeld

Plus Der Neubau und die Sanierung ist eine zentrale Aufgabe des Dominikus-Ringeisen-Werkes in Ursberg. was konkret umgesetzt wird.

„Schaffe, schaffe, Häusle baue …“ Diesen Satz, der der schwäbischen Mentalität zugeschrieben wird, kann man auch im Dominikus-Ringeisen-Werk (DRW) erleben. In drei bayerischen Regierungsbezirken begleitet die Einrichtung innerhalb der Caritas etwa 5000 Menschen mit Hilfebedarf. Im DRW gibt es einen eigenen „Zentralbereich Bau und Liegenschaften“. Hier werden Gebäude für Menschen mit Handicap erstellt. Ein Besuch bei den Häuslebauern des DRW, die dem Gründer Dominikus Ringeisen in vielerlei Hinsicht nacheifern.

Lagebesprechung im obersten Stockwerk von Haus Georg in Ursberg. In dem dreigeschossigen Haus aus dem 19. Jahrhundert sitzen fünf Mitarbeiter des „Zentralbereichs Bau und Liegenschaften“ an einem langen Konferenztisch. Zwischen ihnen ist ein Bauplan ausgebreitet. Darauf ist ein Grundriss eines Gebäudes zu erkennen mit vielen Strichen, Zahlen und Detailinformationen. Weitere Computerausdrucke mit bunten Zeitschienen liegen daneben. Am Tisch sitzen Wilfried Herold, Leiter des Zentralbereichs, sein Stellvertreter Markus Naß sowie Monika Schromm, Florian Schrode und Sven Schneider, alle drei sogenannte „Projektsteuerer“. Regelmäßig besprechen die Kollegen den Stand der Projekte und besprechen weitere Schritte.

Vieles läuft parallel

Ihre Aufgabe ist es, Neu- und Umbauprojekte sowie Sanierungen fachlich zu leiten. 25 laufende Neubauprojekte betreuen sie gerade parallel. Zusammen mit weiteren Kollegen, die sich um die Akquise von Grundstücken, die Anmietung oder den Kauf von Immobilien sowie um die Bewirtschaftung der Gebäude kümmern, haben sie das Ziel, für Menschen mit Handicap Wohn-, Funktions- und Arbeitsräume zu schaffen, die besonderen Anforderungen gerecht werden – von größeren Wohnhäusern für bis zu 24 Menschen bis hin zum Kleinsthaus aus Holz für nur eine Person.

25 Neubauprojekte im Dominikus-Ringeisen-Werk Ursberg

Die Fachleute entwickeln und bauen Häuser für Menschen in stationärer oder ambulanter Betreuung, für Menschen im Rollstuhl und für solche, die eine ganz spezielle Umgebung benötigen, weil sie ein sehr herausforderndes Verhalten zeigen. Das sind Wohnungen, die auch gegen Vandalismus ihres schwer geistig behinderten Bewohners gefeit sein müssen. Das Team am Tisch hat spezielle Anforderungen und sucht nach speziellen Lösungen dafür. Von der Lage und dem Zuschnitt des Grundstücks bis hin zu individuellen baurechtlichen Fragen: Kein Bauwerk ist wie das andere, jedes hat seine eigenen Voraussetzungen und Tücken – aber auch seine Möglichkeiten.

Jedes Vorhaben gleicht einem Puzzle

An den Schreibtischen des Teams von Haus Georg entstehen Projektpläne für neue Objekte in Augsburg, Aschaffenburg, Bobingen und Burgau, Kochel am See und Kempten, Meitingen, Vöhringen, Weißenhorn und vielen weiteren Kommunen in Bayern. Egal aber, wo es entsteht und wie das jeweilige Bauprojekt aussieht: Stets gilt es, Projektterminierung, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit im Auge zu behalten. Jedes Bauvorhaben gleicht einem Puzzle mit schier unzähligen Einzelteilen, die ineinanderpassen müssen. Eine lange Checkliste lässt erahnen, wie viel Zeit, Professionalität und Geduld investiert werden muss, damit am Ende der Einzug der Bewohner stehen kann.

Hier nur ein knapper Auszug daraus: die (oft sehr langwierige) Suche nach einem geeigneten Grundstück, ein Baugrundgutachten, die Grobkonzeption des neuen Wohnraums auf Grundlage des Baufensters und des jeweiligen Bebauungsplans, Gespräche mit den fachlich Verantwortlichen, das Architekturbüro aussuchen, die Fachingenieure beauftragen. Jetzt wird getüftelt, gerechnet und gezeichnet, um Wunscharchitektur, Baugrund und Vorgaben möglichst optimal zu kombinieren. Nachdem Entwürfe des Bauvorhabens auf dem Tisch liegen, kommt es zu ersten Gesprächen mit Fördergebern und Aufsichtsbehörden. Die Kosten werden berechnet, der Bau- und Förderantrag eingereicht und bis zu 25 Gewerke pro Neubau ausgeschrieben. Nachbesserungen und Nachverhandlungen folgen. Während des Baus gibt es viele Stunden Baubesprechungen, Überwachung der Arbeiten und Prüfungen der Rechnungen. „Ohne Vertrauen in unsere Dienstleister und Handwerker würde es nicht gehen“, sagt Markus Naß.

Wenn sich Prioritäten verschieben

Doch nicht immer lässt sich alles schön nacheinander abarbeiten. Verzögerungen treten auf. Prioritäten verschieben sich. Dann heißt es umso mehr, den Überblick behalten. Wenn schließlich jedoch Tische, Stühle, Betten, Schränke und Küchen geliefert, eingebaut und an Ort und Stelle stehen, wenn vor allem das neue Haus einen Namen hat (beim DRW als katholischer Einrichtung sind es oft Namen von Heiligen) und gesegnet wurde, „ist das schon ein ganz erhebender Moment“, gibt Wilfried Herold zu.

Beim DRW wird immer gebaut. Das ist ein wesentliches Gen in der DNA dieser Einrichtung. Das war schon in den Anfangszeiten so, als Dominikus Ringeisen (1835 bis 1904) seine Arbeit für Menschen mit Behinderung startete. Denn das Bauen steht geradezu sinnbildlich für die Suche nach geeigneten Möglichkeiten des Wohnens und Arbeitens für Menschen mit Handicap und damit für deren Teilhabe am Leben. Ringeisens große Projekte sind heute noch zu bestaunen. So baute er mit St. Josef das heutige Ursberger Gymnasium als erstes großes Wohnheim aus. Weitere Projekte zum Beispiel in Pfaffenhausen und Maria Bildhausen in Unterfranken folgten.

Er bat um Spenden für seine Pläne

Das Geld dazu lieh er sich oder bat um Spenden für seine Pläne. Viel größer als sein Geldbeutel war stets jedoch sein Gottvertrauen. Das besaß er im Übermaß. Es ließ ihn so manches finanzielle Wagnis eingehen. Schaut man auf die technischen und personellen Möglichkeiten, die das Dominikus-Ringeisen-Werk heute zur Verfügung hat, lässt sich die Leistung des Gründers und seiner Mitarbeiter nicht hoch genug einschätzen. Im Unterschied zu heute allerdings baute Ringeisen vornehmlich seine „Filialen“ aus. So ist aus dem ehemaligen Kloster Ursberg die weithin bekannte „Komplexeinrichtung“ mit vielen unterschiedlichen Facheinrichtungen an einem Ort geworden. In Zeiten aber, in denen Menschen mit Behinderung vermehrt in Städten und Gemeinden leben und arbeiten möchten, hat sich die Bautätigkeit des Werks außerhalb seiner angestammten Standorte verlagert. Unterbringungsmöglichkeiten werden auch deshalb gebraucht, weil durch Gesetz nur noch Einzelzimmer zugelassen sind. Bestandsbauten müssen umgebaut werden und verlieren dadurch Zimmer. Diese müssen durch Neubauten und durch Anmietungen kompensiert werden.

Mut und Gottvertrauen

Das bayerische „Pflegewohnqualitätsgesetz“ kannte Ringeisen zwar nicht. Mut und Gottvertrauen benötigen die heute Verantwortlichen aber ebenso wie Ringeisen damals. Denn trotz unterschiedlicher öffentlicher Fördermöglichkeiten bei Neubauten verbleibt das unternehmerische Risiko beim DRW. Es ist abhängig davon, wie schnell die neuen Plätze belegt sind, damit sich eine Investition in Wohnraum für Menschen mit Handicap zu amortisieren beginnt. Mit Spannung erwarten die Projektbeteiligten deshalb die jeweilige Schlussrechnung. Sie gibt Auskunft darüber, ob man die in den Planungen anvisierten Kosten wirklich einhalten kann. „Das ist Spannung bis zuletzt“, beschreibt es Wilfried Herold.

Ob Ringeisen und seine Mitstreiter dieses Gefühl wohl auch kannten? Schließlich hat sich nach über 130 Jahren, nachdem sein Gründer das Bauen im DRW begonnen hat, die Lage nicht grundsätzlich verändert: Noch immer sind Menschen mit Behinderung auf der Suche nach einer angemessenen Wohnung. Hier sollen sie nicht nur unter-, sondern hier soll auch ihre Seele zur Ruhe kommen. Und wie vor mehr als 130 Jahren gibt es auch heute Menschen wie das Team von Haus Georg, die diesen Bedarf zu decken versuchen. Und damit gehen sie ganz in den Spuren von Dominikus Ringeisen.

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