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Zeitgeschichte

09.05.2015

Als Hardy Krüger bei Niederraunau das Fliegen lernte

Pilotenausbildung im Zeichen des Unrechts: Kurzzeitig waren zwischen Niederraunau und Krumbach auch motorisierte Schulflugzeuge stationiert. Kleines Bild rechts: Hardy Krüger. Kleines Bild links: Ein Strauch steht auf dem Krumbacher Westfriedhof an der Stelle, an der sich das Grab des in Krumbach bekannten „Fluglehrers Schneider“ befand.

Der später berühmte Schauspieler war während des Krieges Segelflugschüler

Hardy Krüger? Wohl kaum einer würde den deutschen Filmschauspieler mit Krumbach in Verbindung bringen. Doch in seiner Jugend während des Zweiten Weltkrieges (Krüger ist 1928 geboren) spielte Krumbach eine maßgebliche Rolle. Krüger wurde auf dem Segelflug-Übungsgelände nordöstlich der Josefslust zwischen Krumbach und Niederraunau ausgebildet – dort war auch der deutsche Großvater von Nicolas Hebert Fluglehrer. Mit dem Schulgleiter SG 38 wurde Krüger dort erstmals in die Luft „geschossen“ und „baute“ wenig später nahe der Kammel seine erste, glimpflich ausgehende Bruchlandung. Ein weiterer Fluglehrer war Erich Voh, der in einem Gespräch mit unserer Zeitung die Geschehnisse auf dem Übungsfluggelände vor einigen Jahren detailliert schilderte. In der militärischen Anlage taten von Anfang 1943 bis Ende 1944 junge Soldaten ihre ersten Schritte auf dem Weg zu künftigen Jagd- und Kampffliegern. In einer Halle standen rund 25 Segelflugzeuge. Der Stadel brannte noch vor Kriegsende ab, als Kinder ein Wespennest ausräuchern wollten.

Die im Jahre 1943 beginnende Spritknappheit hatte zur Folge, dass die Anfangsschulung ab sofort auf Segelflugzeugen stattfinden musste. Hierfür bot sich das Gelände nordöstlich des Gasthauses Josefslust an, wo bereits früher das „Nationalsozialistische Fliegerkorps“ (NSFK), eine Spezialabteilung der SA (Sturmabteilung), eine Halle zum Unterstellen von Segelflugzeugen errichtet hatte. Laut Voh wurden damals nur 18- und 19-jährige Freiwillige in die Luftwaffe aufgenommen. In Gruppen zu je zwölf Schülern kamen sie aus Kaufbeuren nach Krumbach und wurden – bitterer Beigeschmack der Geschichte – in einer früheren jüdischen Schule an der Brunnenstraße untergebracht. Die Verpflegungsstelle war das Gasthaus Ost in der Karl-Mantel-Straße (heute Textil Obermeier). Als Schulungsobjekt stand Erich Voh der Schulgleiter SG 38 zur Verfügung. Es handelte sich dabei um ein „offenes Flugzeug“, also eine Holzkonstruktion, die mit Leinwand bespannt war.

Der Pilot saß buchstäblich im Freien auf einem Holzbrett und hatte lediglich den Steuerknüppel zwischen den Knien. Als „Fahrwerk“ diente eine Kufe. Jeweils vier Schüler legten sich beim Start unter das Flugzeug und hielten es fest. Auf den Befehl „Laufen“ sprangen sie den Hang hinunter, bis sich die Seile wie ein Hosenträger gespannt hatten. Nach dem Schrei „Los“ ließ die Haltemannschaft dem Gleiter freien Lauf, die Laufmannschaft gab nochmals „Gas“ und schon glitt das Flugzeug zwischen zwei und zehn Metern Höhe den Hang hinunter. Anschließend wurde der Gleiter von der gesamten Mannschaft wieder auf die Höhe getragen und ein neuer Flug konnte beginnen. Krüger hat seine Krumbacher Erlebnisse in einem Kalender der SOS-Kinderdörfer erwähnt, er beschrieb auch seine erste Begegnung mit Krumbach. „Wir fuhren mit der Bahn zu einem Ort mit großen Bauernhäusern. In allen Fenstern blühten Geranien. Auf einem Schild vor dem Bauernhof stand ’Krumbach’.“

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