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Fußball

29.08.2020

Als die Jungspunde des SV Neuburg für Furore sorgten

Im April 1983 schaffte der SV Neuburg die Sensation: In der sechsten Runde des DFB-Pokals warfen die Schwarz-Gelben die TSG Thannhausen aus dem Rennen.
Bild: Sammlung Siegfried Jehle

Plus Brüder-Paare prägten jene Mannschaft vom Kammelmarkt, die 1982/83 in die siebte Pokalrunde einzog. Den größten Jubel gab’s nach einem Unentschieden.

Es geschah in der Fußball-Saison 1982/83. Der SV Neuburg zog als damaliger B-Klassist in die siebte Runde des DFB-Pokals auf regionaler Ebene ein. Am Ende scheiterte die Elf vom Kammelmarkt unter dem mittlerweile verstorbenen Trainer Georg Kramer aus Ziemetshausen knapp am FC Lauingen ( Bezirksliga). Herbert Constanti, heute Co-Trainer beim SV Neuburg, sagt im Rückblick: „Vergessen habe ich diese Spiele nie.“

Die Jungspunde aus dem Kammelmarkt sorgten damals für Furore in der Fußballregion. Constanti erinnert sich: „Wir hatten schon eine tolle Mannschaft.“ Und es war die Zeit der Brüder-Paare in Neuburg. Drei Familien (Kalchschmid, Constanti und Jehle) stellten zusammen sieben Akteure. „Mit Wolfgang Jehle und Alfred Constanti auf den Außenbahnen und mit Max Gemsa in der Mitte hatten wir einen außergewöhnlich guten Sturm“, blickt Herbert Constanti zurück. Er selbst, der filigrane Techniker, war mit Karl Kalchschmid Dreh- und Angelpunkt im Neuburger Spiel.

Erfolg bei "Fritz-Walter-Wetter"

Nach Erfolgen gegen die beiden A-Klassisten aus Jettingen (4:3 nach Verlängerung) und Wattenweiler (5:1) kündigte sich für die Kramer-Elf das Aus gegen den Landesligisten FC Gundelfingen an. Bei schwierigen Platzverhältissen und „Fritz-Walter-Wetter“ zeigten die Neuburger vor 350 Zuschauern jedoch Zähne. Alfred Constanti und Kurt Heiligmann ließen die höherklassigen Gäste taumeln. Neuburg führte bis zehn Minuten vor Schluss mit 2:0. Für die Gäste reichte es nur zum Anschlusstreffer. Gundelfingens Trainer Peter Kruppa meinte danach: „Neuburg war hervorragend eingestellt und hat wesentlich konstruktiver gespielt als wir.“

500 Zuschauer im Kammelmarkt

In der nächsten Runde war erneut der Kammelmarkt Schauplatz eines außergewöhnlichen Pokalschlagers. Die Partie gegen die TSG Thannhausen wollten sich 500 Zuschauer nicht entgehen lassen. Sportlegenden wie Lehrer Franz Sättler kamen nach Neuburg. „Zacke“, wie er respektvoll genannt wurde, drückte seinen Neuburger Jungs – die meisten hatte er im Sport unterrichtet – die Daumen. „Ohne Angst wollen wir drauflosstürmen“, kündigte SVN-Coach Georg Kramer selbstbewusst an. Sein Gegenüber Hans Städele vom Bezirksligisten zollte im Vorfeld dem SV Neuburg eine gewisse Portion Respekt und meinte: „Neuburg hat mir im Spiel gegen Gundelfingen imponiert, sowohl von der spielerischen wie von der kämperischen Seite.“

120 Minuten, sechs Tore, eine Rote Karte - und Jubel

Und das Spiel wurde zu einem Hit. Am Ende gab es vier Zeitstrafen und eine Rote Karte. Und Neuburg blieb Pokalschreck. Nach Treffern durch Peter Holzer und Peter Endres (Thannhausen) sowie Herbert Constanti und Wolfgang Jehle (Neuburg) ging es in die Verlängerung. Willi Herold hämmerte zum Entsetzen der Gastgeber kurz nach Anpfiff der Verlängerung zum 2:3 ein. Neuburg schien jetzt kräftemäßig am Ende, die Partie für die Schwarz-Gelben gelaufen. Doch die SVN-Fans feuerten ihre Spieler euphorisch an, trieben sie quasi zum Ausgleich. Ein letztes Aufbäumen brachte Erfolg. Es war der Augenblick von Karl Gaa. Unbemerkt mogelte er sich in den gegnerischen Strafraum, stand frei und köpfte den Ball nach einer scharf getretenen Flanke zum unerwarteten 3:3-Ausgleich ins Netz. Bange Minuten mussten die Schwarz-Gelben dann noch überstehen, doch das Glück blieb auf ihrer Seite. Neuburg war nach 120 dramatischen Minuten als klassentiefere Mannschaft eine Runde weiter. Nach dem Schlusspfiff kannte der Jubel keine Grenzen. Herbert Constanti erinnert sich: „Nach diesem Spiel wurde der Abend zum Tag gemacht.“

Im April 1983 schaffte der SV Neuburg die Sensation in der 6. Runde des DFB-Pokals. Die Schwarzgelben warfen die TSG Thannhausen aus dem Rennen. Das Bild zeigt hinten v.l. Trainer Georg Kramer, Karl Kalchschmid, Helmut Kalchschmid, Max Gemsa, Kurt Heiligmann, Karl Gaa, Alfred Constanti, Norbert Bettighofer, Wolfgang Jehle und Franz Vogg sowie vorne v.l. Peter Kattler, Dieter Jehle, Walter Kalchschmid, Richard Brückner und Herbert Constanti.
Bild: Sammlung Siegfried Jehle

Gewarnt war dann in der siebten Runde Bezirksligist FC Lauingen. Die Gäste taten sich auch schwer, doch ein Fehler des sonst überragenden Torwartes Walter Kalchschmid begünstigte den knappen 1:0-Sieg für die Donaustädter.

Der Aufstieg wurde verpasst

Was blieb? „Es war eine schöne Zeit“, erzählt Constanti. In der B-Klasse erreichte die Kramer-Elf damals den dritten Platz. Der Kräfteaufwand in den Pokalspielen war zu groß und so verpasste die Mannschaft den Aufstieg. Zwei wichtige Stützen verließen das Team kurze Zeit später. Alfred Constanti suchte sein fußballerisches Glück beim SV Ettenbeuren, Max Gemsa wechselte zum SV Waldstetten. Andere Neuburger Spieler mussten verletzungsbedingt die Kickschuhe an den Nagel hängen.

Die Erinnerung an diese Zeit ist verblasst. Die Fußballer von damals sind heute weitgehend um die 60. Ein späteres Treffen unter den damaligen Neuburger Pokalhelden gab es nie. Dabei spielten ausnahmslos Kicker aus dem Kammelmarkt in den Trikots des SV Neuburg.

Das Training in dieser Zeit hatte einen anderen Charakter. Georg Kramer legte großen Wert auf Kraft und Ausdauer. Unvergessen bleiben für die Spieler die kilometerlangen Läufe und das mehrmalige Treppensteigen zum Neuburger Friedhof in der Vorbereitungsphase.

Herbert Constanti und Karl Kalchschmid geben heute als Trainer den Takt beim SV Neuburg vor. Vor fast 40 Jahren gehörten sie zu den Pokalhelden.
Bild: Dieter Jehle

Früher Spieler, heute Trainer

Karl Kalchschmid und Herbert Constanti trainieren heute gemeinsam das Neuburger Team und geben ihre Erfahrungen – auch von damals – weiter.

Kader SV Neuburg W. Kalchschmid, Kattler, Brückner, Gaa, H. Kalchschmid, K. Kalchschmid, H. Constanti, Heiligmann, W. Jehle, A. Constanti, D. Jehle, Gemsa, Vogg, Bettighofer

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