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Arbeitstreffen

20.02.2020

„Auch Komplexstandorte wie Ursberg werden benötigt“

Bezirkstagspräsident Martin Sailer plädiert für mehr Engagement des Freistaats bei Sanierungen, die vom Gesetz gefordert werden

Bezirkstagspräsident Martin Sailer will an Komplexstandorten in der Behindertenhilfe festhalten. Zwar müssten Träger wie das Dominikus-Ringeisen-Werk (DRW) unterschiedliche Einrichtungen, die sich wie in Ursberg an einem Standort befinden, fachlich-konzeptionell weiterentwickeln und dabei eng mit dem Bezirk Schwaben, der einen Großteil der Sozialausgaben finanziert, zusammenarbeiten. „Aber Komplexstandorte wie Ursberg werden aufgrund ihres vielfältigen Angebotes auch weiterhin benötigt. Der Bezirk Schwaben und das DRW müssen einen gemeinsamen Weg gehen“, so Sailer bei einem Arbeitstreffen mit dem Vorstand des DRW und dem Mitglied im DRW-Stiftungsrat Hans Reichhart in Ursberg.

Träger wie das DRW weisen immer wieder darauf hin, dass gerade traditionsreiche und gut ausgebaute Komplexstandorte für Menschen mit Behinderung bei Sanierungen zu wenig gefördert werden. „Orte wie Ursberg zeichnen sich durch eine breite Angebotspalette für Menschen mit Behinderung aus. Sie sind ein Schutzraum mit vielen Synergien. Hier gibt es eine exzellente medizinische Versorgung, ein Netz von psychologischen und pädagogischen Fachdiensten und kurze Wege zwischen den verschiedenen Einrichtungen. Es gibt Wohn-, Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten für Menschen in vergleichbaren Lebenslagen und eine große Offenheit in der Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung“, sagte der DRW-Vorstandsvorsitzende Walter Merkt. Sailer sieht bei der Finanzierung von staatlich auferlegten Sanierungsmaßnahmen auch das Land in der Pflicht: „Es braucht ein abgestimmtes Ertüchtigungsprogramm. Der Freistaat muss dabei eine entscheidende Rolle spielen.“ Insbesondere die schlechten Finanzierungsmöglichkeiten von Umbaumaßnahmen, die durch das bayerische Pflege-und Wohnqualitätsgesetz nötig würden, wurden von der Runde kritisiert. Die einhellige Meinung: Es drohe in der Pflege und in der Eingliederungshilfe in Bayern auf Dauer ein Versorgungsengpass durch wegfallende Zimmerkapazitäten. Träger, die ihre bestehenden Wohnhäuser gesetzeskonform umgestalten, um ausschließlich Einzelzimmer bieten zu können, müssten für die dann fehlenden Wohnplätze wiederum Ersatz durch Neubauten schaffen, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Dieser Zusammenhang der doppelten finanziellen Belastung sei in der Förderlandschaft bislang jedoch zu wenig berücksichtigt worden, so Sailer. Eine Alternative zur oft langwierigen staatlichen Förderung, nämlich Investorenmodelle mit privaten Geldgebern zur Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus, ziehe der Bezirk ernsthaft in Erwägung, sagte der Bezirkstagspräsident.

Hans Reichhart, Bewerber um das Amt des Landrats in Günzburg, forderte eine auskömmliche Finanzierung in der Behindertenhilfe, zumal „die Nachfrage nach stationären Plätzen zunehmen wird, etwa auch bei Menschen mit psychischer Erkrankung. Darauf brauchen wir Antworten und wir brauchen deshalb auf Dauer auch die Plätze an Komplexstandorten“, so Reichhart. Für eine Lockerung des Pflege-und Wohnqualitätsgesetzes sehe er politisch zwar keine Mehrheiten, auch wenn zurzeit eine Revision des Gesetzes laufe und sich der Sozialausschuss des Landtags mit dem Thema befassen werde. Trotzdem müsse man sehen, „ob aufwendige Ertüchtigungen und Neubauten zur Kompensation von wegfallenden Plätzen aufgrund eines Gesetzes auf Dauer finanziell darstellbar seien“.

In Schwaben, Unterfranken und Oberbayern, an den über 30 Standorten, begleitet das Dominikus-Ringeisen-Werk zurzeit etwa 5000 Menschen (in Ursberg rund 900) mit geistiger Behinderung, mit Lernbehinderung, mit mehrfachen Behinderungen, mit Sinnesbehinderung, Autismus, erworbener Hirnschädigung, psychischer Erkrankung und Menschen im Alter. (zg)

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