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Interview

29.12.2020

BLSV-Chef im Sportkreis Günzburg: „Viele Vereine hat Corona hart getroffen“

Fritz Birkner (links) bei einer der wenigen sportlichen Veranstaltungen, die in diesem Jahr im Kreis Günzburg stattfinden konnten: dem Burgauer Abendsportfest. Neben ihm Läufer Tobias Ritter vom FC Ebershausen.
Bild: Ernst Mayer

Plus BLSV-Kreischef Fritz Birkner zieht Bilanz eines chaotischen Sportjahres im Landkreis Günzburg. Ein Gespräch über Mitgliederschwund, finanzielle Sorgen der Vereine und die Zukunft.

Herr Birkner, den Verlauf des Sportjahres 2020 haben Sie sich als Chef des Bayerischen Landessportverbands im Kreis Günzburg auch anders vorgestellt, oder?

Fritz Birkner: Ohne Frage. Zum Jahresbeginn beim Neujahrsempfang des BLSV war die Sportwelt ja noch in Ordnung. Auch die Ski-Kreismeisterschaften im Oberjoch haben wir noch abhalten können. Dann kam Corona und es ging so gut wie nichts mehr. Viele Vereine hat Corona hart getroffen. Es fanden im Fußball keine Punktspiele statt. Bei vielen Sportarten gab es keine Meisterschaften. Zunächst konnten noch Veranstaltungen in der Halle mit einem Hygienekonzept durchgeführt werden. Nachdem die Fallzahlen stetig angestiegen sind, musste aber auch diese Möglichkeit wegfallen.

Sehr schmerzte Veranstalter und Teilnehmer sicherlich, dass mit dem Landkreislauf, den die SpVgg Gundremmingen ausgerichtet hätte, eine der größten Laufveranstaltungen in Schwaben gestrichen werden musste.

Fritz Birkner: Die Vorbereitungen für den Landkreislauf beginnen in der Regel in den ersten Monaten des Jahres und waren schon fortgeschritten. Nachdem aber die Infektionszahlen stiegen und absehbar war, dass Großveranstaltungen nicht stattfinden konnten, mussten wir handeln. Der Landkreis reagierte schnell und bot für die Bevölkerung den Wettbewerb „Der Landkreis läuft“ ohne Zeitnahme und bestimmte Strecken an. Das wurde sehr gut angenommen. Leider musste auch die beliebte Nordic-Walking-Tour, bei der insgesamt 1800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Start gehen, komplett abgesagt werden.

Hunderte Läufer auf einer Strecke? In Zeiten von Corona nicht denkbar. Bilder wie dieses vom Landkreislauf 2016 in Deisenhausen wird es frühestens im kommenden Jahr wieder geben.
Bild: Alois Thoma

Sport im Landkreis Günzburg: Keine Vereinsjubiläen, weniger Sportabzeichen

Sportlich lief also nichts, wie sah es im gesellschaftlichen Bereich aus?

Fritz Birkner: Da hat es besonders den TSV Ziemetshausen, TSV Burtenbach und SC Ichenhausen hart getroffen, denn diese Vereine wollten ihr 100-jähriges Jubiläum feiern. Auch die Jubiläen 75 Jahre Schachclub Krumbach und 50 Jahre TSV Langenhaslach mussten gestrichen werden.

Wie sah es im Landkreis mit dem Erwerb der Sportabzeichen aus?

Fritz Birkner: Auch das war nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Das Sportabzeichen-Ergebnis vom Jahr 2019 mit 1764 Auszeichnungen werden wir nach einem ersten Überblick im Jahr 2020 nicht erreichen. Bei den Vereinen fehlen etwa 250 Abzeichen. Ich vermute, dass es auch bei den Schulen weniger Abzeichen sein werden.

BLSV befürchtet Rückgang vor allem bei den jüngeren Mitgliedern

Gibt es schon Anhaltspunkte, ob sich der sportliche Stillstand auf die Mitgliederentwicklung ausgewirkt hat?

Fritz Birkner: Die Mitgliederentwicklung im Sportkreis Günzburg kann ich noch nicht beurteilen. Zum Jahresbeginn 2020 hatten wir 44047 Mitglieder in 130 Vereinen. Wenn die Vereine in zwei bis drei Monaten die Jahresmeldung an den BLSV abgeben, wird sich zeigen, ob die Corona-Pandemie zu einem Mitgliederrückgang geführt hat. Der BLSV-Dachverband stellt jedoch fest, dass Vereinseintritte von Kindern gegenüber dem Vorjahr erheblich zurückgegangen sind. Es gibt aber auch erfreuliche Aspekte: Im Sportkreis Günzburg kamen im Jahr 2020 zwei neue Vereine hinzu, nämlich die Yellow Arrows Burgau und der Skateclub Burgau.

Und wie steht es um die finanzielle Lage der Vereine?

Fritz Birkner: Dass viele Vereine finanziell betroffen sind, dürfte klar sein. Zum Teil haben sie Vereinsheime zu unterhalten, Platzpflege muss durchgeführt werden – ob gespielt wird oder nicht. Die laufenden Kosten bleiben nahezu dieselben, gleichzeitig sind Einnahmequellen für die Vereine weggebrochen. Aber sie werden von staatlicher Seite unterstützt. Vor wenigen Tagen wurde das neue Jahressteuergesetz 2020 verabschiedet. Demnach wird der Übungsleiterfreibetrag von 2400 auf 3000 Euro erhöht. Die Ehrenamtspauschale steigt von 720 auf 840 Euro und die Besteuerungsfreigrenze für den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb bei Vereinen von 35000 auf 45000.

Fritz Birkner: Kommunen sollten Vereine mehr unterstützen

Die Bayerische Staatsregierung hat jetzt auch die Vereinspauschale verdoppelt. Wird das den Vereinen reichen, um über die Runden zu kommen?

Fritz Birkner: Das muss man abwarten. In der Vereinspauschale werden die Sportvereine nach einem Leistungssystem eingestuft. Hier spielt die Zahl der Mitglieder, der Jugendlichen im Verein, der Abteilungen und der lizenzierten Übungsleiter eine Rolle. Das ist ein ehrlicher Gradmesser über die Leistung der Vereine. Erfreulich ist, dass sich bereits einige Kommunen – auch im Landkreis Günzburg – an dieses System angeschlossen haben und an ihre Sportvereine dieselbe Summe der Vereinspauschale überweisen. Es wäre schön, wenn es diesbezüglich Nachahmer geben würde. Das Ganze würde völlig unbürokratisch verlaufen, weil man für die Bereitstellung der Mittel die Daten der Vereinspauschale zugrunde legen kann.

Das Jahr 2020 im Landkreis Günzburg in Bildern.
37 Bilder
Jahresrückblick: Das Jahr 2020 im Landkreis Günzburg in Bildern
Bild: Christoph Lotter

Trauen sich in der ungewissen Corona-Zeit eigentlich noch Vereine, in Bauvorhaben zu investieren? Und wenn ja, können sie auf Unterstützung hoffen?

Fritz Birkner: Das Bauvolumen der bayerischen Sportvereine beträgt derzeit 170 Millionen Euro. Darunter sind auch neun Vereine aus dem Sportkreis Günzburg. Die Bauanträge betreffen Sanierungen und Um- bzw. Neubauten im Gesamtvolumen von 780000 Euro. Es gibt von der Staatsregierung für strukturschwache Gebiete Zuschüsse bis 55 Prozent der Bausumme. Das größte Projekt mit 290000 Euro wird der FC Ebershausen in Angriff nehmen.

Wie wird das Sportjahr 2021?

Wagen Sie schon eine Prognose, wie es im Jahr 2021 weitergeht?

Fritz Birkner: In der momentanen Lage kann ich für das neue Jahr keine Prognose abgeben. Wichtig wird sein, ob die Kontakte weiter eingeschränkt werden. Die Corona-Impfung wird ein weiterer Baustein sein, jedoch kein Freibrief. Ich hoffe sehr, dass man in einigen Monaten wieder in der Halle und im Freien mit Hygienekonzepten Sport anbieten kann. Bis dahin können wir uns ja im „Freien“ täglich bewegen. Der Landkreis Günzburg bietet viele Möglichkeiten an. Ich habe jedenfalls vorsorglich für den FC Ebershausen einen 50- und Zehnkilometerlauf für den 18. April 2021 angemeldet.

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