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30.07.2010

Beim Lesen in der oberen Liga mitspielen

Goldmedaille für Geduld und Engagement. Mit so fröhlichen Helfern macht das Lesetraining richtig Spaß. Foto: Petra Nelhübel
Bild: Petra Nelhübel

Ziemetshausen "Um ein Kind groß zu ziehen braucht es ein ganzes Dorf." Für Gabi Jungmann und 68 weitere Schülermütter der Ziemetshauser Grundschule hat dieses afrikanische Sprichwort wohl eine besondere Bedeutung. Frühaufsicht, Sportförderung, Mittagsbetreuung, die Gestaltung des Schulhofes oder die Vorbereitung des gesunden Pausenfrühstücks sind nur einige Projekte, bei denen sich die Eltern der Grundschüler mit Zeit, Fachwissen und viel Engagement einbringen. Wo sie ausgleichen und unterstützen, was in der Schule zu kurz kommt und im Elternhaus vielleicht gar nicht im nötigen Umfang geleistet werden kann.

Gabi Jungmann und elf weitere Mütter haben sich dabei besonders der Leseförderung verschrieben. Lesemütter, Lesewerkstatt und das Leseförderprogramm "Antolin" sind dabei die drei Säulen, auf die sich die freiwilligen Helfer stützen. "Es ist toll zu sehen, wie sich auch bei anfangs schwächeren Schülern mit wachsendem Können ein Ehrgeiz und eine Freude am Lesen einstellt, die zum Teil weit über den Schulalltag hinausgreift", sagt sie und erinnert sich dabei an die letzten heißen Tage, wo etliche Schüler trotz "hitzefrei" in der Schule blieben, um im computergestützten Leseförderprogramm Antolin Quizfragen zu Büchern zu beantworten, oder sich in der Schülerbibliothek Lektüre für die Freizeit auszuleihen.

Gekommen ist Gabi Jungmann zu dieser ehrenamtlichen Aufgabe durch Bedarf im eigenen Hause. "Mein Sohn war auch so ein schlechter Leser und ich musste überlegen, was ich aktiv daran ändern konnte, ohne ihn zu quälen, meine Nerven zu zerrütten oder den häuslichen Frieden zu gefährden." So entschloss sie sich, das von der Schule in Lizenz erworbene, aber leider viel zu wenig beachtete Leseprogramm Antolin zu aktivieren und mit Leben zu füllen. Sie schrieb Klassenlisten, wo jedes Kind auf freiwilliger Basis seine gelesenen Bücher eintragen konnte, samt der beim zugehörigen Quiz erzielten Punktleistung.

Ohne schummeln

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"Mädchen lesen vielleicht schon von Natur aus gerne", erzählt die Bubenmutter, "aber bei den Jungs war dieser Wettbewerbsgedanke ein wichtiger Anreiz, mehr zu lesen, um punktemäßig in der oberen Liga mitzuspielen." Dass dabei nicht geschummelt wird, verhindert schon das Quiz zur Lektüre, wo Schlüsselfragen zum Inhalt richtig beantwortet werden müssen. "Außerdem", so Lesewerkstattmitarbeiterin Karin Kirchdorfer, "kontrollieren sich die Kinder natürlich auch gegenseitig." Kleine Mogler sind jedoch eher selten. Viel zu schön ist das Gefühl, etwas ehrlich geschafft zu haben. "Das merkt man schon an der Haltung des Kindes", erzählt die Zweitklässler-Mama, "die wachsen da förmlich ein Stückchen."

Besonders hilfreich dabei sei auch, so Gabi Jungmann, dass das Leseprogramm die schwächeren Schüler genauso fördert wie die besonders Starken oder Ehrgeizigen. "Da kann es durchaus sinnvoll sein, wenn ein Drittklässler, der sich beim Lesen richtig schwertut, sich noch einmal die einfacher strukturierten Texte der zweiten Klasse vornimmt. So stellt sich ein Erfolgserlebnis ein, das ihn zum Weitermachen motiviert." Ebenso darf sich ein besonders ehrgeiziger Zweitklässler am Lesestoff der dritten Klasse versuchen. Dass so viel Einsatzfreude seitens der Mütter sich auch positiv auf den Schulalltag auswirkt, kann Grundschulrektor Fritz Braun nur bestätigen. "Sich in Ruhe einen Text erarbeiten und Sinn entnehmend lesen üben - was im alltäglichen Unterrichtsgeschehen zu kurz kommt und im oftmals hektischen Familienalltag zu wenig Platz findet - dafür nehmen sich unsere freiwilligen Helferinnen Zeit. Das kann gar nicht hoch genug geschätzt werden."

Grundschullehrerin Rosemarie Hartmann-Lutz hat aus diesem Anlass mit ihren Schülern aus Schokoladentalern und Geschenkband Goldmedaillen gebastelt, die der Rektor während einer Feierstunde für alle Ehrenamtlichen an "seine" Frauen ("Quotenmann" Armin Riedler war leider verhindert) überreichte. "Es ist ein positives Signal und ein Gewinn für unsere Kinder", sagte Fritz Braun, "wenn Schule und Elternhaus sich auf eine so harmonische Art unterstützen und konstruktiv zusammenarbeiten."

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