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Ellzee

09.03.2019

Blumenwiese für jeden: Bienen retten und Picknick machen

Blühwiesen sehen nicht nur schön aus, sondern sind auch ein Schlaraffenland für Bienen.
2 Bilder
Blühwiesen sehen nicht nur schön aus, sondern sind auch ein Schlaraffenland für Bienen.
Bild: Philipp Bahnmüller (Symbolbild)

Plus Wie ein Landwirt Bienen retten will und gleichzeitig schöne Plätze zum Picknicken schaffen will.

Franz Bissinger betreibt einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb, in dem er sich auf die Produktion von hochwertigem Färsenfleisch spezialisiert hat. Außer dem Salz, das er für seine Tiere benötigt („eine Salzmine habe ich leider nicht“) und etwas gehäckseltes Brot von verschiedenen Bäckereien aus der Umgebung kommt das gesamte Futter aus Eigenanbau. Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ sieht der Bauer differenziert. Denn die gesamte Verantwortung den Bauern aufzubürden, hält er für ungerecht. Andererseits weiß er um die Verantwortung auch der Landwirtschaft um das Fortbestehen der Insektenwelt. „Ohne eine gesunde Umwelt mit vielerlei Insekten kann die Landwirtschaft nicht existieren. Sie sind unsere kleinen, überlebensnotwendigen Helfer“, weiß er.

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Franz Bissinger hat sich deshalb ein spezielles Programm ausgedacht, mit dem er verantwortungsvolle Bürger, die sich im Volksbegehren für den Schutz der Wildbienen ausgesprochen haben, nun aktivieren will. „Statt Willenskundgebungen einen eigenen Beitrag leisten, das sollte es doch sein. Ich weiß, dass nur wenige Leute die Flächen haben, um allein etwas auszurichten. Deshalb möchte ich ihnen anbieten, sich ein bienenfreundliches Blumenwiesenstück zu sichern.“

Ein Hektar Acker soll zur Bienenweide werden

Sein Plan ist es, eine mindestens ein Hektar große Ackerfläche in eine blühende Bienenweide umzugestalten. Interessierte Personen können sich einmieten. Die Fläche will Bissinger in Teilstücke zu 50 Quadratmetern unterteilen, die jeweils für 25 Euro gepachtet werden können. Dafür erhält der Pächter ein Zertifikat, auf dem neben seinem Namen auch die exakte Kennzeichnung der Parzelle zu finden ist. Eine Tafel an dem Feld soll die Namen aller Zertifikatseigner tragen, sodass jeder Passant sehen kann, wer sich am Feld beteiligt hat.

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Ein solches Zertifikat könnte auch ein schönes Geschenk für Freunde sein, vielleicht verbunden mit einer Picknickeinladung vor den blühenden Blumen, ist sich Franz Bissinger sicher. Denn es gibt ausreichend Platz vor der blühenden Fläche, um mit Freunden Picknick machen. Der Grünstreifen zwischen den Parzellen macht es möglich. Jeder Zertifikatsinhaber darf seine Parzelle auch besuchen und sich, wenn er will, gelegentlich einen Blumenstrauß pflücken. Denn die Blühwiese will Bissinger so unterteilen, dass jeder Pächter zu seiner Teilfläche gelangen kann, ohne die Blühflächen zu zertrampeln.

Franz Bissinger zeigt mit Sohn Jonas und Ehefrau Sonja Zettler das Zertifikat für die geplante Blühfläche Wer ein derartiges Zertifikat erwirbt, unterstützt für eine Saison eine insektenfreundliche Blühfläche.
Bild: Gertrud Adlassnig

Franz Bissinger betont, dass er dafür nicht etwa Flächen zur Verfügung stellen will, die er aufgrund des für alle Landwirte verpflichtenden Greenings sowieso extensiv bewirtschaften muss, oder Grundstücke, die in das Kulap, das Kulturlandschaftsprogramm, aufgenommen sind. „Mein Projekt soll konventionell genutzte Flächen in Bienenweiden umnutzen.

Das ist eine betriebswirtschaftlich teure Angelegenheit, weil die Flächenkosten ja gleich bleiben, ob ich nun intensiv bewirtschafte oder Blumenwiesen anlege. Betriebswirtschaftlich muss ich auf alle Flächen den Pachtzins und die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft einrechnen.“

Auch der relativ teure Blumensamen und die Bodenvorbereitung müssen als Kostenfaktoren gerechnet werden. Mit seiner Idee der verpachteten Bienenweiden ist Franz Bissinger trotzdem überzeugt, eine Win-Win-Situation zu schaffen. „Es gibt bei meinem Modell eigentlich nur Gewinner. Da sind zunächst die Insekten. Sie finden auf den relativ großen Blühflächen die nötige Nahrung. Personen, die sich ein Zertifikat kaufen, kaufen sich auch ein Stück gutes Gewissen und haben auch noch Freizeitvorteile. Und ich als Landwirt kann einen Beitrag leisten für den Erhalt der Vielfalt, die für uns Bauern ja besonders wichtig ist, da wir auf ein funktionierendes Ökosystem angewiesenen sind. Ein nicht unerheblicher Teil unserer Nutzpflanzen braucht die Fremdbestäubung. Aber auch als Bürger liegt mir die intakte Natur am Herzen.“

Die Blühfläche soll auch das Leben unter der Erde fördern

Bissinger wählt für seine Blühflächen Mischungen aus, die auch dem Boden gut tun. Sie schützen vor Erosion und können Nährstoffe im Boden speichern, womit deren Auswaschung und Eintrag ins Grundwasser verhindert wird. Stattdessen wird das Bodenleben angeregt und neuer Humus aufgebaut, der auch Regenwürmern Nahrung bietet. So entsteht durch die Blühflächen im Nachgang wertvoller Ackerboden.

„Blühmischungen tragen in erheblichem Maße dazu bei, das Überleben von Blütenbestäubern zu sichern,“ zitiert Franz Bissinger die Bayerische Futtersaatbau Gesellschaft, von der er die Blumensamen bezieht. Es sind nicht nur die Wildbienen und Bienen, die den ganzen Sommer über auf den Blühflächen Nahrung finden, sondern auch Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten, die einen unersetzlichen Beitrag im Naturkreislauf darstellen.

Franz Bissinger betont, dass nicht nur die Landwirte für das Artensterben verantwortlich gemacht werden dürfen. Auch der unentwegte Verbrauch der Landschaft für Bauten und Infrastruktur entzieht kontinuierlich Fläche und führt zur Verknappung der Flächen, die mit der landwirtschaftlichen Energieproduktion und Intensivierung der Landwirtschaft noch verschärft wird. Deshalb will er alle ins Boot holen, die sich für die Artenvielfalt einsetzen und auch bereit sind, dafür mehr als eine Unterschrift zu leisten, etwa mit einem Zertifikat für eine blühende Parzelle.

Wer interessiert ist und eine Parzelle pachten möchte, kann sich an Franz Bissinger in der Stoffenriederstraße 4 in Ellzee wenden oder eine Mail schicken an bestellung@bestes-fleisch.de. Da die Blühflächen im Frühjahr angelegt werden müssen, sollten Interessenten nicht zu lange zögern, rät Franz Bissinger.

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