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Ellzee

12.08.2020

Bringt die geplante B16-Osttrasse mehr Verkehr nach Ellzee?

Mehrere Jugendliche postierten sich zu Beginn der Sitzung des Ellzeer Gemeinderates vor dem Rathaus in Ichenhausen und bekundeten mit Plakaten ihre Ablehnung zur geplanten Ortsumfahrung der B16-Ost.
Bild: Werner Glogger

Plus Ellzee befürchtet durch die Pläne für die B16 ein höheres Verkehrsaufkommen in seinen Ortsteilen. Im Gemeinderat wird das Projekt kontrovers diskutiert.

Bereits am Eingang zum Ichenhauser Rathaus ließ eine Gruppe junger Menschen vermuten, dass es sich bei der angesagten Tagung des Ellzeer Gemeinderates im Sitzungssaal um ein wichtiges und zugleich kontrovers diskutiertes Thema handeln muss. Auf ihren Plakaten „Stoppt B16 Ost“ oder „Es gibt keinen Planet B“ und der wörtlichen Begründung zu einem unnötigen Flächenverbrauch, bekundeten die Demoteilnehmer eindeutig, dass sie den Plan zur Ortsumfahrung von Ichenhausen und Kötz ablehnen. Die Entscheidung darüber musste aber der Gemeinderat treffen.

Im Saal war das Interesse am einzigen Tagesordnungspunkt „B16 Ostumfahrung Ichenhausen – Kötz; Gemeindliche Stellungnahme zum Vorentwurf des Staatlichen Bauamtes Krumbach vom 31.07.2020“ eher gering, denn nur sechs Zuhörer verfolgten die Ausführungen der Experten und die anschließende Diskussion.

Ellzee ist von den B16-Plänen kaum betroffen

Obwohl Ellzee von der geplanten Maßnahme nur im äußersten Süden – die Neubaustrecke endet in die bestehende B16 zwischen dem Weiler Heubelsburg und Ellzee – betroffen ist, ist es die Absicht der planerischen und federführenden Behörde, die Bürger umfassend über das Gesamtprojekt zu informieren, betonte eingangs Behördenleiter Wilhelm Weirather vom Straßenbauamt Krumbach. Der jetzige Vorentwurf beinhalte nach mehreren Verbesserungen der ursprünglichen Wahllinie 1 (Osttrasse) entscheidende ökologische Gesichtspunkte zur Umweltverträglichkeit, die größere Entfernung zu besiedelten Gebieten und einen deutlich verbesserten Lärmschutz.

Gemessen am Zustand, den Baurat Henrik Vosdellen im Rückblick aufzeigte, seien das nur einige der in der neuen Agenda enthaltenen positiven Verbesserungen. Die noch im Jahr 2014 existierende Westtrasse war ja nur von kurzem Bestand, denn eine Umweltverträglichkeitsstudie habe ergeben, dass die Osttrasse die bessere Lösung sei. Doch es gab noch viele Ungereimtheiten, sodass wie einige weitere betroffene Gemeinden, auch Ellzee im Beschluss vom 19.Mai 2015 signalisierten, dass sie die Osttrasse der Umgehungsstraße B16 ablehnen.

Ellzee lehnte die Osttrasse der B16 im Jahr 2015 ab

Wie Planvergleiche von einst und aktuell zeigten, hat sich in der Zwischenzeit viel geändert. Das Ergebnis des bisherigen Planungsprozesses ist der sogenannte „Vorentwurf“ des Staatlichen Bauamtes Krumbach vom 31.07.2020. Auf diesem Vorentwurf basierte im Verlauf der Präsentation eine 3D-Visualisierungs-Show aus der Vogelperspektive, damit die Ratsmitglieder ein realistisches Bild der Streckenführung der Ortsumfahrung gewinnen können, ergänzt durch die visuelle Fahrt auf der neuen Straße aus Sicht des Verkehrsteilnehmers.

So könnte die Ostumgehung von Ichenhausen verlaufen.
Bild: AZ Infografik

Für die umfassende Präsentation bedankte sich die Bürgermeisterin Gabriela Schmucker und eröffnete die Diskussion, die zunächst zögerlich begann, danach aber durchweg sachlich geführt wurde.

Auch die Ortsumfahrung Wattenweiler-Höselhurst wird angesprochen

Wie sieht es aus mit einer Ortsumfahrung Wattenweiler-Höselhurst, sei sie doch für Ellzee von Vorteil, um die dringend benötigte Entwicklungsmöglichkeit Richtung Osten zu erhalten, ohne dass der Ort durch die heutige, viel befahrene B 16 regelrecht geteilt wäre, wollte ein Ratsmitglied wissen. Auch dies sei in Planung, aber alles liege hier noch im Anfangsstadium, so Weirather.

Hätte es denn keine kleinere Lösung gegeben, schließlich seien der Flächenverbrauch und ein Kostenrahmen mit 100 Millionen Euro schon enorm, klagte ein weiterer Redner. In Anbetracht des Arguments, durch die Ortsumfahrung verbessere sich der Anschluss an die Autobahn, wurde auf das Mindeltal verwiesen, wo nach Fertigstellung der Ortsumfahrung Münsterhausen für die Orte im südlichen Landkreis die A8 durchgängig ohne eine Ortsdurchfahrt zu erreichen wäre. Auf den Hinweis zu dem gefährlichen Kreuzungsbereich der B16 mit der von Behlingen kommenden Kreisstraße 1 sei eine Verbesserung vorgesehen, kündigte Weirather an.

Bringt die Ichenhauser Umfahrung mehr Verkehr nach Ellzee?

Mehrere Redner befürchten, dass durch die Ortsumfahrung eine erhöhte Verkehrsbelastung nicht nur im Ortsbereich von Ellzee, sondern auch in den Ortsteilen Hausen und Stoffenried zu erwarten ist. Vor allem mit mehr Lkw-Verkehr sei zu rechnen. Vosdellen sah dies nicht so, versicherte jedoch, dass diese Mutmaßung geprüft und im Verkehrsgutachten fortgeschrieben werde. Zusammenfassend betonten Vosdellen wie auch Weirather, man sollte „über den Tellerrand blicken“ und sich solidarisch mit den von steigendem Verkehrsaufkommen belasteten Nachbargemeinden erklären, denn mit Sicherheit werde Ellzee von der Ortsumfahrung profitieren.

„Das ganze Projekt ist so komplex, dass wir heute keinen einheitlichen Beschluss herbeiführen können und in Ruhe alles überdenken müssen“, lautete ein Vorschlag aus dem Gremium, dem die Bürgermeisterin und die Mehrheit der Räte zustimmten. Weirather bestätigte, dass es in dieser Sitzung mehr um die Information gegangen sei, zur Weiterführung des Verfahrens sei kein Beschluss notwendig.

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