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Landkreis Günzburg

10.12.2019

CSU-Weihnachtsfeier: Gott kommt ganz nach unten

Pfarrer Rainer Maria Schießler.
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Pfarrer Rainer Maria Schießler.
Bild: Lindenmayr

Wie Pfarrer Rainer Maria Schießler das Weihnachtsfest deutet. Hansjörg Stuhler erhält die Ehrenraute.

Staatsminister und Landrat zugleich, das könnte das politische Pendant zu den immer größer werdenden Pfarreigemeinschaften werden. Pfarrer Rainer Maria Schießler, Stargast bei der diesjährigen Weihnachtsfeier des CSU-Kreisverbands Günzburg, gönnte sich und den Besuchern der Feier so manchen Seitenhieb auf die aktuelle Politik.

Den Entscheidungskonflikt von Hans Reichhart nahm er aufs Korn wie das vermeintliche „GroKo-Aus zu Nikolaus“. Lassen wir die Leute doch ihre Arbeit machen“, Sacharbeit statt Parteiengezänk lautete seine Losung zur Verhärtung der Fronten in der Großen Koalition (GroKo) durch das neue Führungsduo der SPD. Schießler, bekannt geworden unter anderem durch sein Buch „Himmel, Herrgott, Sakrament“, greift schon einmal beherzt politisch ein, so jüngst, als er die Hetztiraden der AfD auf einem zentralen Platz in München unterband, indem er per Funkbedienung die Glocken seiner Kirche sprechen ließ.

Drei Botschaften im Gepäck

Auf den Punkt gebracht hatte der Geistliche vor allem drei Botschaften im Gepäck, denen er die provokante Aussage vorschaltete: „Alle feiern Weihnachten, kaum einer hat es verstanden.“ Seine erste Botschaft war eine Gesamtbeurteilung des Christentums. Es sei die in zweierlei Hinsicht herausragende Religion. Erstens setze das Christentum auf Menschenwürde, wie sich schon am Dialog zwischen dem Engel und Maria zeigen lasse. Diese Religion sei integrativ, vereine Arm und Reich, die Geschlechter, die Rassen und Lebensformen, wie es bereits die frühen christlichen Gemeinden intensiv vorlebten. Und zweitens sehe das Christentum sehe eine existenzielle Beziehung des Menschen zu Gott vor. Der Mensch sei nicht bloß Geschöpf, er dürfe, ja er solle das Werkzeug Gottes auf Erden sein.

CSU-Weihnachtsfeier: Gott kommt ganz nach unten

Die zweite Botschaft Schießlers handelte von der Werterevolution der Weihnachtsgeschichte. Gott komme nach ganz unten, zum Menschen und hier wiederum insbesondere zu den kleinen Menschen. Die Hirten, die Outlaws der damaligen Gesellschaft, erfuhren es als erste, dass der Messias geboren sei. Die Rolle Josefs deutete Schießler als Gegenzug zum seinerzeit vorherrschenden Patriarchat. Die dritte Botschaft des Gastredners war eine handlungsorientierte: Er forderte die Menschen auf, zu beten und das Gerechte zu tun.

Päpste als Vorbilder

Die letzten Päpste seien hier Vorbild. Johannes Paul II. engagierte sich gegen den Golfkrieg, der schließlich die ganze Region aus den Fugen gebracht habe. Paul VI. machte sich für den Zusammenhalt der Familie stark und Franziskus, dem viel vorwerfen, er bewege nichts, habe den Stil des Miteinander-Umgehens revolutioniert. Pfarrer Schießler machte den Zuhörern Mut: Auch ein Dietrich Bonhoeffer sei nicht als Held geboren worden, sei aber zu einem der wichtigsten Widerstandskämpfer gegen die Nazis gereift. Und schließlich bekundete Schießler seine Nähe zu Ursberg, als dem Ort, wo den besonders Bedürftigen unserer Gesellschaft geholfen werde und wo die Schwestern in schwierigen Zeiten versucht hatten, Bollwerk gegen die Euthanasie zu sein, soweit sie es vermochten.

Schwierige Zeiten in Berlin

CSU-Kreisvorsitzender Alfred Sauter klagte wie Schießler über die schwierigen Zeiten in Berlin, die ein zukunftsorientiertes, politisches Handeln erschwerten. Immerhin habe auch das sein Gutes: Die CSU erweise sich in der aktuellen Situation als stabilisierender Faktor und Markus Söders Beliebtheitsgrad steige fortwährend an. Dass auch die Freien Wähler und die Junge Union auf den Landratskandidaten Reichhart setzten, deutete Sauter als ein starkes Signal für die bevorstehenden Kommunalwahlen.

Die CSU habe eine überzeugende Kreistagsliste vorgelegt, die im Übrigen eine Quotendiskussion überflüssig mache. Im Rahmen der Veranstaltung, die von Tom Stieben, Andrea und Martin Brenner musikalisch gestaltet wurde, verlieh Sauter die „Silberne Ehrenraute“ für besondere Verdienste in der Kommunalpolitik an Hansjörg Stuhler, den langjährigen Ortsvorsitzenden von Aichen-Memmenhausen. (hli)

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