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Aufführung

29.01.2019

Champagnerlaune am Ende des Konzertabends

Beschwingter Ausklang des Konzerts in der ausverkauften Aula der Anton-Höfer-Grundschule Thannhausen: (von links) Raphaela Gromes, Julian Riem, Harald Harrer und Cathrin Lange.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

Warum das jüngste Konzert „Meisterwerke der Kammermusik“ besondere Akzente setzte in Thannhausen

Eine Frage wäre nach dem jüngsten Konzert aus der Reihe „Meisterwerke der Kammermusik“ leicht zu beantworten. Wer hatte am meisten zu tun? Der Pianist Julian Riem natürlich, denn der war im Dauereinsatz, musste sich beständig auf wechselnde Komponisten, musikalische Stilrichtungen und Musizierpartner einstellen. Schließlich sind diese Konzerte immer auch wunderbar lustvolle und lehrreiche Streifzüge durch die Musikgeschichte.

Doch vermutlich hatte Julian Riem bereits vor dem Konzert musikalisch am meisten zu tun. Denn er arrangierte die „Soirees musicales“ von Gioachino Rossini für Cello und Klavier, schrieb also den Gesangspart für seine Partnerin Raphaela Gromes um. Das mag seine Logik haben, denn Raphaela Gromes verfolgt das Ideal, den Klang ihres Instruments der Gesangsstimme anzunähern. Hierzu pflegt sie einen intensiven fachlichen Austausch mit namhaften Interpreten, beispielsweise mit Juliane Banse. Rossinis Miniaturen verlieh die Cellistin jedenfalls einen herrlichen Glanz, wiegend und glitzernd beim Gondelausflug, furios und farbig beim neapolitanischen Tanz.

Doch vielleicht hatte auch Raphaela Gromes musikalisch die meiste Arbeit vor dem Konzert. Sie konsultierte einige musikgeschichtliche Archive in ganz Europa und rekonstruierte Offenbachs „Hommage a Rossini“. Das Autograf des Werks aus der Feder des in Köln geborenen Jacques Offenbach gilt seit dem Desaster des Kölner Stadtarchivs als für immer verloren. Nun gibt es dank der jungen Cellistin diese musikalische Lobeshymne an Rossini wieder. Und Raphaela Gromes machte die Hörer schwelgen bei Offenbachs Annäherungen an die ungemein lyrischen Cellopassagen der Tell-Ouvertüre und sie traf perfekt den feurig-überschwänglichen Gestus der wohl berühmtesten Rossini-Figur, des Barbiers von Sevilla. Als Rarität, selten zu hören, gilt auch Schuberts Offertorium „Totus in corde langueo“, bei der Cathrin Lange (Sopran) und Harald Harrer (Klarinette) ein intensives Zwiegespräch über die wahre Gottesliebe führten. Das vollzog sich freundschaftlich: Eine Stimme drängte sich vor, die andere ließ sie gewähren, übernahm aber dann selbst bald die Führung. Schließlich verschränkten und verflochten sich die Stimmen immer intensiver und schenkten dem Publikum den Genuss des virtuosen und perfekten Ineinanderfließens von zwei Quellen ausgereifter Klangkultur.

Es gehört zu den Vorzügen der „Meisterwerke der Kammermusik“, dass solistische Einlagen wie die Chopin-Fantasie, interpretiert von Julian Riem, ebenso ihre Berechtigung haben wie das musikalische Wetteifern in kleiner Besetzung, beispielsweise beim Trio B-Dur für Klarinette, Violoncello und Klavier von Ferdinand Reis. Viel Farbe ins Konzert tupften die Ausflüge in die Welt von Oper, Operette und Musical. Cathrin Lange hatte sich diesmal als Mozarts Fiordiligi zu bewähren, einer Figur, die stark von den in ihr widerstreitenden Gefühlen bedrängt wird. Schon ein paar Minuten später praktizierte sie den seelischen Befreiungsschlag, das selbstbewusst-kokettierende „I feel pretty“ aus der „West Side Story“. Erst ganz am Ende, bei der Zugabe, waren alle vier Akteure gemeinsam auf der Bühne und versprühten „Champagnerlaune“ nach Johann Strauss. So beschwingt die Besucher nach Hause zu schicken, das zählt zur Tradition der „Meisterwerke der Kammermusik“.

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