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06.08.2010

Das Mehlbrünnele und seine Vergangenheit

Das Mehlbrünnele und seine Vergangenheit
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Das Mehlbrünnele mit seinem Pavillon und der Kneipp-Anlage ist noch immer ein beliebtes Ziel für Spaziergänger. Auf unserem Bild betätigen sich Lorena und Marko mit ihrer Oma Margit Däubler als Freunde des Wasserdoktors. Foto: Hans Bosch
Bild: Hans Bosch

Mein lieber Wand'rer! Halte still!

Hier ist ein reizend Waldidyll!

Im Tannendunkel sprudelt hell -

Klar wie Kristall ein munt'rer Quell.

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Mein Freund! Drum - wirst du jemals krank,

Versuch vertrauensvoll den Trank.

Gesundung wird dir dann zuteil,

Denn: 's Mehlbrünnele bringt allzeit Heil.

So lauten der erste und letzte Vierzeiler des insgesamt siebenstrophigen Gedichtes über das Thannhauser Mehlbrünnele von Studienrat Hans Bronnenmaier. Vom lauschigen Plätzchen, der linden Ruh, Gnomen und Elflein ist die Rede und schließlich vom Wässerlein, das Heilung schafft. Gereimt hat es der Verfasser des ersten Thannhauser Heimatbuches im Jahre 1932. Damals waren die Mehl-, Galgen- und Hohensteinquelle noch im weiten Umkreis bekannt für ihre Heilkraft. Heute führt das Mehlbrünnele ein eher beschauliches Dasein und wird in erster Linie von Kneipp-Anhängern wegen des Arm- und Tretbeckens besucht. Die beiden anderen Heilquellen gibt es nicht mehr.

Quellwasser und Badstein in enger Verbindung

Um die Jahrhundertwende 1800, also vor 200 Jahren, spielten sie noch eine weitaus größere Rolle, wie Hans Bronnenmaier in seiner Stadtgeschichte schreibt. In enger Verbindung zu ihrem Quellwasser stand schon damals der Badstein, der heute im nahen Heilbad Krumbad in der Reha-Therapie und der Behandlung von Rheumakranken große Bedeutung besitzt. Die Thannhauser Heilquellen sind erstmals 1643 schriftlich belegt, doch dürften sie schon viel früher beim Volk aus der ganzen Umgebung bekannt und auch beansprucht worden sein. Ab dem Jahre 1798 tauchen sie immer wieder bei Beschreibungen und Aufzählungen von Heilwassern in Bayern auf, wobei auch die Adelheidsquelle des Krumbads und das Wasser des früheren Bads von Schloss Klingenburg (heute Golfplatz) genannt werden.

In seiner aus dem Jahre 1830 stammenden Doktorarbeit spricht der Thannhauser Arzt und Schriftsteller Dr. Wilhelm Bauberger von zwei Heilquellen, dem Mehlbrunnen und die nebeneinander fließenden Galgen- und Hohensteinbrunnen. Letztere sind inzwischen versiegt. An die Galgenquelle erinnert nichts mehr. An die Hohensteinquelle lediglich noch ein Holzpavillon mit kaum benutztem Grillplatz; die Quelle selbst ist seit vielen Jahren versiegt. Nur noch das Mehlbrünnele ist intakt, speist die beiden Kneippbecken, wird von Insidern in Flaschen und Behältern abgefüllt und als Teewasser genutzt oder aber dient vom nahen Parkplatz aus als schattiges Ziel für Spaziergänger.

In einem Verzeichnis bayerischer Heilquellen aus der Zeit kurz nach 1800 schreibt ein Dr. Weber: "In Thannhausen muss etwas sein, das lungenkranke Personen sehr lange am Leben erhält."

Er schrieb dies den klimatischen Verhältnissen zu und beabsichtigte, "in Thannhausen ein Sanatorium für solche Leidende zu errichten, was aber widriger Umstände halber nicht zur Ausführung kam", wie es im Krumbacher Boten vom August 1929 heißt. Dank späterer Analysen kamen die Experten zu der Erkenntnis, "dass es die Kieselsäure im Wasser ist, welche Lungenleidenden so wertvolle Dienste leistet".

Kieselsäure ist ein altes Heilmittel

Viel Aufmerksamkeit wurde damals schon dem Badstein geschenkt, dem bei einem Kieselsäure-Anteil von 76 Prozent eine "große Zukunft" vorausgesagt wurde. Er werde gemahlen, gekocht und als Absud dem Bad zugesetzt, wie dies im Krumbad bereits seit Langem geschehe. Gleichzeitig heißt es aber auch: "Seine Anwendung bei Erkrankungen der Atmungswege, bei der Bekämpfung der Lungentuberkulose, bei Blutungen sowie als Wasser treibendes Mittel ist uralt, dennoch ist vor übertriebenen Erwartungen zu warnen, da der Gebrauch von Kieselsäuredrogen in Form ihres Absudes bestenfalls eine unterstützende Maßnahme bei der Tuberkulose-Therapie sein kann."

Nur wenige schätzen die Heilkraft des Mehlbrünnele

Von Bedeutung sei weiter, dass die bisher aus Pflanzen mühsam gewonnene Kieselsäure in den Thannhauser Heilquellen "in viel reichlicherem Maße vorhanden ist und die Zusammensetzung des Wassers eine sehr glückliche und für den Patienten bekömmliche ist." Das Fazit anno 1930 daraus: "Es wäre Aufgabe der Ärzte, die Quelle weiter zu erproben und die wohltätige Wirkung dieses Wassers mehr als bisher bekannt zu machen." Daraus wurde nichts.

Nur noch wenige schätzen die Heilkraft des Mehlbrünnele und nutzen es als Tee- oder Kaffeewasser, aber auch dafür war der Zulauf vor einem Jahrzehnt noch wesentlich höher.

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