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Landkreis Günzburg

12.07.2019

Der Flexibus ist aus dem Landkreis nicht mehr wegzudenken

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Jedes der zwölf im Landkreis eingesetzten Fahrzeuge ist rollstuhlgerecht ausgestattet und bietet den Komfort eines Reisebusses.
Bild: Hans Bosch

Plus Das zehn Jahre alte Rufbussystem im Raum Krumbach hat noch immer bundesweiten Modellcharakter. Verkehrsminister Reichhart sagt weitere Förderung zu.

Zehn Jahre Flexibus. Ein Grund zum feiern? „Ja!“, sagen die Verkehrsexperten, bestätigt der bayerische Bau- und Verkehrsminister Hans Reichhart, anerkennen zahlreiche Bürgermeister und erfahren viele ältere Mitfahrer und körperlich Eingeschränkte in der täglichen Praxis. Die derzeit zwölf Kleinbusse wurden in diesem Jahrzehnt von 1,2 Millionen Fahrgästen genutzt und sind zu einem Begriff im Landkreis Günzburg und zuletzt auch in Teilen des Kreises Unterallgäu geworden. Diese Erfolgstendenz geht weiter nach oben. Positive Auswirkungen hat dies besonders für abseits gelegene Ortschaften ohne Arzt, Apotheke und Rathaus. In der Hauptsache Senioren wissen zu schätzen, dass sie auf Anruf der Flexibus zumeist unweit der eigenen Haustür abholt, pünktlich zu einem Termin und wieder zurück bringt.

Im öffentlichen Personennahverkehr in unserem ländlichen Raum sei der Flexibus nicht mehr wegzudenken. Er hat nach Meinung von Josef Brandner, Geschäftsführer der Flexibus KG, in den vergangenen Jahren „eine einzigartige Erfolgsstory hingelegt“, wurde schon 2011 vom Verkehrsklub für Deutschland mit dem begehrten „Innovationspreis als Mobilitätsdienstleister“ ausgezeichnet und stellt noch immer eine Einrichtung mit bundesweitem Modellcharakter dar.

Ein Festakt in der großen Brandner-Bushalle

Für die Flexibus-Zentrale in der Krumbacher Hans-Lingl-Straße war dieses kleine Jubiläum der Anlass zu einem Festakt in der großen Brandner-Bushalle, zu dem Josef Brandner zahlreiche Kommunalpolitiker, Bürgermeister und Wirtschaftsvertreter begrüßte. Damals bei der Gründung standen für ihn kreative Ideen und die Zuschussfrage im Vordergrund. Heute sei allen klar: „Der Flexibus war und ist bitter notwendig.“ Dringend sei der weitere Ausbau eines attraktiven Nahverkehrs, die engere Zusammenarbeit mit Bahn und Linienbus bei für jeden leistbaren Fahrpreisen und die Reduzierung der Umweltschadstoffe.

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Eine der wichtigsten Aufgaben in der nahen Zukunft ist für Krumbachs Bürgermeister Hubert Fischer die dauerhafte Sicherstellung des Rufbusses, aber auch die Verbesserung und konsequente Umsetzung der Mobilität im ländlichen Raum. Notwendig hierfür sei ein „Denken vom Kunden her“, da dessen Wünsche und Bedürfnisse im Vordergrund stehen sollten. Ähnlich sah die Situation Landrat Hubert Hafner, der den Flexibus als „Glück für viele Kreisbürger“ bezeichnete, sichere er doch eine gute Verkehrsanbindung in die Städte und mache damit das Leben auf den Dörfern noch lebenswerter.

Das "Erfolgsmodell" soll weiter ausgebaut werden

„Der Flexibus hat sich bewährt und darauf können alle Beteiligten stolz sein“, war die Erkenntnis von Verkehrsminister Reichhart. Ein Ziel seiner Arbeit sei, dieses „Erfolgsmodell“ in Bayern weiter auszubauen und dementsprechend staatlich zu fördern. Der geborene Jettinger verglich den ÖPNV im Landkreis mit einem Werkzeugkasten, aus dem viele bayerische Landkreise und auch Städte jenes Teil herausnehmen sollten, das für sie im Bereich öffentlicher Personennahverkehr das Richtige ist.

Reichhart: „Sogar in München wird derzeit in einem Stadtteil das Flexibus-System kopiert, wenngleich mit einem auch für U- und S-Bahn gültigen Ticket.“ Der junge Minister hatte aber auch für die heimische Einrichtung ein Zuckerl parat: „Was das Defizit betrifft, so ist der Freistaat sicher bereit, seine Förderung fortzusetzen.“

Senioren werden weiter die Hauptkunden sein

Über seine Erfahrungen und Zukunftsaussichten berichtete im Anschluss Krumbachs Zweiter Bürgermeister Gerhard Weiß in seiner Eigenschaft als zuständiger Experte am Landratsamt Günzburg. Er war sich klar, dass die Senioren auch in Zukunft den Hauptanteil bei den Flexibus-Fahrten bilden: „Sie werden mehr, brauchen und wollen mehr Mobilität.“ Dies bedeute aber zugleich: „Die Bestellung muss einfach per Telefon, der Preis kostengünstig, der Bus zuverlässig und das Personal freundlich sein.“ Eine Neuerung hatte Josef Brandner parat: Künftig kann die Fahrt auch per App gebucht werden.

Hierfür zeigte seine Tochter Elisabeth ein von ihr erarbeitetes Erklärvideo, das die Fahrtbestellungen erleichtern wird. Dazu wiederholte Weiß seine Auffassung: „Nicht jeder ältere Fahrgast kann damit umgehen. Deshalb muss die Flexibus-Fahrt telefonisch buchbar bleiben, zumindest die nächsten 20 Jahre.“ Interessante Einblicke in die Situation des Nahverkehrs im Raum Berlin/Brandenburg gaben der eigens angereiste Verkehrsinstitutsleiter Christoph Gipp, während Professor Dr. Holger Zuck aus Stuttgart die rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten für den Bedarfsverkehr verdeutlichte.

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