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Krumbach

07.02.2018

Der Pinsel als Kompassnadel für sein Leben

Kunst ist für Sigurd Rakel ein Lebenselixier. Sie sei für ihn so wichtig, wie für andere das Atmen. Die Leidenschaft zum Beruf zu machen fiel ihm nicht leicht. Ein hochwertiger Pinsel half ihm dabei und ist für ihn ein Glücksbringer geworden, mit dem in der Hand er noch immer wichtige Entscheidungen leichter trifft.
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Kunst ist für Sigurd Rakel ein Lebenselixier. Sie sei für ihn so wichtig, wie für andere das Atmen. Die Leidenschaft zum Beruf zu machen fiel ihm nicht leicht. Ein hochwertiger Pinsel half ihm dabei und ist für ihn ein Glücksbringer geworden, mit dem in der Hand er noch immer wichtige Entscheidungen leichter trifft.
Bild: Elisabeth Schmid

Künstler Sigurd Rakel berichtet, wie das Malwerkzeug die prägende Entscheidung seines Lebens beeinflusst hat. Auch heute noch hilft ihm der Pinsel als Glücksbringer.

Die Entscheidung auf die Kunstakademie zu gehen, traf Sigurd Rakel mit Hilfe seines ersten Malerpinsels. Bis heute hält er ihn in Ehren und malt auch noch mit ihm. Wenn Rakel wichtige Entscheidungen treffen muss, nimmt er seinen Pinsel in die Hand und schon fallen ihm die Entscheidungen leichter. Er würde den Pinsel durchaus als seinen Glücksbringer betrachten.

Sigurd Rakel wurde am 20. Juli 1943 in Sigmaringen geboren. Seine Kindheit war für ihn und seinen vier Jahre älteren Bruder nicht leicht. Der Vater war im Krieg gefallen, die Mutter musste die beiden Söhne alleine groß ziehen. Sie war oft traurig und weinte viel. Das bedrückte den kleinen Sigurd sehr. Trotzdem würde er seine Kindheit nicht unbedingt als schlecht bezeichnen. Mit seinem Bruder streunte er durch die Gegend, am liebsten schnitzte er auf Zweigen. Aber dem kleinen Sigurd war eins ganz früh klar: Aus dieser Armut und Trauer muss er rauskommen. Und es war ihm bewusst, dass er das nur alleine schaffen könnte. In der Volksschule zeigte sich sein Talent zum Malen. Er malte, wann immer er konnte. Sein erstes Geld verdiente er, indem er für seine Mitschüler die Bilder in der Zeichenstunde malte – für 50 Pfennig pro Bild. Nach der Volksschule besuchte Rakel das Gymnasium in Sigmaringen.

Der Bub soll Geld verdienen - mit dem Gymnasium ist damit Schluss

Doch der Bub sollte Geld verdienen, also holte ihn die Mutter mit 16 Jahren von der Schule und ließ ihn eine Lehre als technischer Zeichner absolvieren. Er arbeitete auch einige Zeit als technischer Zeichner bei der Firma Eisele in Sigmaringen. Rakel war aber nicht glücklich dabei. Seine Malerei wurde immer mehr zu seiner Leidenschaft. Er wollte malen, das wurde ihm immer klarer. So stellte er sich eines Morgens vor den Spiegel und sagte sich: “Soll das alles sein? Nein, ich muss was ändern.“

In dem Moment beschloss er, auf die Kunstakademie nach München zu gehen. Um seinen Entschluss zu untermauern, kaufte sich Rakel einen besonders guten und hochwertigen Pinsel. Dieser Pinsel bestärkte ihn und erinnerte ihn immer an die Entscheidung, zur Kunstakademie zu gehen. Bis heute hat er diesen Schritt nicht bereut. Kunst ist für ihn eine Lebensphilosophie. Sie sei für ihn so wichtig, wie für andere das Atmen. Sein Lehrer in der Akademie der bildenden Kunst für Malerei und Grafik war Professor Josef Oberberger. Er war Mentor und Vorbild. Sieben Jahre war Rakel auf der Akademie. Die Zeit in München war für Rakel prägend, dort traf er viele Künstler und interessante Menschen. 1970 machte er sein Begabtenabitur im Bayerischen Kultusministerium in München. Anschließend das erste und zweite Staatsexamen für das Kunstlehramt. Von 1976 bis 2007 unterrichtete Rakel im Fach Kunst.

Heute ist er als freie Lehrkraft noch immer im Gymnasium tätig. Die Malerei hat ihm viel Erfolg und Anerkennung gebracht. Zum Beispiel mehrere Ausstellungen in verschiedenen Orten, Verkäufe seiner Bilder und mehrere Kunstpreise. In Krumbach kaufte er die Steiger Villa und richtete dort eine Kunstgalerie ein. Dort lebte er mit seiner Frau Wiltrud. „Die Villa war ein Traum, sie wurde 1923 im Jugendstil erbaut. Aber die Villa bedeutete für meine Frau und mich viel Arbeit. Wir haben alles selbst gemacht“, erzählt Rakel stolz. Dort fanden zahlreiche Events statt.

Rakel: „Meine Frau ist mein zweiter Glücksbringer“

Rakel liebt die Schönheit. Auch die Schönheit der Frauen. Viele Aktzeichnungen hat er in seinem Leben gefertigt. Rakel erinnert sich an seine erste Aktstunde, „ich war 21, da stand plötzlich eine nackte Frau vor mir. Ich war ganz entsetzt, noch nie davor hatte ich eine nackte Frau gesehen.“ Rakel schmunzelt bei dieser Erinnerung. Das Abstrahieren der Körper aber auch anderer Objekte sind ihm wichtig. Er fertigt, so seine Worte, „abstrahierende Kunst“. Gerade arbeitet Rakel an seinen Akten, die er mit Rötelstiften malt. Er malt immer wenn es ihn überkommt, einen festen Arbeitsplan hat er nicht. Sein Pinsel ist bei ihm und immer im Einsatz.

Seine Frau Wiltrud hat er 1972 geheiratet. Er hat sie in Sigmaringen kennen gelernt. „Ich war beim Rasenmähen, da sah ich auf dem Nebengrundstück ein zauberhaftes Mädchen, blonde Haare bis zum Po. Die hatte es mir gleich angetan, die oder keine dachte ich. Meine Frau ist mein zweiter Glücksbringer, sie ist immer für mich da und steht mir zur Seite,“ erzählte Rakel.

Beide lieben Südfrankreich. Die Sonne, die Lebensart, dort verbrachten sie oft und gerne ihren Urlaub. Jetzt leben beide in Krumbach am Lettenberg. Auch dort malt er, plant Ausstellungen, zum Beispiel in Kürze eine Aktausstellung und lebt sein Leben, ein Leben voller Kunst und Leidenschaft.

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