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14.07.2010

Der ewige Kampf

Ungleiche Schwestern: Henriette (Dörte Trauzeddel, links) und Armande (Yasemin Kont) in "Die gelehrten Frauen" im Kramerhoftheater. Foto: Gah
Bild: Gah

Burgau Die Damen rechts, die Herren links. Getrennt sitzen die Geschlechter bei der jüngsten Premiere des Kramerhoftheaters. Denn das alte Thema "Frau gegen Mann" bestimmt die Komödie "Die gelehrten Frauen" von Molière, geschrieben vor rund 300 Jahren. Und Sentenzen wie "Früher war die einzige Wissenschaft der Frau, den Kindern die guten Sitten beizubringen", sind trefflich geeignet, das Publikum in weibliche Buhrufer und männliche Applaudierer zu spalten.

Doch der Sprecher dieses Satzes, Chrysale, ist machtlos gegen seine Frau Philaminte. Deren Erörterungen aus ihrem Buch in acht Kapiteln "Warum die Frauen eine eigene Akademie gründen sollten" spalten das Publikum in männliche Buhrufer und weibliche Applaudierer. Und diese Frau hat die Hosen an. Mit Tochter Armande und Schwägerin Belise hat sie einen wissenschaftlichen und literarischen Zirkel gegründet. Die Dienstboten hält sie von der Arbeit ab, weil sie Bücher lesen sollen.

Die hervorragend kochende Küchenmagd Martine (in herrlichem Schwäbisch: Monika Dürk) wirft sie aus dem Haus, weil sie nicht Hochdeutsch lernen will. Chrysale lässt sie gewähren, da ihm jeder Krach im Haus zuwider ist. Olaf Ude gibt den Duckmäuser, der sich immer wieder zusammenkrümmt. Wirksamer Gegenpol: eine bis ins letzte resolute Philaminte, dargestellt von Marion Wessely.

Chrysale und Philaminte haben zwei ungleiche Töchter: Armande (Yasemin Kont) und Henriette (Dörte Trauzeddel). Armande ist der Mutter treu ergeben und denkt rein wissenschaftlich. Für sie gibt es nur platonische Beziehungen. Henriette sucht ihr Glück im Irdischen. Sie steht dem wissenschaftlichen Zirkel der Mutter ablehnend gegenüber. Beide kämpfen um denselben Bräutigam: Clitandre. Der hatte zunächst Armande umworben, war aber nicht an einer platonischen Beziehung interessiert. Eine Rangelei zwischen den Schwestern mit heftigem An-den-Haaren-Ziehen ist die Folge. Aber der Vater hat einer Hochzeit Henriettes mit Clitandre bereits zugestimmt. Die Mutter jedoch hat einen anderen Kandidaten: Trisottin, einen windigen Literaten aus ihrem Zirkel. Chrysale bittet seinen Bruder Ariste um Hilfe.

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Herrlich die Darstellung von Helmut Weiß als Ariste, der dem hasenherzigen Pantoffelhelden Chrysale ordentlich den Kopf wäscht. Ariste gelingt es mittels einer Finte, Trisottin als Mitgiftjäger zu enttarnen. Damit ist die Einigkeit zwischen den Eheleuten wiederhergestellt. Henriette und Clitandre können heiraten.

Regisseurin Janina Browatzki verlegt die Geschichte aus der vornehmen französischen Gesellschaft in einen mit viel Stroh ausgelegten Bauernstadel (Bühnenbild: Richard Rau). Dadurch gelingt es, den Kampf des Geistigen gegen das Fleischliche auf besondere Art und Weise darzustellen. Ein paar Mal lassen die Schauspieler richtig die Sau raus. Der siegessichere Trisottin geht seiner Versprochenen Henriette an die Wäsche. Auch viele Rangeleien mit Stürzen auf den Boden gibt es. In einem Vorspiel liegen Männer und Frauen getrennt voneinander im Stroh. Dann melden sich die Frauen mit Küssen, die Männer antworten mit Grunzlauten.

Diskussion mit dem Publikum

Mit Wucht prallen die Geschlechter immer wieder aufeinander. So versteht es das Ensemble, das Publikum wieder einmal zu begeistern. Nach der zweieinhalbstündigen Aufführung standen die Schauspieler und die Regisseurin am Premierenabend dem Publikum zur Diskussion zur Verfügung.

Nächste Vorstellungen am 25., 30. und 31. Juli, Beginn jeweils 20 Uhr. Weitere Aufführungstermine im August im Internet www.kramerhoftheater.de

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