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Krumbach

27.12.2020

Die Pfarrer aus Krumbach machen in Corona-Zeiten Mut

Ein ungewöhnliches Bild an Heiligabend: Gottesdienst auf dem Sportgelände im Schulzentrum Krumbach. Unter Einhaltung der Corona-Regeln feierte die Pfarrei St. Michael hier die Christmette. Ein Krippenspiel und Musik von Bläsern sorgten dennoch für Weihnachtsstimmung.
Bild: Manfred Pfeiffer

Plus In ihren Predigten betonen die Geistlichen in der Region die Bedeutung des Festes der Geburt Jesu. Während Josef Bauer voller Hoffnung ist, wählt Erwin Reichart mahnende Worte.

Weihnachten – ein ganz besonderes Fest der Freude. Und das alle Jahre wieder. „Das klingt in diesem Jahr doch etwas anders“, sagte Pfarrer Josef Baur in seiner Predigt am Sportzentrum in Krumbach. Die Pfarreiengemeinschaft St. Michael hatte sich hier, an diesem für eine Christmette so ungewöhnlichen Ort, versammelt, um das Fest Jesu Geburt zu feiern – unter Einhaltung der Corona-Regeln.

Die Predigt von Pfarrer Baur stand ebenfalls im Licht der Pandemie und unter dem Motto „Fürchtet Euch nicht“. In dieser schweren Zeit will der Geistliche Mut machen: „Vieles, was normalerweise zu Weihnachten dazugehört, ist derzeit nicht möglich. Wir können darüber unglücklich und traurig sein, uns ärgern, wir können diese Situation aber genauso als Chance betrachten, die uns das Weihnachtsfest vielleicht sogar etwas näherbringt.“

Die wesentliche Botschaft des Weihnachtsfestes gelte nämlich trotzdem, ja gerade in diesen schlimmen Zeiten: „Gott ist immun gegen das Virus. Er braucht nicht in Quarantäne gehen. Für ihn gelten keine Ausgangsbeschränkungen, Einreiseverbote und Abstandsregeln. Er wird Mensch, weil er uns ganz nahe sein will, einer von uns, mitten unter uns.“ Das sei die Nachricht, die die Kirche seit 2000 Jahren vermitteln wolle, in guten Zeiten genauso wie in schlechten.

„Fürchtet Euch nicht“ – selten, so Baur, hatte es seine Botschaft so schwer, zu den Menschen durchzudringen. Doch: „Wir können die Krise überwinden, und vielleicht hat Gott seine Finger mit im Spiel. Er schickt uns Hoffnungsträger und Lichtbringer – wie seinen Sohn Jesus Christus damals.“ Gott sei mitten unter den Menschen. Und dies sei vielfach erfahrbar: „Inmitten der schrecklichen Corona-Monate haben sich unzählig viele kleine Weihnachtswunder ereignet – ganz handfest und oftmals so leise, dass man es fast nicht für möglich hält“, sagte Baur. So sei es beinahe unglaublich, wie viele medizinische Pflegekräfte sich bis über die Grenzen und unter Gefahr für das eigene Leben für Kranke einsetzen und Sterbende in größtmöglicher Würde begleiten. Es komme einem Weihnachtswunder gleich, wie viel Solidarität entstanden ist unter Nachbarn, Angehörigen, in Hilfsdiensten von Pfarrgemeinden und in anderen lokalen Gemeinschaften. Es sei wundervoll, wie sich wissenschaftliche Experten global verbunden hätten, um diese Pandemie mit aller Kraft zu bekämpfen. „So bedrückend dieses Jahr war, Gott ist immer schon dabei gewesen, inmitten der Schrecken der letzten Monate und Wochen und Tage. Das himmlische ’Fürchtet Euch nicht’ ist uns längst zugesagt – nicht vage oder fern. Sondern leise und deutlich, schon jetzt und für alle Zeit mitten im ganzen Leben“, predigte Baur.

Erwin Reichart: Menschen sollen mehr Beten statt zu Demonstrieren

In unserer modernen Gesellschaft herrsche die Stimmung vor: Auf Gottes Hilfe und Allmacht zu vertrauen ist naiv, predigte Wallfahrtsdirektor Monsignore Erwin Reichart an Heiligabend in Maria Vesperbild. Das habe sich auch in Corona-Zeiten nicht geändert, betont Reichart: „Wenn jemand sagen würde, dass da jetzt auch Gott zu Hilfe gerufen werden muss, dann berührt das viele eher peinlich oder erregt ungläubiges Staunen.“ Aber das sei kein modernes Problem, sondern „ein uralter Hut“. Es seien die neu aufgewärmten Ideen der radikalen Aufklärer vor 250 Jahren, so Reichart, die da wieder herumgeistern: Einen Weltenschöpfer mag es schon geben aber dieser greift nicht in unser Schicksal ein. Wir sind allein auf unsere eigene Kraft angewiesen. Weihnachten lehre genau das Gegenteil: „Gott nimmt Anteil an unserem Schicksal. Er greift in diese unheilvolle Welt ein und wird Mensch, um uns zu erlösen. Gott will, dass wir uns helfen lassen. Und so sollen wir mit den Hirten zur Krippe gehen und seine Allmacht in Anspruch nehmen“, sagte Reichart.

Und er stellt die Frage: Wenn Gott Mensch geworden ist, warum soll er uns dann nicht auch gegen Corona helfen? Seine Antwort liefert der Wallfahrtsdirektor in seiner Predigt gleich mit: „Vielleicht wäre der Virus längst besiegt, wenn die Menschen sich jetzt bekehren würden, wenn sie mehr beten würden und statt Demonstrationen Prozessionen machen würden.“

Reichart weiter: „Sind die ungezählten Berichte aus früheren, viel schrecklicheren Pandemien wirklich alles Märchen, wo Gebetsstürme und Gelübde zum Beispiel die Pest plötzlich abflauen ließen. Die Ziemetshausener wallfahren deswegen noch bis heute zum Dank jedes Jahr bis nach Ettal. Und was ist zum Beispiel mit dem Passionsspielgelübde in Oberammergau, das bis heute erfüllt wird, weil sie erhört wurden.“ Auch Politiker, schloss der Wallfahrtsdirektor seine Predigt, sollten sehen, dass die Kirche im Kampf gegen die Corona-Pandemie äußerst relevant sei. „Was nicht heißt, dass wir Menschen nicht alles Menschenmögliche beitragen müssen.“

Eugen Ritter: Gott wird größer sein als das Coronavirus

Ganz um das Christkind – in kindgerechter Form – drehte sich hingegen die Predigt des evangelischen Pfarrers Eugen Ritter. Sie war der vierte Teil und gleichzeitig Abschluss eines Familiengottesdienstes, der im Freien auf dem Kirchengemeindegelände stattfand. Angemeldete Gruppen von rund zehn Personen durchliefen in einem zeitlich getakteten Rhythmus drei Stationen mit Aktionen von ehrenamtlichen Mitarbeitern der Kirchengemeinde. Vor dem Bauwagen am Lagerfeuer sprach Ritter: „Hui, da, habt ihrs auch gesehen? Da wars. Da ist es geflogen, das Christkind, voll bepackt mit Playstations und Geldbeuteln und technischem Krimskrams.“ Es war der Auftakt einer angeregten Unterhaltung über das Nürnberger Christkind, den Weihnachtsmann und den Nikolaus. „Das Christkind, als Geschenk Gottes, sollte quasi der Geschenkbringer sein und dem heiligen Nikolaus Konkurrenz machen“, hieß es da etwa. Aber auch das Coronavirus kam vor dem Bauwagen auf der Gemeindehauswiese zur Sprache.

Eine ganz schöne Bescherung sei das Virus – ob die von Gott komme, lautete eine Frage. „Ich glaube, die kommt woanders her. Diese Bescherung ist etwas Destruktives, macht Leben kaputt. Und Gott ist doch Liebe, für das Leben“, lautete die Antwort Ritters. Die eigentliche Bescherung sei das Christkind, an das er glaube: „Gott beschert uns seine menschliche Seite. Er versteht uns. Er fühlt mit uns. Er geht nicht auf Distanz. Das Kind in der Krippe. Gott als Mensch. Das ist das Christkind, an das ich glaube. Und ich glaube, dass dieses Christkind dem Virus die Leviten lesen wird und die Zügel anlegen. Gott wird größer sein als das Virus. Christ der Retter ist da. Und das gibt Freude und Lachen mitten in so viel dunklen Gedanken.“

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