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Ursberg

03.12.2016

Die Zauberei des Ursbergers Tobias Grünfelder

Tobias Grünfelder oder besser Campoverde bei seinem Auftritt im Baltikum. Der Zauberer lässt sich gerne auf die Karten schauen, aber nicht in die Karten. Die Tugend der Verschwiegenheit zeichnet alle Zauberer aus.
Bild: Sammlung Campoverde

Warum ein Zauberer auch ein Handwerker sein muss. Im Baltikum hatte Grünfelder alias Campoverde jetzt einen besonderen Auftritt.

Karten, sagt er, sind weit mehr als bemalte Kartons, mit denen man spielen kann. Karten sind das Abbild des Kosmos. Vier Farben wie die vier Jahreszeiten, zweiundfünfzig Blatt, so viele Wochen hat das Jahr. Ein Joker, der Schalttag. Das sagt Tobias Grünfelder oder eigentlich Tobias Campoverde, denn hier sitzt nicht der Student aus Ursberg, sondern der Magier mit Künstlernamen, der sich in wenigen Jahren vom blutjungen Anfänger zum begehrten Zauberer hinaufgearbeitet hat. Gerade hat er eine Tournee durch die baltischen Staaten, organisiert vom Goetheinstitut, hinter sich gebracht.

Während Tobias Campoverde plaudert, sind seine Hände unentwegt mit seinem Kartenspiel beschäftigt. Seine kraftvollen, sehnigen Finger beherrschen die Spielkarten, machen sie zu willigen Dienern seiner Virtuosität. So schnell wenden sie ihre Seite, splitten sich zum Fächer auf, wechseln die Farbe, dass der Betrachter sagen muss: Das ist Zauberei.

Vor nicht einmal zehn Jahren wurde Tobias Grünfelder, damals Mittelstufen-Schüler am Ringeisen-Gymnasium, vom Fieber der Magie befallen, als ihm ein Fußballfreund einen Kartentrick vorführte. Seitdem ist es um Tobias geschehen. Die Zauberkunst ist zum wesentlichen Teil seines Lebens geworden und „es hat mir immerhin mein Studium finanziert.“ Derzeit ist der Student an der Universität in Friedrichshafen eingeschrieben, wo er seinen Masterabschluss in internationaler Politik machen will. Später würde er gerne einmal sein intellektuelles Interesse, die Politik und die internationalen Beziehungen mit seiner Leidenschaft, der Magie, kombinieren. Am Wochenende kommt Tobias heim nach Ursberg, nimmt immer wieder Aufträge an, zaubert auf Firmenabenden, Geburtstagen, im Legoland.

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Schon Goethes Zauberlehrling musste lernen, dass Zaubern mehr ist als ein geheimnisvoller Spruch. Für Tobias Grünfelder ist es Training, Training, Training. Bälle schweben, Dinge erscheinen und verschwinden zu lassen, muss geübt werden. Er nutze, verrät er, jede freie Minute, um seine Fingerfertigkeit zu perfektionieren und über neue Tricks nachzudenken. Da bedarf es eines langen Atems und der Fähigkeit, sich immer von Neuem zu motivieren und zu begeistern. Wenn ein Trick hundert mal misslingt, vielleicht gelingt er beim hundertersten oder beim zweihundertsten Mal. Erfolg haben kann nur, wer erst zufrieden ist, wenn das hochgesteckte Ziel erreicht ist.

Tobias Grünfelder hat sich systematisch zum Zauberer ausgebildet. Meistenteils als Autodidakt. Doch, wenn man erst einmal die hohe Schwelle geschafft hat und als Zauberlehrling anerkannt ist, dann helfen einem die Meister im Magischen Zirkel kollegial weiter, verrät Tobias. Die Aufnahmeprüfung zur Mitgliedschaft in diesem verschwiegenen Fachverband ist anspruchsvoll. Sie besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Den Weg zu den Profis hat Tobias Grünfelder über Perry Paul und seine Frau gefunden, die ihn in seinem Vorhaben unterstützt haben. Allerdings, zu viel will der Nachwuchszauberer nicht verraten, denn das hat er schnell gelernt: Man lässt sich gerne auf die Karten schauen, aber niemals in die Karten! Denn dann wäre das Geheimnis gelüftet und alle Magie wäre dahin. Zauberhaft ist nur, was nicht verstanden wird. Die Gemeinschaft der Zauberer ist deshalb sehr verschwiegen und Tobias Campoverde, gerade einmal vier Jahre im Zirkel, ist vorsichtig, er will keine Geheimnisse verraten. Die Aura des Magischen, des dem Verstand nicht Zugänglichen, macht ja den besonderen Reiz der Zauberei aus. Dennoch verrät er, warum der Magische Zirkel für ihn so viel Bedeutung hat. Es sind nicht nur die fachliche Kompetenz und der kollegiale Austausch, Tobias Campoverde schätzt die Intimität der kleinen Gruppe, schließlich sind es nur wenige Personen, die dem Magischen Zirkel angehören. Und in dieser Gruppe respektiere jeder jeden, unabhängig von seinem Alter. Da könnten der 60-jährige und Zwölfjährige gemeinsam über ein Kartenstück staunen.

Tobias Campoverde will mit seiner Zauberei den wunderbaren Augenblick erzeugen, will Staunen hervorrufen und ein kleines Glück erzeugen. Dazu braucht es nicht unbedingt eine Großausstattung. Gerade bei seiner Tournee durch Estland, Lettland und Litauen musste er mit kleinem Gepäck auskommen. Ein Zauberkoffer musste ausreichen. Schließlich standen an manchen Tagen zwei Auftritte an einem Vormittag auf dem Programm. Die Bühne eigens für den Auftritt zu präparieren, war so unmöglich. Denn natürlich tourte Tobias ohne mitreisende Technikergruppe. Alles, was er an Zauberutensilien für seine Kinderschau brauchte, musste in seinen Koffer passen. Doch das beschränkt Campoverde nicht. Sein Repertoire an Zaubertricks ist groß genug, um den unterschiedlichsten Situationen gerecht werden zu können. Beim Auftrag des Goethe-Institutes galt es beispielsweise, den Kindern ganz nebenher und spielerisch die Freude an der deutschen Sprache zu vermitteln. Für den Studenten eine durchaus lösbare Aufgabe, wenn sie auch sehr exakte Vorbereitung erforderte.

Tobias hat die Comedy-Zauberei für sich entdeckt. Er will in Kommunikation mit den Zuschauern treten, will sie einbeziehen in seine Vorführung, sie selbst zu Ausführenden machen. Da gehört die Sprache wesentlich dazu, ebenso wie Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen. „Man muss schon spüren, wer gerne auf die Bühne kommt und mitmachen will.“ Dann gelinge es, Spaß am Leben zu vermitteln, ein positives Grundgefühl zu erzeugen und die Laien einzubinden. Sein leichtes Lampenfieber vor einem Auftritt helfe ihm dabei, es mache ihn aufmerksam und steigere die Konzentration. Dabei spielt es für Tobias keine Rolle, ob er nun vor kleinem Publikum oder in einer großen Halle zaubert. Grundsätzlich aber gelinge die Zauberschau nur, wenn sie mit wahrer Leidenschaft durchgeführt werde, nur dann springe der Funke über.

Die Schau entwickelt Tobias Campoverde kontinuierlich weiter und variiert sie, je nach Publikum und Stimmung. Dazu sind natürlich auch laufend neue Tricks nötig. „Aber eigentlich ist fast alles schon erfunden und ausgedacht, schon da gewesen,“ sagt er. In der Regel sind die Neuheiten nur Variationen der den Magiern bekannten Grundlagen. „Wirkliche Neuheiten zu erfinden, ist äußerst schwierig.“ So erkennt Tobias bei neuen Zaubertricks von Kollegen natürlich schnell, auf welcher Basis der Trick aufgebaut wurde.

Auch er selbst entwickelt neue Variationen. Da muss dann auch schon mal der Vater von Tobias mit in die Werkstatt, um das eine oder andere Utensil zu bauen. Denn das Zubehör für die Tricks gibt es – außer Bällen, Tüchern und Kleinigkeiten – nicht von der Stange zu kaufen. Die muss sich jeder Magier selbst konstruieren, maßgeschneidert für seinen ganz persönlichen Auftritt. Deshalb reichen die Bühnenfähigkeiten für einen Magier nicht aus. Er muss auch handfeste Talente einbringen, um die Zutaten zu seinem geheimnisvollen Werk zu schaffen. Dann wird auch der größte Zauberer zum Handwerker und es hilft ihm kein Zauberspruch mehr, wenn die Latte zu kurz ist und das Bohrloch schief sitzt.

Die Tricks von Tobias Campoverde können auf Youtube bestaunt werden.

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