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Thannhausen

09.07.2020

Eichenprozessionsspinner wird gefährlich für Thannhausener

Vom Waldrand am Eichberg dringen Raupen des Eichenprozessionsspinners ach in die neu gebauten Häuser im Wohngebiet Beatussteig ein und bringen für Anwohner Gesundheitsgefahren mit sich (links und Mitte). IM rechten Bild ist ein Gespinstnest der Raupen an einer eiche dort in Thannhausen zu sehen. Die Brennhaare der Raupen sind gefährlich für den Menschen und bleiben mehrjährig aktiv.
Bild: privat:

Plus Die Raupe beeinträchtigt die Gesundheit von Anwohnern am Beatussteig in Thannhausen. Die Stadt will deshalb radikal durchgreifen.

Wenn Hunderte von Raupen auf die Terrasse krabbeln, die Hauswände in langen Prozessionen hochgehen und sich sogar in der frisch gewaschenen Wäsche, die draußen zum Trocknen aufgehängt wurde, wiederfinden, schaudert der Mensch, dem das widerfährt. Doch bei dieser Raupe wird nicht nur eine Gänsehaut ausgelöst, sie hat Nesselhaare, die beim Menschen große Gefahren für die Gesundheit bringen können. Eine Anwohnerin bekamm schlimme Ausschläge mit Juckreiz, die mit Cortison behandelt werden mussten. Die Rede ist vom Eichenprozessionsspinner, der von Franken her auch nach Schwaben eingewandert ist.

Neue Häuser grenzen an den Eichbergwald in Thannhausen

Die Raupe befällt im Thannhauser Waldgebiet Eichberg Eichen und baut dort ihre Nester. Die Bäume selbst verkraften in der Regel die Fraßschäden, doch am Eichberg reichen die neuen Häuser des Baugebiets Beatussteig bis an den Wald. Die Lebensräume von Mensch und Raupe vertragen sich nicht in so dichter Nachbarschaft.

Eine Lösung für das Problem wäre, die Raupen mit den problematischen Brennhaaren von den Bäumen absaugen zu lassen. Das hat die Stadt Thannhausen nach einem Bauausschussbeschluss von Anfang Juni bereits getan. Die Möglichkeit des Zurückschneidens eines Hauptstammes einer Eiche wurde geprüft und verworfen, weil das dauerhafte Schädigungen für den Baum zur Folge hätte.

Ortstermin am Beatussteig

Was also tun in der Zukunft? In der Sitzung in Thannhausen waren Eva-Maria Birkholz und Hubert Forstner vom Bereich Forsten des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) aus Krumbach als Fachleute zur Erläuterung der Sachlage eingeladen. Sie haben im Vorfeld die Situation am Beatussteig begutachtet.

In Waldgebieten wird der Schmetterling im Rahmen der Waldbewirtschaftung nur in Ausnahmefällen bekämpft. Der Eichenprozessionsspinner gehöre zu den waldtypischen Gefahren. Anders sehe es am Rand von Siedlungsgebieten aus. Maßnahmen aus Gründen des Gesundheitsschutzes des Menschen seien hier angezeigt. Mögliche Strategien hierfür sind das mechanische Entfernen der Tiere mit Absauggeräten, was aber ein arbeits- und kostenaufwendiges Verfahren ist. Jungraupen des Schmetterlings seien jedoch über die ganze Eichenkrone verteilt. Da die Krone meist nicht in allen Teilen zugänglich ist, sei eine hundertprozentige Entfernung aller Raupen und Nester nicht möglich. Das Absaugen sei also nur punktuell sinnvoll für kurzzeitige Effekte in Zeiten hoher Populationsdichte. Meist würden die Bäume in Folgejahren dann wieder befallen und ein erneutes Absaugen sei notwendig. Außerdem gelte es zu beachten, dass am angrenzenden Schlossberg ein Wald mit weiteren Eichen stehe und der Falter sehr mobil sei. „Man kann nicht einen ganzen Wald absaugen“, so Birkholz.

Biozide würden auch alle anderen Raupen töten

Eine weitere, kostengünstigere Strategie sei der Einsatz von Spritzmitteln (Bioziden). Dies wirkt aber nur in einem frühen Stadium der Raupenentwicklung (Ende April/Anfang Mai), so die Fachleute in einer Stellungnahme für die Verwaltung. Allerdings wirke das Mittel auf alle freifressenden Raupenarten. Auch mit den auf Fahrzeugen montierten Spritzgeräten gelange man nicht in die komplette Eichenkrone, was den erneuten Befall in Folgejahren annehmen lasse.

Schweren Herzens entschieden sich die Mitglieder des Bauausschusses Thannhausen, dass sechs große Eichen im Waldgebiet Eichberg gefällt werden. Grund ist der starke Befall mit dem Eichenprozessionsspinner, mit dem jährlich wiederkehrend zu rechnen ist. Die Raupen kletterten am angrenzenden Neubau die Fassade hoch und waren auch in der draußen aufgehängten Wäsche zu finden. Aus Gesundheitsschutzgründen entschied man sich für das Fällen von sechs Eichen, die a nächsten an die Wohnbebauung grenzen, im Winter.
Bild: privat:

Für beide Bekämpfungsvarianten müsse der Waldrand am Beatussteig, wo sechs große Eichen direkt an die Wohnbebauung grenzen, dauerhaft für größere Maschinen zugänglich sein. Dies ist dort nicht gegeben, da die Anwohner der neuen Häuser bald auch ihre Gärten anlegen und einfrieden wollen.

Das Gift der Raupen-Brennhaare wirkt über Jahre

Die Anwohner selber tätig werden zu lassen bei der Bekämpfung der Raupen oder Gespinste, sei keine Option so Birkholz. Man habe vor Ort Gespinste und tote Raupen in konzentrierter Form am Waldrand abgelegt gefunden. Das entschärft nicht die Gefährdungslage, denn das Gift der Brennhaare sei über mehrere Jahre hinweg wirksam, „also ein Dauerproblem“, so Birkholz.

Letzte Möglichkeit sei eben die Entfernung der Bäume, was natürlich zu bedauern sei. Da die Raupen heuer bereits abgesaugt wären, müsse man dies nicht sofort tun.

Die Stadt Thannhausen als Eigentümerin der Waldfläche müsse nun entscheiden, welche Maßnahmen sie treffen wolle.

Schweren Herzens entschieden sich die Ausschussmitglieder für das Fällen der sechs Eichen. Es fielen Worte wie „Das Fällen der Bäume tut mir sehr weh, aber Gesundheit geht vor“ oder „Es heißt ja Eichberg, da sollten dann schon ein paar Eichen stehen bleiben.“ Ein Vorschlag war, dort im Wald außerdem Fledermausnistkästen aufzuhängen und auf jeden Fall eine Ersatzpflanzung ins Auge zu fassen. Birkholz sagte, dass sie sich die Elsbeere als wärmeliebenden Laubbaum dort sehr gut vorstellen könne.

Eine Esche ist vom Eschentriebsterben betroffen

Bürgermeister Alois Held fasste abschließend noch einmal die für die Anwohner unerträgliche Situation zusammen. Über das kostenintensive Absaugen der Raupen sagte er: „Wir können das wirklich nicht jedes Jahr machen.“ Weil noch Raupen dort seien, wolle man nochmals absaugen und als Beschlussvorschlag formulierte er, dass man die sechs Eichen im Winter fällen wolle. Peter Schoblocher ergänzte, dass es in der Stadt jedoch keinen Automatismus für das Fällen von Bäumen in solchen Situationen geben solle. Problematisch im Waldgebiet sei auch eine große Esche, die vom Eschentriebsterben betroffen sei, erläuterte Birkholz noch. Diese wurde auch in den Fällungsbeschluss mit aufgenommen. Letztendlich plädierten alle Mitglieder einstimmig für die Fällung der Bäume aus Gründen des Gesundheitsschutzes, der in diesem Fall vor dem Naturschutz stehe.

Für den Naturschutz regte Forstexpertin Eva-Maria Birkholz an, dass man die gefällten Stämme ja im Waldgebiet als Totholz liegenlassen könne.

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