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Krumbach

21.05.2019

Eine Krumbacher Handschrift für die Energiewende

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Auch im Bereich der Fotovoltaik hat das Krumbacher Überlandwerk in den vergangenen Jahren viele Akzente gesetzt.
Bild: Matthias Becker (Symbol)

Plus Das Krumbacher Überlandwerk hat die Entwicklung auf dem Energiesektor maßgeblich mitgestaltet. Welchen neuen Service es jetzt anbietet.

Der erste Test mit Batteriespeichern in einem Privathaushalt in der Region: Gerade einmal sieben Jahre ist das her. Schon ein flüchtiger Rückblick ins Jahr 2012 deutet an, welche technische Rasanz die Energiewende seitdem entwickelt hat. Die Energiewende in der Region voranzutreiben: Das ist ein zentrales Anliegen des Überlandwerks Krumbach (ÜWK). Allein im Jahr 2018 sind im ÜWK-Bereich 79 neue Fotovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) installiert worden, 49 davon mit Batteriespeicher. „Mittlerweile werden rein rechnerisch mehr als 70 Prozent des Strombedarfs im ÜWK-Netz durch erneuerbare Energien gedeckt. Das ist ungefähr das Doppelte des Bundesdurchschnitts“, erläutert Ingo Butters, Pressesprecher der Lechwerke (LEW), die Hauptgesellschafter des ÜWK sind. Dieser Anteil soll weiter gesteigert werden.

Angesichts der Entwicklung auf dem Energiesektor werde die individuelle Kundenberatung immer wichtiger. Darum kümmert sich schwerpunktmäßig Vertriebsberater Jürgen Dexel. Der 38-jährige Münsterhauser ist seit Anfang April in diesem Bereich für das ÜWK tätig.

Seit August 2018 gibt es einen besonderen Brückenschlag von Krumbach nach Israel. Das ÜWK arbeitet mit dem israelischen Start-up-Unternehmen TechSee zusammen. Hintergrund für das Projekt ist die Tatsache, dass die elektrischen Geräte in der Menüführung immer komplexer werden. Und wenn es hakt, dann sind es oft nur Kleinigkeiten, die in der Menüführung fehlgelaufen sind. Ein ÜWK-Link für das Smartphone hilft in solchen Fällen weiter. Die Problemstelle kann mit der Handykamera festgehalten werden. Rasch ist dann der Kontakt mit einem ÜWK-Mitarbeiter hergestellt, der auf diesem digitalen Weg Hilfestellungen zur Behebung des Problems geben kann. Und wenn es größere Schwierigkeiten geben sollte, kann auf diesem Weg präzise ermittelt werden, welche Ersatzteile der ÜWK-Mitarbeiter für seinen Hausbesuch mitbringen muss. Der Vorteil der Link-Lösung: Es werde eine dauerhafte Installation auf dem Handy des Kunden, etwa durch eine App, vermieden.

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„Dieser Service hat sich hervorragend entwickelt und wurde bis dato bereits von rund 100 Kunden genutzt“, berichtet ÜWK-Geschäftsführer Martin Glink.

Glink blickt auf eine Übersicht, in der die Geschichte des Krumbacher Überlandwerks zusammengefasst ist. 1899 gab es in Krumbach erstmals Strom in Privathaushalten, 1924 wurde das Überlandwerk als selbstständige Gesellschaft gegründet. Seitdem ist das ÜWK untrennbar mit der Entwicklung des Strom- und Energiemarktes in der Region verbunden. Der 47-jährige in Dinkelscherben geborene Martin Glink ist seit 2012 Geschäftsführer. Das Thema Energiewende ist seitdem gewissermaßen der Dauerbegleiter seiner Arbeit.

Das Netz wurde für rund 20 Millionen Euro modernisiert

Stromerzeugung, Stromvertrieb, aber immer mehr Energieberatung mit individuellen Lösungen für die Kunden: Das sind wesentliche Aufgabenbereiche des ÜWK. Das Netz wurde, wie Ingo Butters und Martin Glink berichten, in den letzten Jahren für rund 20 Millionen Euro umfassend modernisiert. Massive Stromausfälle wie etwa im Sommer 2017 in Krumbach seien glücklicherweise Einzelfälle, sagt Pressesprecher Butters. Das Netz befinde sich in einem guten Zustand. Immer mehr gehe der Trend von einer zentralen zu einer dezentralen Einspeisung. Insgesamt gebe es im ÜWK-Gebiet etwa 2600 Einspeiseanlagen. Das ÜWK betreibt vier eigene PV-Anlagen, 2017 wurde eine Anlage im Bereich des Krumbacher Verwaltungsgebäudes installiert.

Auch auf der Gewerbeschau KRU präsent

„Wir helfen unseren Kunden, selbst umweltfreundlich Strom und Wärme zu produzieren und effizient zu nutzen“, erläutert ÜWK-Energiefachmann Jürgen Drexel. Auch im digitalen Zeitalter sei der persönliche Kundenkontakt wichtig. Präsenz zeigt das ÜWK daher auch auf verschiedenen Messen wie jetzt wieder bei der im Herbst anstehenden Gewerbeschau KRU. Das Angebot des ÜWK reicht von Fotovoltaikanlagen über Batteriespeicher bis hin zur Wärmepumpe. Nach wie vor betreibt das ÜWK – als einer der letzten Energieversorger in Deutschland – ein eigenes Elektrofachgeschäft. Dieses wurde vor Kurzem grundlegend modernisiert. „Die Umsätze in unserem Elektrofachgeschäft haben sich gut entwickelt“, berichtet Geschäftsführer Glink. Ein zunehmend bedeutendes Thema wird die E-Mobilität. Im Bereich des ÜWK gibt es mittlerweile sechs öffentliche Ladesäulen für Elektroautos. Das „Laden zuhause“ werde sich weiterentwickeln, sind sich die ÜWK-Vertreter sicher. Zudem gibt es die Möglichkeit, beim ÜWK ein E-Bike zu mieten. Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten würden Wärmepumpen bieten.

Was werden die kommenden Jahre in Sachen Energiewende bringen? Fehlender Atom- und Kohlestrom – das sei ein gewaltiger Einschnitt. Umso wichtiger sei es, die erneuerbaren Energien weiter auszubauen. Das ÜWK möchte seinen eigenen Anteil in diesem Bereich weiter steigern und die Energiewende nachhaltig in der Region etablieren. Und nicht zuletzt mit Blick auf den raschen technischen Fortschritt sind Butters, Glink und Drexel zuversichtlich, dass dies gelingen wird.

Das Überlandwerk Krumbach:

ÜWK-Geschichte: Seit dem Jahr 1899 gibt es Strom in Krumbach, 1924 wurde das Überlandwerk Krumbach (ÜWK) gegründet.

Versorgungsgebiet: Das Versorgungsgebiet des ÜWK umfasst circa 250 Quadratkilometer mit etwa 32 000 Einwohnern und 14 Gemeinden. Das sind im Landkreis Günzburg: Krumbach, Aletshausen, Breitenthal, Deisenhausen, Ebershausen, Teile Neuburgs, Wiesenbach und Waltenhausen sowie u. a. im Kreis Unterallgäu Babenhausen, Teile Breitenbrunns, Kettershausen, Kirchhaslach und Teile Oberschöneggs.

Kunden: Insgesamt werden circa 17 300 Privat- und rund 80 Geschäftskunden versorgt.

Strommenge: Zuletzt wurden jährlich rund 100 Millionen Kilowattstunden Strom abgegeben, von denen 2,3 Millionen im Wasserkraftwerk Breitenthal selbst erzeugt werden. Rund 2600 kundeneigene Anlagen erzeugen Strom aus Fotovoltaik, Wasserkraft, Biogas, Windkraft oder mittels Kraft-Wärme-Kopplung und speisen diese Energie in das ÜWK-Netz ein.

Mitarbeiter: Derzeit sind am Standort in Krumbach rund 40 Mitarbeiter beschäftigt.

Gesellschafter: Zu 74,6 Prozent die Lechwerke AG und zu 25,4 Prozent die Stadt Krumbach. Die Lechwerke (LEW) befinden sich mehrheitlich im Besitz der RWE-Tochtergesellschaft Innogy SE).

ÜWK-Geschäftsführer: Martin Glink wurde am 22. Dezember 1971 in Dinkelscherben geboren und ist dort auch aufgewachsen. Martin Glink ist verheiratet und hat zwei Töchter (17 und 13 Jahre alt). In seiner Freizeit spielt er gerne Fußball und ist auch nach wie vor im Dinkelscherbener Musikverein aktiv.

Weitere Informationen zur Energiewende in Mittelschwaben finden Sie in folgenden Berichten

Ein wichtiger Beitrag zur Energiewende in Mittelschwaben

Volle Energie voraus bei der Waltenhauser Energiewende

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