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Thannhausen

19.05.2019

Eine Thannhauser Geschichte „von Margeriten und Rehkitzen“

Die Lieblingsblume von Monika Wiesmüller-Schwab, stellvertretende Landrätin aus Thannhausen ist die Margerite. Im Zusammenhang mit Margeriten hat sie uns eine besondere Geschichte aus der Kindheit erzählt.
Bild: Elisabeth Schmid

Als Monika Wiesmüller-Schwab zur Reh-Mama wurde und warum Margeriten dabei eine ganz besondere Rolle spielen.

„Meine Lieblingsblume“: So haben wir unsere Frühlingsserie umschrieben. Bestimmte Blumen können für Menschen mit besonderen Momenten ihres Lebens, mit unvergesslichen Erinnerungen verbunden sein. Blumen und eine regelrecht explodierende Natur - das ist der Zauber des Frühlings. All dem möchten wir in unserer Serie nachspüren. Unsere Gesprächspartnerin ist diesmal die stellvertretende Landrätin Monika Wiesmüller-Schwab. In der Geschichte, die sie uns erzählt, spielen Margeriten und Rehkitze eine ganz besondere Rolle.

Seit ihrer Kindheit liebt Monika Wiesmüller-Schwab Margeriten, die auf den Wiesen und in den Gärten blühen. Im Frühsommer wachsen sie inmitten von Gras und anderen Wiesenblumen. Die kleine Monika sah dem Vater beim Rasenmähen zu. Immer ließ er einen runden Kreis aus, in dem die Margeriten standen. Der Vater mähte einfach drum herum. So kamen die schönen weißen Blumen gut zur Geltung. Es entstand auf diese Art ein richtiges Margeritenbeet. Das gefiel dem Mädchen sehr gut. Aber eine ganz besonders anrührende Geschichte verbindet sie noch mehr mit den Margeriten. Als Monika Wiesmüller-Schwab 17 Jahre alt war, wurde sie zur Reh-Mama.

Wie kam es dazu? Ihre Mutter arbeitete in Thannhausen im Wildpark der Familie Grabowski in Thannhausen. Dort war eine Rehmutter zu Tode gekommen, sie hinterließ zwei kleine Rehkitze, einen Bock und eine Geiß. Die Mutter erzählte es daheim und Monika sagte ganz spontan: „Ich nehme sie, ich werde sie groß ziehen.“ Gesagt getan, die kleinen Rehkitze kamen, beide liegend in einem Malerkübel, bei ihnen an.

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In den Garten der Familie gebracht

„Sie waren so winzig, so hilflos“, erzählt Monika Wiesmüler- Schwab heute rückblickend. Sie brachte die Tiere in den Garten der Familie. Nachts fanden sie Schutz unter der Terrasse des Hauses. In dem Gehege, in dem die Rehkitze lebten wuchs Gras und natürlich viele Margeritenblumen.

Alle sechs Stunden mussten die Tiere mit einer Flasche mit einer speziellen Milch gefüttert werden, auch nachts. Eine Cousine von Monika übernahm ein Kitz und so teilten sie sich die Arbeit. Ein Jäger stand den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite. Monika Wiesmüller- Schwab lächelt versonnen, wenn sie sich an diese schöne, aber auch anstrengende Zeit erinnert, an das blühende Gehege mit den weißen Margeriten und dazwischen ihre kleinen Zöglinge.

Die Mühe hatte sich gelohnt, beide Rehe erhielt sie am Leben. Sie kamen schließlich nach Belgien in einen Wildpark. In dem war gewährleistet, dass sie bis an ihr Lebensende gefahrlos leben durften.

Die Kitze waren ihr ans Herz gewachsen

Der Abschied war schwer, die Rehkitze waren Monika ans Herz gewachsen, ebenso ihrer Cousine. Trotzdem waren die beiden Mädchen froh, das die beiden Rehkitze ein neues, sicheres Zuhause gefunden hatte. „Ich weiß nicht, ob ich das noch mal machen würde, wenn die Situation so käme“, überlegt Monika Wiesmüller- Schwab. Der Abschied war zu schmerzhaft.

Monika Wiesmüller-Schwab wurde im November 1969 in Krumbach geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie in Thannhausen. Dort lebt sie auch heute mit ihrem Mann. Sie hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Beide studieren in Augsburg. Monika Wiesmüller-Schwab arbeitet als Architektin und ist stellvertretende Landrätin im Landkreis Günzburg.

Ihr Garten ist ökologisch angelegt, das heißt, es gibt viele Blumen und Pflanzen, die den Insekten zur Nahrung dienen. Bienen und Schmetterlinge summen und fliegen den ganzen Sommer über durch den Garten. Natürlich mäht auch sie immer, um die Margeriten herum, um so ihr Margeritenbeet zu bekommen. Wiesmüller-Schwab liebt alle Blumen, aber durch diese ganz spezielle Geschichte stehen die Margeriten bei ihr an erster Stelle.

Ein großes Anliegen hat sie an alle Bauern, wenn sie ihre Wiesen mähen. Sie sollten gerade bei der Erstmähung an die Rehkitze denken. Sie liegen oft versteckt im hohen Gras und glauben, in Sicherheit zu sein. Stattdessen kommen viele beim Mähen grausam ums Leben. Sie werden regelrecht geschreddert. Das müsse nicht sein, betont die stellvertretende Landrätin. Am besten: Anruf bei einem Jäger, der geht die Wiese ab und schaut, ob ein Rehkitz versteckt liegt. „Es ist nur ein Anruf und viele Rehkitze können gerettet werden“, meine Monika Wiesmüller Schwab. Rehkitze retten – das wird mit ihrer Kindheit für immer verbunden bleiben.

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