1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Grüne Haare, rote Stiefel und bunte Ideen

Jugendzentrum

14.03.2015

Grüne Haare, rote Stiefel und bunte Ideen

Auf und hinter der Bühne aktiv (von links nach rechts): Jasmin Bußer, 21, Vorsitzender Philipp Kubessa, 26, Geschäftsführer, Matthias Kraus, 24, 2. Vorsitzender.
Bild: Marc Hettich

Warum das Krumbacher Juze ein bunter Rückzugsort für Jugendliche ist

Ein bunter Rückzugsort für Jugendliche: Das Jugendzentrum Krumbach hat einen neuen Vorstand gewählt. Im Interview erzählen die drei Verantwortlichen an der Spitze – Jasmin Bußer, 21, Philipp Kubessa, 26 und Matthias Kraus, 24, – von ihren Plänen, Sorgen und Wünschen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Na, was trinkt ihr gerade?

Das? Das ist nur ein Bier, keine Sorge, harten Alkohol gibt es bei uns nicht. Als städtische unterstützte Anlaufstelle für Jugendliche dürfen wir das ja gar nicht.

Grüne Haare, rote Stiefel und bunte Ideen

Arbeitet ihr mit der Stadt auch zusammen?

Im Alltag nicht viel. Nach dem Brand damals hat Wilhelm Volkert vom Bauamt uns beim Wiederaufbau geholfen.

Das hat sehr gut geklappt.

Wir sind der Stadt auch dankbar dafür, dass sie das Jugendzentrum mitfinanziert.

Habt ihr trotzdem noch Wünsche an die Stadt?

Ja, unser Glaspalast-Projekt könnte mal vorangehen.

Glaspalast?

So eine Art Wintergarten. Den hat uns Markisen Erhard gespendet.

Es schaut einfach schäbig aus, wenn man draußen vorbeifährt und die Kartons mit dem Material rumliegen. Wir haben leider sonst keinen Platz dafür. Das wirkt dann so, als ob wir was angefangen hätten und es nicht zu Ende bringen. Es fehlt allerdings auch noch das Glasdach. Da ist die Finanzierung noch nicht geklärt.

Woran liegt es?

Laut Stadt müssen erst die Parkplätze und die Einfahrt neu gemacht werden.

Als Jugendzentrum habt ihr sicher mit gewissen Vorbehalten zu kämpfen.

Leider ja. In der Berufsschule habe ich schon öfter die wildesten Gerüchte gehört, was im Juze angeblich alles verkauft wird.

Hand aufs Herz: Gab es schon Ärger mit der Polizei?

Nur wegen einem Nachbarn, der sich regelmäßig wegen Ruhestörung beschwert hat. Stadtrat Max Behrends und Quartiermanager Oliver Jaschek haben aber erfolgreich vermittelt. Seitdem gab es keine Probleme mehr.

Wie ist die Resonanz mutiger Gäste, die sich trotz Vorbehalten ins Juze trauen?

Ich hatte selbst Vorbehalte. Als meine Freunde dann alle ins Juze gegangen sind, bin ich auch hier gelandet.

Ein Kumpel von mir hielt das Juze für einen Assi-Schuppen. Er kam dann mal mit und ist seither öfter da.

An meinem Geburtstag waren zwei Freunde da, die nicht so ins Klientel passen. Sie waren verwundert, dass die Leute hier doch ganz nett sind.

Den meisten Leuten gefällt es, wenn sie dann doch mal hier sind. An dieser Stelle wollen wir uns auch bei den Krumbachern bedanken, die uns gelegentlich fragen, ob wir zum Beispiel Möbel brauchen. Zuletzt haben wir Barhocker geschenkt bekommen.

Dann erzählt mal: Was passiert wirklich im Juze?

Eine ganze Menge. Social Rockin, diesmal an zwei Tagen im kommenden Mai. Skaos am 28. März mit aktueller Besetzung, im Sommer vermutlich mit alter Besetzung. Außerdem gibt es dann noch das Hobbyfußballturnier und natürlich den Poetry Slam mit subKult und Kult und der Volkshochschule Krumbach am 16. Mai. Ansonsten setzen wir wie immer auf Konzerte.

Die Sommersause gibt es auch wieder.

Die was?

Am letzten Schultag treffen sich Jugendliche schon am Nachmittag im Juze. Abends spielen dann noch Bands.

Ihr habt also viel vor. Gab es deswegen die Vorstandswahlen?

Nein, der alte Vorstand konnte aus mehreren Gründen nicht mehr. Fabian Witopil zum Beispiel studiert jetzt.

Jasmin als die fleißigste von uns wurde dann die neue Vorstandsvorsitzende.

Seid ihr zufrieden mit den Besucherzahlen?

Bei Bands aus der Gegend ist das immer super. Grandmothers Groove war zum Beispiel der Wahnsinn. Künstler von außerhalb haben es deutlich schwerer. Die Hip Hop Jams funktionieren leider nicht so gut.

Ska wird immer noch gut angenommen. Punk nicht mehr so.

Das liegt wohl daran, dass Punk in Krumbach allgemein nicht mehr so angesagt ist.

Wie organisiert ihr Euch?

Wir treffen uns alle drei Wochen, um die Besetzung des Juzes zu organisieren und Veranstaltungen zu planen.

Bei der Auswahl der Bands sind wir uns meistens einig.

Ihr steckt viel Zeit und Energie ins Juze. Andere Jugendliche in eurem Alter begnügen sich neben Studium oder Ausbildung damit, am Wochenende „Party zu machen“.

Wir sind auch Studenten, Angestellte oder Auszubildende. Es ist schade, dass viele Krumbacher nicht sehen, dass wir ehrenamtliche Arbeit leisten. Ehrenamt im Fußball wird honoriert – das sollte auch für unseren Einsatz gelten.

Was ist Eure persönliche Motivation?

Ich finde toll, dass wir für andere Jugendliche (und nicht nur für diese) ein Programm gestalten können.

Mir ist wichtig, dass es hier in der Gegend einen Ort mit etwas alternativerem Musik-Programm gibt.

Ich möchte die Welt zu einem besseren Ort machen.

Macht das Juze die Stadt Krumbach zu einem besseren Ort?

Ja. Weil hier auch Leute einen Rückzugsort finden, die anderswo in Krumbach vielleicht anecken würden. Wer sich aufgrund von Kleidung oder Gedanken bei der Blasmusik oder im Fußballverein vielleicht nicht angenommen fühlt, ist bei uns herzlich willkommen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren