30.01.2011

Krumbacher wollen KRU

Krumbacher wollen KRU
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Er ist für die Wiedereinführung des KRU-Kennzeichens: Bürgermeister Hubert Fischer (links), der sich von Professor Dr. Ralf Bochert vor einem Löschfahrzeug, das noch ein KRU-Kennzeichen hat, die Details erläutern ließ. In der Hand halten beide schon ein KRU-Kennzeichen. Foto: Hans Bosch
Bild: Hans Bosch

Krumbach Die Umfrage ist nicht unbedingt repräsentativ, aber zumindest richtungsweisend: Von 244 befragten Krumbachern sind 77,4 Prozent für die Wiedereinführung des alten Autokennzeichens KRU. Lediglich 12,9 Prozent lehnen dies ab und 9,7 Prozent ist dies gleichgültig. Die Jugend setzt ein Zeichen. Interessant, dass die 16- bis 30-Jährigen mit 83,3 Prozent zu den größten Befürwortern zählen, gefolgt von den über 61 Jahre alten Autobesitzern mit 77,8 Prozent. Für Bürgermeister Fischer sind es diese Zahlen wert, aktiv zu werden. Er setzt sich für eine rasche Umsetzung ein und weiß eine breite Mehrheit in seinem Stadtrat hinter sich. Mit ihm soll das Thema in einer der nächsten Sitzungen diskutiert werden.

Von Hans Bosch und Peter Bauer

Eine intensive Vorarbeit für das Thema "Kennzeichenliberalisierung" hat Professor Dr. Ralf Bochert, Dekan der Fakultät für Wirtschaft an der Hochschule Heilbronn, geleistet. Nach der am 5. November in Krumbach durchgeführten Befragung kam der Initiator jetzt selbst ins Rathaus und erstattete dem Bürgermeister einen ersten Bericht. Danach fanden inzwischen in 81 bundesdeutschen Städten solche Umfragen statt, aus denen sich mit 73 Prozent Befürwortern ein eindeutiger Trend zur Wiedereinführung ergab. Für Bochert hat praktisch jeder Deutsche über das Kfz-Kennzeichen einen gewissen Bezug zu seiner Heimat. Hinzu komme ein gewisser Hang zur Nostalgie und außerdem sei das Nummernschild für viele ein Symbol, ähnlich wie Wappen und Fahnen. Der Initiator gibt zu: "Es hat schon einen gewissen Charme, sich mit kleinen Anliegen zu befassen, die von der Bevölkerung gut befunden werden."

Bochert ist klar, dass das Vorpreschen einzelner Kommunen wenig sinnvoll ist. Überzeugt werden müsse die Politik. Ihr sei klar zu machen: "Die eindeutige Zustimmung der Menschen zur Wiedereinführung zeigt politischen Handlungsbedarf auf." Die Praxis verlange ohnedies zuerst einmal die Behandlung des Themas in Stadtrat, Kreistag und Landtag, dann auf Bundesebene. "Die zusätzlichen Kennzeichen schaden niemandem und lassen für die betroffenen Städte einen großen Außen- und Innennutzen in Sachen Marketing erwarten", ist sich der Professor sicher. Die gesamte Aktion sei zudem praktisch kostenlos, da die Kennzeichen-Vergabe nur bei Neuanmeldungen von Fahrzeugen ohne personellen Mehraufwand bei den bisherigen Zulassungsstellen erfolge.

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Die Chancen? Bochert nennt das Beispiel Hanau

Hat denn diese Initiative rund 40 Jahre nach der Gebietsreform überhaupt Chancen? Oder haben Skeptiker recht, die von lokaler Folklore sprechen? Bochert verwies zuletzt immer wieder auf das Beispiel Hanaus und den Main-Kinzig-Kreis, wo die kreisangehörige Stadt durch das Kennzeichen HU, das übrige Kreisgebiet jedoch durch MKK repräsentiert werde. Politischen Schub erhält die Aktion durch Thüringens Verkehrsminister Christian Carius, der sich zuletzt laut Frankfurter Allgemeine offen in Sachen Kennzeichenliberalisierung in seinem Land äußerte. In Mecklenburg-Vorpommern steht im Zuge einer Gebietsreform eine Umzeichnung an. Das ist kräftiger Rückenwind für die von Bochert begründete Heilbronner Initiative "Kennzeichenliberalisierung". Mehr als 150 deutsche Städte hatten zuletzt Bochert gegenüber ihr Interesse am "Hanauer Modell" bekundet. "Was Hanau umgesetzt hat, ist vorbildlich und die Idee war wirklich gut und hat als Modell Vorbildcharakter", beurteilt der Heilbronner Professor die Vorgehensweise im Main-Kinzig-Kreis. Bürgermeister Fischer hatte zuletzt immer wieder hervorgehoben, dass er sich KRU zurückwünschen würde. Dies solle aber kein Zwang sein, sondern eine Optionsmöglichkeit. Wer es möchte, solle ein KRU-Kennzeichen erhalten. Die Mehrheit der Krumbacher sieht das offenbar ähnlich. Das hat sich im November bei der Befragung auf dem Marktplatz bereits angedeutet. Viele brachten damals ihre alten KRU-Kennzeichen mit, Erinnerungen wurden ausgetauscht, der Marktplatz erlebte eine regelrechte KRU-Party.

Das Bayerische Fernsehen bringt am heutigen Montag, 31. Januar, in seiner Abendschau ab 18 Uhr einen Beitrag über dieses Thema. Interviewt wurde vom Aufnahmeteam Bürgermeister Fischer vor und im Rathaus.

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