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Krumbach

17.02.2021

Kunst und Musik? So läuft der Online-Unterricht im Landkreis Günzburg

Unterricht online: Das ist auch für die Mittelschule Krumbach der Alltag. Unser Bild zeigt Konrektor und Klassleiter Matthias Winzig, der über die Online-Plattform Microsoft Teams in Kontakt mit seinem Schüler David steht.
Foto: Peter Bauer

Plus Das Beispiel der Mittelschule Krumbach zeigt, was sich seit der ersten Corona-Welle 2020 an den Schulen im Landkreis Günzburg verbessert hat – und was Schüler und Lehrer vermissen.

Der Gong ertönt pünktlich um 10.40 Uhr. Für die Schüler der Klasse 9 dm der Krumbacher Mittelschule steht jetzt eine Stunde mit dem Kombi-Unterrichtsfach Kunst/Musik an. Doch der Klassenraum ist leer. Unterricht in Kunst und Musik? Der findet wie für alle Fächer seit Langem digital statt. Wie viele andere Schulen nutzt die Mittelschule Krumbach die Online-Plattform Microsoft Teams. Auch Konrektor Matthias Winzig ist über diese Plattform in intensivem Kontakt mit seinen Schülerinnen und Schülern. „Und das läuft inzwischen sehr viel intensiver und besser als noch vor einigen Monaten.“

Winzig erinnert sich an den ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres. Digitaler Unterricht? Homeschooling? Nicht wenige Schulen betraten da schlichtweg Neuland. Der Online-Unterricht beschränkte sich phasenweise auf Üben und Wiederholen. Neue Lerninhalte und Prüfungen? All das war anfangs kaum oder nur eingeschränkt möglich. Bayernweit gab es wiederholt heftige Diskussionen um die Tauglichkeit der Lernplattform Mebis. Wie Winzig berichtet, wird im Landkreis mittlerweile umfassend die Plattform Microsoft Teams genutzt. Hier sei es auf digitalem Weg gut möglich, den Schülern neue Lerninhalte zu vermitteln.

Videokonferenzen spielen im Unterricht eine wesentliche Rolle

Der 35-jährige Matthias Winzig ist Klassleiter der 9 dm (m steht dafür, dass die 19 Schülerinnen und Schüler in dieser Klasse den Realschulabschluss anstreben). Er unterrichtet Englisch, Deutsch, ferner auch die Fächerkombinationen AWT(Arbeit, Wirtschaft, Technik) und GSE (Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde).

Im Fach GSE steht gerade das Ende der DDR vor 30 Jahren auf dem Unterrichtsplan. Winzig hat über die Plattform Teams zum Einstieg in die Unterrichtsstunde eine Karikatur vorbereitet, die die Auflösung der DDR und die Flucht vieler nach Westdeutschland symbolisch darstellt. Wie die Karikatur kann er auch verschiedene Arbeitsaufgaben online einstellen. Zur Korrektur benutzt Winzig neben seinem PC ein iPad, dort kann er quasi in Echtzeit Korrekturen mit einem digitalen Stift erledigen. Beim digitalen Stift ist die Farbe Rot eingestellt. „Das ist wie früher, nur digital“, sagt Winzig mit einem Augenzwinkern.

Über dem Eingang zum Klassenzimmer hängt nach wie vor der Stundenplan für die 9 dm. Aber in Zeiten des Online-Unterrichts ist das alles längst digital hinterlegt. Videokonferenzen spielen im Unterricht jetzt eine wesentliche Rolle, Lehrer treffen sich zur Absprache in einer Art virtuellem Lehrerzimmer.

Homeschooling: Im Landkreis Günzburg ist viel erreicht worden

Für die Organisation des Online-Unterrichts hat das Staatliche Schulamt ein Kompetenzteam gebildet. Diesem gehören neben Schulamtsdirektor Thomas Schulze auch die Pädagogen Matthias Winzig, Markus Donderer (Mittelschule Thannhausen), Christina Mößle (Grund- und Mittelschule Wasserburg) und Kathrin Kawalla (Grundschule Kötz) an. Eine wichtige Rolle fällt Jürgen Schlieszeit zu. Er ist Beratungsrektor für den Bereich digitale Bildung für die Grund- und Mittelschule in den Kreisen Günzburg und Neu-Ulm. Im Team ist auch der Landkreis-Datenschutzbeauftragte Richard Grimm. Sozusagen die digitale Fitness der Grund- und Mittelschulen in der Region fortlaufend steigern: Das ist das Ziel des Kompetenzteams.

In den vergangenen Monaten sei, so Winzig, landkreisweit sehr viel erreicht worden. In einzelnen Ortschaften sei die Internetverbindung nicht optimal und so müsse man sich zwischendurch zum Beispiel ab und zu damit behelfen, dass in einer Konferenz die Kamera eines Teilnehmers kurzfristig abgeschaltet werden müsse. Aber insgesamt laufe die Kommunikation reibungslos. Wie in anderen Schulen im Landkreis stehen auch der Mittelschule Krumbach Leih-iPads (insgesamt 32) zur Verfügung. Verliehen seien in der Regel zwölf bis 14 Geräte, sagt Winzig. Auch dies zeige, dass die Versorgung der Schüler zu Hause mit Geräten insgesamt sehr gut sei. Die Krumbacher Mittelschule wird von rund 400 Schülern besucht. Betreut werden sie von etwa 50 Lehrern (Fachlehrer und Teilzeitkräfte eingerechnet).

Immer wieder wurde und wird befürchtet, dass durch den digitalen Unterricht die sogenannte „soziale Schere“ noch weiter aufgehe. Sprich, dass Kinder, die während des Digitalunterrichts zu Hause intensiv durch die Eltern betreut werden, besser durch diese schwierige Zeit kommen als Kinder mit wenig Elternbetreuung. Doch, so deutet Winzig an, ist diese „Schere“ offenbar bislang weniger stark ausgeprägt als befürchtet. Lediglich ab und zu komme es vor, dass einer der Schüler nicht pünktlich zum digitalen Unterricht bereit sei. Aber das sei ja im normalen Unterricht auch nicht anders. Auch da komme halt gelegentlich mal einer zu spät, erklärt Winzig. Beim Thema Prüfungen gebe es mittlerweile Fortschritte. Mündlich sei da, etwa bei Referaten oder bei der Bewertung der Mitarbeit, viel möglich. Keine Möglichkeit gebe es, so Winzig, für schriftliche Prüfungen. Die sollen sukzessive nachgeholt werden, wenn die Schüler schrittweise in Wechsel- und Präsenzunterricht zurückkehren. In einem ersten Schritt soll dies bekanntlich ab dem 22. Februar geschehen. Müssen die Schüler dann damit rechnen, einen wahren Berg von schriftlichen Prüfungen hinter sich zu bringen? Winzig hebt hervor, dass hier natürlich Fingerspitzengefühl gefragt sei, aber auch diese Aufgabe sei lösbar.

Der digitale Unterricht prägt den Alltag an der Mittelschule Krumbach

Aus Datenschutzgründen sind die Namen der Schüler bei Microsoft Teams verschlüsselt hinterlegt. Für das Gespräch mit dem Redakteur unserer Zeitung hat Winzig über Microsoft Teams zwei Schüler seiner Klasse, Jana und David, zugeschaltet. Beide erklären, dass der digitale Unterricht inzwischen sehr gut laufe und dies nicht mehr mit den bisweilen schwierigen Anfangszeiten vergleichbar sei. Aber die Gemeinschaft, das Zusammensein, der direkte Austausch mit anderen Schülern – das vermissen beide auch. Im klassischen Unterricht „passt man auch mehr auf“, sagt Jana.

Doch an den digitalen Ablauf haben sich die Schüler wohl ganz gut gewöhnt. Zur Demonstration des Ablaufs für seinen Gast aus der Redaktion stellt Mattias Winzig einen Arbeitsauftrag in die Teams-Plattform ein. Einige Minuten später meldet sich David und fragt, was es denn damit auf sich habe. Nur zur Veranschaulichung des Systems für den Redakteur von der Zeitung, erklärt ihm Winzig, der das Element umgehend löscht. Doch auch diese Randepisode deutet an, wie sehr der digitale Unterricht inzwischen den Ablauf des Alltags einer Schule prägt.

Vieles habe sich bewährt, manches werde auch „nach Corona“ bleiben, erklärt Winzig. Aber sich endlich wieder persönlich zu sehen und miteinander zu sprechen: Das wünschen sich Jana, David, Matthias Winzig und viele mit ihnen sehr.

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