Newsticker
RKI registriert 7211 Corona-Neuinfektionen - Inzidenz sinkt weiter auf 60,6
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Luftsport: Sturzflug über dem Baggersee bei Thannhausen

Luftsport
11.09.2021

Sturzflug über dem Baggersee bei Thannhausen

Im Minutentakt landeten und starteten die Wettbewerbsteilnehmer mit den Schuldoppelsitzern am Flugplatz Thannhausen.
Foto: MLV Thannhausen

Was den Segelkunstflugwettbewerb am Flugplatz Thannhausen so besonders macht. Unter den Jury-Mitgliedern ist ein früherer Weltmeister.

Anders als sonst drehten die Segelflugzeuge über den Baggerseen im Thannhauser Nordwesten keine gemütlichen Runden. Stattdessen flogen sie Loopings, drehten sich in Rückenlage oder ließen sich trudelnd in die Tiefe fallen. Anlass für diese wirklich spektakulären Flugmanöver war der Wettbewerb im Doppelsitzer-Segelkunstflug, den der Förderverein Segelkunstflug Bayern gemeinsam mit dem Mittelschwäbischen Luftsportverein (MLV) nun am Flugplatz in Thannhausen ausrichtete.

19 Talente sind dabei

19 Talente, vorwiegend aus Süddeutschland, traten in mehreren Wertungen gegeneinander an. Geflogen wurde in drei Schulungsflugzeugen. Thomas Kraus, Abteilungsleiter Segelflug des MLV und verantwortlich für die Organisation vor Ort, erklärt dazu: „Dieser Wettbewerb ist für Neulinge gedacht und soll sie an den Wettbewerbskunstflug heranführen. Deshalb kommen Flugzeuge zum Einsatz, die so gut wie in jedem Verein vorhanden sind. Damit können möglichst viele Pilotinnen und Piloten unter gleichen Bedingungen teilnehmen.“

Eine Kunstflugbox am Himmel

Für den Wettkampf wurde am Himmel über den Baggerweihern eine sogenannte Kunstflugbox definiert. „Diese Box ist einen Kilometer lang, einen Kilometer breit und etwa 800 Meter hoch“, sagt Kraus. Zur besseren Orientierung wurden die Ecken der Box am Boden mit Stoffmarkierungen gekennzeichnet. Denn die Pilotinnen und Piloten fliegen – bis auf einen Höhen- und Geschwindigkeitsmesser sowie einem Messgerät für G-Kräfte – ohne technische Hilfsmittel.

Zum Einstieg in die Box auf 1200 Metern Höhe werden die Segelflugzeuge per Schleppflugzeug gebracht. Im Anschluss absolvieren sie das Kunstflugprogramm, das bis zu einer Mindest-Flughöhe von 400 Metern abgeschlossen sein muss. Die Box darf dafür nicht verlassen werden, das gäbe Punktabzug. Anders als beim motorisierten Kunstflug gebe es beim Segelkunstflug keine Möglichkeit, wieder an Höhe zu gewinnen, so Thomas Kraus. „Für den Piloten geht es immer nur nach unten und er muss mit der Energie haushalten, um die Figuren innerhalb der vorgegebenen Höhen fliegen zu können.“

Übungen auch für das normale Fliegen hilfreich

Zum ersten Mal beim Wettbewerb dabei ist Anna-Lena Schlammer aus Bad Wörishofen. Die 28-Jährige ist selbst Fluglehrerin und hat im vergangenen Jahr ihren Kunstflugschein erworben. „Weil es einfach Spaß macht“, wie sie sagt. Aber auch im regulären Flugbetrieb sieht sie damit Vorteile. „Der Kunstflug bietet ganz andere Möglichkeiten, sein Flugzeug zu beherrschen. In kritischen Situationen kann das auch bei einem normalen Flug hilfreich sein.“

Lesen Sie dazu auch
Anna-Lena Schlammer startete gemeinsam mit 18 weiteren Talenten in Thannhausen.
Foto: Markus Landherr

Bewertet werden die Nachwuchs-Kunstflieger von einer fünfköpfigen Jury, die 200 Meter südlich des Flugplatzes ihren Platz hat. Dabei sind unter anderem der mehrfache Segelkunstflug-Weltmeister Eugen Schaal und Reiner Scheler, Sportreferent des Luftsport-Verband-Bayern.

Für Letztgenannten ist der Besuch in Thannhausen etwas Besonderes, denn 1986 hatte er hier seinen ersten Schiedsrichtereinsatz. „Ich freue mich, dass ich wieder mal hier sein darf“, sagt er schmunzelnd in einer kurzen Pause.

Auch die G-Kräfte werden überwacht

Dann nähert sich bereits der nächste Segelflieger der Box und die Wertung beginnt. Bewertet werden unter anderem die Abweichungen zu den vorgegebenen Figuren und die Ästhetik des Fluges. Auch die G-Kräfte werden überwacht. Wenn das Flugmanöver 5,5 G überschreitet, gibt es aus Sicherheitsgründen Punktabzug und das Flugzeug muss überprüft werden. Bewertet wird per Augenmaß und mit langjähriger Erfahrung.

Wertungsrichter Reiner Scheler bewertete mit fünf weiteren Schiedsrichtern in Sichtweite des Flugplatzes die Leistungen der Teilnehmer.
Foto: Markus Landherr

Wer aktuell im Flieger sitzt, wissen die Juroren aus Gründen der Objektivität zum Zeitpunkt des Fluges nicht. Es könnte Anna-Lena Schlammer sein. Für sie reicht es am Ende zwar nicht auf einen Podestplatz, aber das war auch nicht ihr Ziel: „Ich möchte vor allem Erfahrung sammeln und Gleichgesinnte treffen, mit denen man sich austauschen kann.“ (AZ)

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.