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Mindelzell

20.11.2019

Mindelzell und eine spanische Weinbau-Rochade

In seinem „Privatarchiv“ hat Engelbert Schmid noch einige erlesene Weine aus frühen Jahrgängen seiner Produktion, von denen es nur noch eine überschaubare Flaschenanzahl gibt.
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In seinem „Privatarchiv“ hat Engelbert Schmid noch einige erlesene Weine aus frühen Jahrgängen seiner Produktion, von denen es nur noch eine überschaubare Flaschenanzahl gibt.
Bild: Peter Bauer

Plus Welche Flächen der Mindelzeller Unternehmer Engelbert Schmid bald nutzen will. Dabei spielt ein Top-Weinanbaugebiet eine zentrale Rolle.

„Ribera del Duero“: Engelbert Schmid spricht diese spanischen Worte langsam und gleichermaßen genussvoll aus. „Ribera del Duero“ in Nordspanien: Das ist in Sachen Wein eines der bekanntesten spanischen Weinanbaugebiete. Und in nicht allzu ferner Zeit möchte Engelbert Schmid aus Mindelzell, dessen Weine bereits in der Vergangenheit mehrfach ausgezeichnet wurden, seine Anbauflächen dorthin verlegen.

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Der 65-jährige Engelbert Schmid aus Mindelzell ist vielen vor allem durch seine Hornbau-Werkstatt bekannt. Seit 1995 hat er sich auch als Weinproduzent einen Namen gemacht („Don Angel-Weine“, das spanische Wort angel bedeutet in Deutsch Engel). 2010 pachtete er nördlich von Valladolid im Bereich der kastilischen Hochebene 30 Hektar Land. Dieses Gebiet hat er nun abgegeben. Etwas weiter östlich hat die in Spanien angesiedelte Firma seiner Tochter Susanne rund 25 Hektar Land für den Weinbau gekauft. Geplant ist, diese Fläche auf 50 Hektar auszuweiten. Schmids 34-jährige Tochter Susanne, die in Frankreich Weinbau studiert, spielt bei den Wein-Projekten von Engelbert Schmid inzwischen eine wichtige Rolle.

Weitere Informationen zu Engelbert Schmid und seinen Aktivitäten finden Sie hier:

Mindelzell und eine spanische Weinbau-Rochade

Waldhorn-Werkstatt: Spitzeninstrumente aus dem kleinen Mindelzell

Das neue Anbaugebiet im Bereich „Ribera del Duero“ eröffnet beispielsweise auch bei der Vermarktung neue Möglichkeiten. Schmid ist froh, dass es gelang, das Land zu einem sehr günstigen Preis zu erwerben. Anders als beispielsweise in Italien sei dies im großen Flächenstaat Spanien noch möglich erläutert er. Schmid schwärmt von der hervorragenden Bodenqualität und den klimatischen Verhältnissen im neuen Gebiet. Doch in dieser Region wird noch Getreide angebaut, eine Weinernte werde wohl erst in etwa fünf Jahren möglich sein.

So haben sich Schmid und seine Tochter Susanne quasi für eine Zwischenlösung entschieden – und die liegt geografisch in der Region La Mancha bei Cuenca, rund 80 Kilometer östlich von Madrid. Vorgesehen ist dort, wie Schmid berichtet, die Pacht von rund zehn Hektar Land. 2020 werde es die erste Ernte geben. Dieses Gebiet soll die vorübergehende Basis für den Weinbau sein, bis das Gebiet im Bereich „Ribera del Duero gewissermaßen einsatzbereit ist.

Das Besondere an Engelbert Schmids Weinen ist die deutsch-spanische Kombination. Die Trauben wachsen in Spanien, die Weinproduktion (Ausbau und Abfüllung) findet seit 2016 in Kellerräumen in seiner Heimat Mindelzell statt. Mehrfach wurden seine spanisch-deutschen Weine ausgezeichnet. Schmid reicht seine Weine Jahr für Jahr bei der Austrian Wine Challenge ein. Dieser Wettbewerb gilt neben dem Londoner Wettbewerb als die größte Weinverkostung der Welt. 2016 wurde einer seiner 2014er-Spitzenweine in Wien als bester Tempranillo aller eingereichten Weine mit der Trophy ausgezeichnet. Dabei ließ Schmid rund 400 spanische Konkurrenten hinter sich.

Für den jüngsten Wettbewerb in Wien hat Schmid neun Weine (hauptsächlich Rot-, aber auch Rosé- und Weißweine) eingereicht. Es gab einmal eine Goldmedaille und achtmal Silber. Teilweise fehlten für Gold nur ein paar Zehntel in der Bewertung.

Er möchte seinen individuellen Weg gehen

Schmid sagt, dass bei der Jury-Bewertung eine starke Holzkomponente bei der Produktion offensichtlich eine wichtige Rolle spiele. Er möchte beim Weinbau aber seinen eigenen individuellen Weg gehen. Schmids Schwerpunkt liegt beim Anbau von Rotweinen. Doch zunehmender Beliebtheit erfreuen sich auch seine Rose´- und Weißweine. Schmid hält es für möglich, dass es auch für diese in absehbarer Zeit Gold-Auszeichnungen geben könnte. Und eventuell sogar Riesling in Spanien anbauen? Schmid hält dies für eine reizvolle Möglichkeit.

Die jährliche Weinproduktion liegt in der Regel bei rund 15000 Flaschen. Heuer werden es, so Schmid, nur etwa 3000 sein. Doch er habe genügend Reserve, um seine Kunden zu beliefern. Mit dem Land in der Region La Mancha habe er eine gute Zwischenlösung gefunden. Und dann ist da ja die Aussicht auf die neue Lage im Bereich „Ribera del Duero“. Langfristig kann sich Schmid auch eine neue große Weinkellerei vorstellen.

Mit einem Flaschenpreis von rund sechs Euro hat Schmid einige relativ günstige Weine im Angebot. Sehr geschätzt wird von vielen Kunden die Qualität seiner roten Tintorico-Weine, die Schmid im Preis unter 20 Euro pro Flasche halten möchte. Der Preis für den Trophy-Wein liegt bei 109 Euro. Aber das ist ja auch sozusagen der Champions League-Wein. Schmids Kunden kommen nicht nur aus Deutschland, sondern häufig auch aus dem benachbarten Ausland wie Österreich, Schweiz, Niederlande, Tschechien, aber auch Großbritannien oder Russland. Ein bis zweimal im Monat findet im Gewölbekeller seines Schlosses in Mindelzell ein „Weinschwätzle“ statt. Bis zu 20 Teilnehmer kommen dann zusammen, um in angenehmer Atmosphäre gewissermaßen über Wein, Gott und die Welt zu sprechen.

Die „Weinschwätzle“ haben die Don-Angel-Weine in der Region wesentlich bekannter gemacht. Und wenn Schmid die Worte „Ribera del Duero“ genussvoll ausspricht, dann spürt man, dass er in Sachen Wein wohl noch einiges vorhat.

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