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Krumbach

22.07.2017

Mit dem Radetzky-Marsch durch Shanghai

Tracht_in_der_Nacht.jpg
4 Bilder
Tracht bei Nacht - vor der Kulisse der Skyline von Shanghai.
Bild: Sammlung Plail

Wie der Krumbacher Maximilian Plail gemeinsam mit Musikern aus ganz Bayern die Herzen der Chinesen eroberte

Eine Hotellobby mitten in Shanghai. 50 Musiker in bayerischer Tracht beginnen, böhmische Blasmusik zu spielen. Die anwesenden Gäste sind von der spontanen Einlage hellauf begeistert. Nach ein paar Stücken lässt sich auch das zunächst skeptische Personal von der guten Stimmung anstecken. Bis tief in die Nacht spielen die Musiker ihr Programm immer wieder von neuem, weil die chinesischen Gäste einfach nicht genug bekommen können. Mittendrin: Maximilian Plail. Der 19-jährige Krumbacher war als Teil eines Projektorchesters des Bayerischen Blasmusikverbands (BBMV) auf Einladung des Chinesischen Blasmusikverbands Ende April rund zwei Wochen in China Unterwegs.

Vorausgegangen war der Reise eine Onlinebewerbung mit dem Ziel, möglichst hoch qualifizierte Musiker aus verschiedenen Vereinen und damit eine bunte Vielfalt an Vereinstrachten zu bekommen. Dann folgten zwei Probewochenenden in Haag an der Amper bei Freising. Bereits 2015 war Plail mit dem Auswahlorchester des BBMV auf der Expo in Mailand vertreten. „Ich sollte dann auch gleich die Stimmeinteilung für das Schlagzeug übernehmen, weil mich die Organisatoren schon kannten und wussten, dass das läuft“, erzählt der Jurastudent im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die erste Woche des Aufenthalts stand ganz im Zeichen der Marschmusik. Dabei lernten die Musiker verschiedene Marschformationen kennen. Zwischen den Stücken traten auch Schuhplattler und Alphornspieler auf. „Das war für die Leute vor Ort natürlich ein Highlight, die haben ja noch nie in ihrem Leben ein Alphorn gesehen“, erinnert sich Maximilian Plail an die Reaktionen der Einheimischen. In Shanghai spielte die Auswahl im Rahmen des „Shanghai Band Festival“ in einer Halle vor 3000 Menschen. Ein besonderer Moment für das Orchester war es, als die Formation nach einem Auftritt vor dem Fernsehturm noch im Inneren des Turms marschierte. „Ich glaube, so oft habe ich den Radetzky Marsch noch nie hintereinander gespielt“, sagt Plail mit einem Lachen.

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Besonders gewöhnungsbedürftig war für die bayerischen Musiker, wie die chinesischen Organisatoren mit ihnen umgingen. „Wir wurden ähnlich behandelt wie Staatsgäste. Solange wir in Tracht waren und Auftritte hatten, wurden wir immer von Sicherheitspersonal umringt und konnten auch überall rein, wo für andere hohe Sicherheitskontrollen waren“, sagt er. Da habe man sich schon etwas seltsam gefühlt, berichtet Plail.

Auch von der Bevölkerung wurden die Musiker gefeiert wie Superstars. „Die Chinesen fahren voll auf Bayern ab“, erklärt der Krumbacher. Immer wieder seien sie auf der Straße von Passanten gefragt worden, ob diese Fotos oder Selfies machen dürfen. „Wir wurden auch so andauernd fotografiert“, ergänzt Plail.

Beim zweiten Teil der Reise stand die sinfonische Musik im Mittelpunkt. Von Shanghai ging es nach Hangzhou. „Das Konzerthaus dort war gigantisch“, schwärmt Maximilian Plail. Bei den Sinfoniekonzerten traten die Männer dann im Anzug und die Frauen im Kleid auf. Für die Konzerte wurden ausschließlich Stücke von deutschen Komponisten sowie ein Pflichtstück von einem chinesischen Komponisten vorgetragen.

Am nächsten Tag schon reiste die Gruppe mit dem Schnellzug nach Peking. Dort spielten die Musiker aus Bayern dann auch im Konzerthaus der verbotenen Stadt. An den letzten beiden Tagen standen in Peking noch Konzerte für Grundschüler auf dem Programm. „Die Grundschulen dort waren für unsere Verhältnisse riesig, das kann man sich gar nicht vorstellen, was für hohe Standards die haben“, erklärt Plail. Rückblickend sagt er, könne er von China nur in Superlativen reden. „Es hat einfach alles gepasst. Die Veranstalter haben uns ein unglaubliches Vertrauen entgegengebracht und die Gemeinschaft im Orchester war unbeschreiblich. Da gab es keinen Streit und nichts dergleichen. Es wusste einfach jeder, wie er sich verhalten muss, dass es gut wird.“

Neben der Musik haben die Musiker die Möglichkeit erhalten, die Chinesische Mauer zu besteigen, und sind an einem sehr hohen chinesischen Feiertag auf dem bekannten Fluss vor der Skyline Shanghais mit einem Schiff gefahren. Dabei wurde ihnen „von gefühlten zigtausend Chinesen“ zugejubelt, wie Plail beschreibt, während sie zu „Freude schöner Götterfunken“ Playback spielten. Ein Live-Auftritt sei aus Kontroll- und Sicherheitsgründen nicht möglich gewesen.

Neben seinem Engagement für den Musikverein Krumbach spielt Maximilian Plail auch im Schwäbischen Jugendblasorchester und im Jugendsinfonieorchester und ist seit Kurzem musikalischer Leiter der Gruppe „Die Dorfheiligen“, eine Musikgruppe, die zum einen Böhmische Blasmusik und zum anderen Partymusik spielt. Ihr bisher größter Auftritt war im Vorprogramm der bekannten bayerischen Band „LaBrassBanda“. Schon in zwei Wochen geht es für Plail auf die nächste große Reise. Wieder fliegt er nach China. Dieses Mal für einen ganzen Monat auf Tournee mit Profimusikern der Bläserphilharmonie Baden-Württemberg.

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