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Ebershausen

26.08.2020

Mosterei: Eine besondere Tradition in Ebershausen

Hinter den Toren beim Anwesen Seifertshofer Straße 5 in Ebershausen verbirgt sich eine hochmoderne Anlage, mit der Saft aus angeliefertem Obst gewonnen wird. Los geht es mit der Mosterei am Samstag, 5. September. Das eigene Obst wird zum eigenen Saft gepresst
Bild: Werner Glogger

Wann die Mosterei in Ebershausen wieder ihren Betrieb aufnimmt und wie sie sich in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat.

Bis zur Ernte von Äpfeln und Birnen dauert es nicht mehr lange und wie es aussieht, könnte diese Saison, zumindest in unserer Region, mit einem zufriedenstellenden Ertrag aufwarten. Das hat zur Folge, dass das angefallene Obst die Lagerkapazitäten im Keller oder sonstigen kühlen Räumen übersteigt. Doch wohin mit den restlichen Äpfeln oder Birnen? Ebershausen gilt hier als erstklassige Adresse.

Dort weist die Mosterei eine lange Tradition auf. Auf Initiative des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins begann die Mosterei in der Seifertshofer Straße im Gebäude neben dem heutigen neuen Feuerwehrhaus, das die Gemeinde zur Verfügung stellte, schon im Jahr 1954. Dank engagierter Vereinsmitglieder ist dieser Betrieb in der Haseltalgemeinde zu einer wichtigen Einrichtung geworden und hat mittels Mundpropaganda einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht.

Ältere Helfer der damaligen Anlage erinnern sich, dass sich vor allem in den Anfangsjahren und insbesondere bei reichlichem Obstanfall, lange Schlangen von Traktoren oder Pkw mit Anhänger auch aus der weiteren Umgebung vor der Mosterei stauten. Lange Wartezeiten waren vorprogrammiert, bis endlich das Mostgut aus Säcken und Körben über einen Trichter in das Schnitzelwerk geschüttet werden konnte, um danach mittels Handbetrieb in die Packpresse gefüllt zu werden. Diese Vorgehensweise war mühsam und zeitaufwendig. Heute setzt die Mosterei ihren Slogan „Sie haben das Obst und wir haben die Technik“ in die Tat um.

Eine moderne Anlage gibt es in Ebershausen seit 2007

Im Jahr 2007 erfolgte eine grundlegende Renovierung der Räumlichkeiten und der Einbau einer neuen modernen Anlage. Geblieben ist, dass das eigene Obst zu 100 Prozent zum eigenen Saft gepresst wird und das ohne Zusätze wie Wasser, Zucker oder andere unerwünschte Substanzen. „Wir mosten ihr Obst sehr gerne unter einer Bedingung“, fügt die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Maria Heiligensetzer an, „es muß sauber sein“. Schimmel und Faulstellen könnten die Freude am eigenen Saft gehörig verderben, denn viele Schimmelsporen sind temperaturresistent und überleben sogar die Pasteurisierung. Gegenüber früher werden aktuell neben Äpfeln und Birnen auch Quitten und Trauben verarbeitet, sogar Möhren können dem Obst zugemischt werden.

Doch diese Sorten erfordern eine Reinigung der gesamten Abfüllanlage, sodass die Verarbeitung nur zuletzt erfolgen kann. Zweckmäßigerweise kommen Kunden mit diesem Obst kurz vor Ende der Öffnungszeiten. Wie wird eigentlich der Saft hergestellt? Nach dem Einlegen des Obstes in die Einfüllvorrichtung wird es im Wasserbad von feinem Schmutz befreit und danach mit einer Rätzmühle zerkleinert. Eine moderne Einbandpresse presst schonend das Beste aus dem Obst heraus.

Eine ursprünglich für Brauereien konzipierte Filterzentrifuge entfernt den Satz, wobei bewusst keine hohe Filterung angewendet wird, um die guten Inhaltsstoffe des Saftes zu erhalten. Wer es wünscht, kann den aus dem eigenen Obst gewonnenen Saft in der Pasteurisierungsanlage haltbar machen lassen. Mittels Elektronik in der Heizungsanlage kann die Temperatur sehr genau auf 85 Grad gehalten werden, denn mit erhöhter Abfülltemperatur steigt der Verfall an Vitaminen.

Die Abfüllung erfolgt in Beutel oder Mostfässer

Die Abfüllung erfolgt direkt im Anschluss schaumfrei mit einer halb automatischen Abfüllanlage in fünf oder zehn Liter fassende Beutel in Bag-in-Box-Kartons mit Auslaufhahn. Ansonsten wird der frisch gepresste Saft in Mostfässer abgefüllt. Damit alles reibungslos abläuft, sind neben Mitgliedern der Vorstandschaft weitere Helfer bei der Mosterei im Einsatz. Heiligensetzer ist froh, über ein eingespieltes Team unter der Regie vom „Hauptmoster“ Uli Seitz zu verfügen, das heuer zusätzlich auf das erarbeitete Corona-Sicherheitskonzept achten muss. So ist auf dem ganzen Mostereigelände der Mund-Nasen-Schutz Pflicht, außer zum Beschicken der Einfüllvorrichtung darf der Produktionsbereich nicht betreten werden. Leider sind heuer auch keine Führungen für Kindergarten- und Schulgruppen möglich, und die Vorsitzende bittet, nicht mit der ganzen Familie zum Zuschauen zu kommen. Sie weist zudem auf die Einhaltung des gebührenden Abstandes hin. Trotz der besonderen Umstände freuen sich die Mostereibetreiber, auch heuer Saft aus dem eigenen Obst anbieten zu können.

Los geht es am Samstag 5. September, in der Seifertshofer Straße 5 von 8 bis 12 Uhr, die weiteren Öffnungszeiten sind jeweils samstags von 8 bis 12 Uhr. Nähere Infos, zum Beispiel zusätzliche Öffnungszeiten, gibt es auf der Homepage der Gemeinde Ebershausen.

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