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Krumbach

26.01.2021

Neue Biografie: Was den Komponisten Max Welcker mit Krumbach verbindet

Max Welcker wirkte neun Jahre in Krumbach. Hier leitete er den Liederkranz.
Foto: Dr. Heinrich Lindenmayr

Plus Eine neue Biografie über den bekannten Komponisten Max Welcker bringt Licht in ein noch junges Kapitel Krumbacher Kulturgeschichte.

Rolf Schinzel, Pianist, Korrepetitor, Klavier- und Gesangspädagoge in Dresden, veröffentlichte vor wenigen Wochen zwei Bücher über Max Welcker: eine umfangreiche Biografie und ein voluminöses Werkverzeichnis. Beide Publikationen sind vor allem auch für Mittelschwaben interessant, insbesondere die Schlusskapitel der Biografie, denn sie behandeln Max Welckers „Neuanfang in Krumbach/Schwaben“.

„Rosen, Tulpen, Nelken/ alle Blumen welken./ Eine Welcker-Melodie/ klinget und verwelket nie.“ Diese witzige Huldigung bekam der Komponist Max Welcker per Telegramm am 4. Dezember 1938. Es handelte sich um einen Geburtstagsgruß von Weiß Ferdl, dem damals berühmten Humoristen, der oft Kompositionen von Max Welcker in seinen Programmen verwendete. Der seinerzeit 60 Jahre alte Max Welcker war auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Über 610 Kompositionen schuf der musikbegeisterte Pädagoge, 21 Verlage druckten seine Werke. Der noch junge Rundfunk übertrug Einspielungen von Welcker-Kompositionen. Bei vielen Chören, vor allem bei Kirchenchören, zählten Humoristika, geistliche Lieder und Messvertonungen aus der Feder von Welcker zum Standardrepertoire. Die Begeisterung bei Publikum und Fachwelt hielt bis weit in die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts an, dann geriet der so populär gewesene Komponist mehr und mehr in Vergessenheit.

Max Welcker hatte familiäre Verbindungen nach Mittelschwaben

Zeitlebens war der Komponist, der 1878 in Augsburg geboren wurde, eng mit Mittelschwaben verbunden. Welckers Mutter Amalie, geborene Mayer, stammt aus Thannhausen. Seine Ehefrau Leopoldine, geborene Straßer, kommt aus Krumbach. Bei ihrer Familie fand Max Welcker Aufnahme, nachdem seine Wohnung infolge des verheerenden Luftangriffs auf Augsburg im Februar 1944 unbenutzbar geworden war.

Sorgsam klärt Rolf Schinzel über alle Einzelheiten des Neuanfangs in Krumbach auf: über Welckers Wohnung im Haus der heutigen Michaelsapotheke, über die letzten Kriegskampfhandlungen, über den Prozess der Entnazifizierung und das nicht leichte Unterfangen, als Lehrer an der Volksschule Krumbach unterrichten zu dürfen. Vermutlich im Sommer 1945 fanden die ersten Proben der „Chorgemeinschaft Liederkranz Krumbach“ unter der Stabführung des versierten Chorleiters Max Welcker statt. Am 25. November 1945 dirigierte der neue Chorleiter „ein Wohltätigkeitskonzert zugunsten der Kriegsversehrten und Ärmsten im Landkreis Krumbach im Stadtsaal“.

Max Welcker leitete neun Jahre lang den Liederkranz in Krumbach

Die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Max Welcker und dem Liederkranz dauerte bis in den Mai 1954. In diesen neun Jahren dirigierte Welcker zahlreiche Konzerte, gestaltete musikalisch mit dem „Liederkranz“ Messen und Festakte, beispielsweise die Einweihung des Flurbereinigungsamtes am 3. Juni 1951 und die Einweihung des neuen Volksschulgebäudes am 6. Januar 1952. Theresia Riederle schrieb damals „Das Krumbacher Heimatlied“, Welcker vertonte es. Am 9. Mai 1954 führte der „Liederkranz“ das Oratorium „Der Rose Pilgerfahrt“ von Robert Schumann unter der Leitung von Max Welcker auf, der, inzwischen 75 Jahre alt, mit diesem Konzert seiner Karriere den Schlussstein setzte.

Aus seiner Kindheit innig vertraut ist dem Biografen Rolf Schinzel ein von Max Welcker komponiertes Weihnachtslied. Das Lied schuf eine emotionale Nähe, die den Autor inspirierte, sich mit Person und Werk des Komponisten zu befassen. Mehrere Jahre dauerten die Recherchen. Schinzel spürte Zeitzeugen auf, suchte den Kontakt zu den einschlägigen Musikverlagen, stöberte in Bibliotheken und Archiven, reiste zu den Originalschauplätzen. Herausgekommen ist ein gut lesbares und reich bebildertes Buch, das trotz seiner Materialfülle nie ermüdet, sondern den Leser gern all die Wege und Umwege hin zu Max Welcker mitvollziehen lässt. Am Ende der Lektüre darf der Leser dankbar sein für ein farbiges Lebensbild des einstmals so erfolgreichen Komponisten, für viele interessante Einblicke in das Musikleben unserer Vorfahren und nicht zuletzt für die Sympathien, die der Autor für Max Welcker weckt.

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