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Landkreis Günzburg

25.01.2019

Nur eine kleine Beule oder ein kleiner Kratzer?

Kleine Unfälle können in Augenblicken passieren, die Folgen sind auf den ersten Blick manchmal kaum sichtbar. Der Unfallverursacher muss allerdings bestimmten Pflichten nachkommen – ansonsten droht eine Anzeige.
Bild: Bernhard Weizenegger

Täglich begehen Autofahrer im Landkreis Unfallflucht. Oft handelt es sich um eine kleine Beule, die beim Ausparken entsteht. Wer erwischt wird, den erwarten empfindliche Strafen. So sollten sich Fahrer verhalten.

Manchmal braucht es nur eine einzige Sekunde, um großen Ärger zu verursachen. Ein bisschen zu viel Schwung beim Ausparken, ein vergessener Blick in den Rückspiegel – und es ist passiert. Täglich ereignen sich kleine Unfälle im Landkreis Günzburg – und täglich machen sich Unfallverursacher davon, ohne ihren Pflichten nachzukommen. Das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West zählte im Landkreis im Jahr 2017 insgesamt 663 solcher Fälle – im Schnitt beinahe zwei täglich.

Der Gedanke, nach einem kleinen Unfall einfach weiterzufahren, kommt wohl vielen Menschen – so sieht es der Sprecher der Polizeiinspektion (PI) Krumbach, Claus Schedel: „Im ersten Moment ist der Fluchtinstinkt da. Der Vorfall ist einem peinlich und eigentlich will man darüber nicht einmal mehr nachdenken.“ Dennoch muss derjenige, der ein anderes Fahrzeug beschädigt hat, zu seinem Fehler stehen – und sich richtig verhalten. Was viele Menschen nicht wissen: Es reicht nicht aus, einfach einen Zettel hinter die Windschutzscheibe des Unfallgegners zu stecken.

In Krumbach ist Marcus Praschivka für die Sachgebiete Verkehr und Verkehrserziehung zuständig. Im Bereich seiner PI ereigneten sich 2017 insgesamt 180 Unfallfluchten. Er ist mit solchen Fällen hinreichend vertraut und weiß, wie sich ein Fahrer verhalten muss: „Wird ein geparktes Auto angefahren, muss der Unfallverursacher eine angemessene Zeit lang warten, bis der Autobesitzer zurückkommt.“ Diese angemessene Zeit betrage mindestens eine halbe Stunde. Wenn der Besitzer bis dahin nicht aufgetaucht ist, muss der Unfallverursacher die 110 anrufen. „Nur der Anruf bei der Polizei sichert den Unfallverursacher in diesem Fall ab, ansonsten begeht er Fahrerflucht, sobald er sich vom Unfallort entfernt“, sagt Praschivka. Zusätzlich kann man trotzdem einen Zettel an der Windschutzscheibe hinterlassen, allein reicht das aber nicht aus.

Auf Unfallflucht stehen empfindliche Strafen – je nach Höhe des verursachten Schadens bis zu drei Jahre Haft oder Geldstrafen. Die Höhe der Strafe hängt von der Art des Unfalls ab. Wenn etwa eine Person verletzt wurde, ist der Fall gravierender als nur bei einem Blechschaden. Doch auch ein solcher kleiner Schaden kann bei einer Unfallflucht hohe Strafen nach sich ziehen. „Ab 1300 Euro Fremdschaden kommt auf den Unfallverursacher auch eine Fahrerlaubnissperre zu“, sagt Praschivka. Diese könne je nach Entscheidung des Gerichts sechs bis zwölf Monate dauern.

Ein Sonderfall liegt bei sogenannten Bagatellschäden vor – diese zählen nicht als Unfall, daher kann ein Autofahrer auch keine Unfallflucht begehen. Die Grenze für einen Bagatellschaden liegt jedoch nur bei 50 Euro. „Bei einem modernen Auto gibt es nur wenige Vorfälle, die einen so geringen Schaden verursachen“, sagt Praschivka. Das könne der Fall sein, wenn etwa nur die Halterung eines Kennzeichens beschädigt wird. Jeder Kratzer oder jede Delle hingegen überschreite diesen Wert.

Aufklärungsquote im Kreis liegt bei 39 Prozent

Von den 663 Unfallfluchten im Landkreis im Jahr 2017 konnte die Polizei 261 Fälle aufklären, das entspricht einer Quote von rund 39 Prozent. Im Bereich der PI Krumbach ist dieser Wert noch höher – gut 46 Prozent aller Fälle konnten dort aufgeklärt werden. Wichtige Tipps liefern dabei oft die Beobachtungen von Zeugen. Manchmal hinterlässt der flüchtige Fahrer auch Spuren. Derer nimmt sich Rudolf Saßen an. Saßen arbeitet bei der Autobahnpolizei Günzburg und ist als Unfallflucht-Fahnder im gesamten Landkreis tätig. Er ermittelt die Unfallverursacher, die sich unerlaubt aus dem Staub gemacht haben. Manchmal geht es dabei um größere Unfälle – tätig wurde er etwa im Dezember, als bei Ebershausen ein Autofahrer von der Straße abkam, durch einen Weidezaun krachte und mehrere Schafe überrollte. Drei Tiere wurden damals getötet. Der Unfallverursacher machte sich aus dem Staub, ließ jedoch Spuren zurück. Am Unfallort verstreute Teile des Unfallwagens wurden von Saßen untersucht, so konnte letztendlich der Täter ermittelt werden.

Doch auch bei kleinen Unfällen wird der Unfallflucht-Fahnder aktiv. Bei einem Park-Zusammenstoß kann ein Fahrzeug ebenfalls Spuren hinterlassen, etwa markante Abdrücke im anderen Fahrzeug oder Lackspuren. Diese Hinweise helfen dann, den Unfallverursacher zu finden. „In solchen Fällen erstellen wir eine Liste mit Fahrzeugen, die für den Unfall infrage kommen. Dann mache ich mich auf den Weg und schaue mir die Autos an, um zu sehen, ob eines davon kürzlich in einen Zusammenstoß verwickelt war“, sagt Saßen.

Wer einen Unfall baut und sich dann aus dem Staub macht, ist demnach in keiner glücklichen Lage. Allerdings kann er selbst dann, wenn er im ersten Moment seinem Fluchtreflex nachgegeben hat, zumindest teilweise etwas geradebiegen. Denn das Gesetz räumt ihm die Möglichkeit der „tätigen Reue“ ein. In diesem Fall bedeutet das: Wenn der Unfallverursacher innerhalb von 24 Stunden die Feststellung seiner Personalien ermöglicht, kann er eine Milderung seiner Strafe hoffen. Unter Umständen verzichtet ein Richter sogar komplett auf die Strafe. Das gilt aber nur für Unfälle mit geringem Sachschaden, die sich nicht im fließenden Verkehr ereignen – also etwa einem Rempler beim Ausparken. In jedem Fall gilt aber: Anhalten und Warten ist Pflicht.

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