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Münsterhausen

25.07.2020

Pfarrer Mirko Cavar: "Konnte mir keine andere Gemeinde vorstellen"

So kennen die Münsterhauser ihren Pfarrer: Seit 31 Jahren steht Mirko Cavar am Ambo und predigt. Das Bild entstand beim Gottesdienst zu seinem 30-jährigen Jubiläum im vergangenen Jahr.

Plus Pfarrer Cavar hat in Münsterhausen Millionen Euro verbaut, ließ als erster Pfarrer Mädchen als Ministrantinnen zu. Jetzt geht er in den Ruhestand.

Die Küche ist ein heimeliger Ort. Hier enden die meisten Partys, hier unterhält man sich zwangloser, hier öffnet man sich dem Mitmenschen leichter als in einem Wohnzimmer oder gar in einer Amtsstube. Die Mitglieder seiner Pfarrei hat Pfarrer Mirko Cavar immer in seiner Küche empfangen. Die Küche sei ein besonders geeigneter Ort für echte Gespräche und somit auch für die seelsorgerische Aufgabe, meint der Pfarrer, der nach 31 Jahren die Pfarrgemeinde in den Ruhestand verlässt.

Rückblickend erklärt Cavar: „Ich konnte mir keine andere Gemeinde vorstellen. Über einen Wechsel habe ich nie nachgedacht. Hier in Münsterhausen habe ich mich von Anfang an bis heute sehr wohl gefühlt. Die Leute kennen mich, begrüßen mich freundlich auf der Straße. Wenn ich Hilfe brauchte, wusste ich immer, auf wen ich mich verlassen konnte. Schön ist es auch gewesen, Familien über so einen langen Zeitraum seelsorgerisch zu begleiten, den Glauben weiterzugeben und Kinder im Religionsunterricht zu haben, mit deren Familien ich drei Jahrzehnte lang eng verbunden war.“ Immer wieder bricht bei Pfarrer Mirko Cavar im Gespräch Wehmut durch, dass er künftig hier nicht mehr Pfarrer sein werde. Andererseits freut er sich auf den Ruhestand und empfindet es als Geschenk, dass er mit 66 Jahren die Verantwortung für seine Pfarrgemeinde in jüngere Hände übergeben darf. Denn die Arbeit ist nicht weniger geworden, besonders seit 1998 die Pfarreiengemeinschaft aus den Gemeinden Münsterhausen, Burtenbach und Kemnat/Hagenried gebildet wurde.

Cavar machte zahlreiche Renovierungen in Münsterhausen mit

Viel hat sich in der Pfarrgemeinde verändert, seit Mirko Cavar hier Pfarrer ist. Millionen habe er verbaut, sagt er. Die Kirchen, die Pfarrhöfe, das Pfarrheim, zwei neue Orgeln, alles sei prächtig renoviert und auch stilistisch wie atmosphärisch stimmig geworden. Trotz der großen Investitionen verfüge die Kirchenstiftung über satte Rücklagen. Es gehe hier nicht um Äußerlichkeiten, meint der Pfarrer, denn es müsse in der Liturgie alles zueinanderpassen. Schließlich sei die Liturgie die „Seele der Gottesbegegnung“. Das Raumgefühl in einem Gotteshaus, die Ausstattung des Kirchenraums, die Texte, die Lieder, die Musik und nicht zuletzt die Predigt, all das müsse sich zu einer harmonischen Einheit fügen.

Immer für einen Spaß zu haben: der Pfarrer beim Seniorenfasching.

Ganz wichtig sei es für ihn, dass er sich in den biblischen Texten, die im Gottesdienst gelesen werden, wiederfinden könne. Nur so erreiche er mit seiner Botschaft die Herzen der Gottesdienstbesucher. Oft habe er nach einem Vorabendgottesdienst in der Nacht zum Sonntag noch einmal an seiner Predigt gefeilt, weil er mit der Reaktion der Besucher der Vorabendmesse auf seine Worte nicht zufrieden gewesen sei.

Mirko Cavar stammt aus Bosnien und kam in den 80ern nach Deutschland

Mirko Cavar versteht sich als sanfter, aber beharrlicher Reformator der Kirche. Als erster Pfarrer im Dekanat hat er Mädchen als Ministrantinnen zugelassen. Er hat spezielle Gottesdienste für Familien, Kinder oder Jugendliche gefeiert und er tritt auch für Bußgottesdienste ein. Er sei überzeugt von der Richtigkeit solcher Neuerungen, erklärt er. Er fühle sich dabei gut und das gelte auch der Mehrheit der ihm anvertrauten Mitchristen. Ohne feste Überzeugung, Durchhaltevermögen und Durchsetzungsfähigkeit könne die notwendige Reformation der Kirche nicht gelingen.

Diese Eigenschaften wurden Mirko Cavar schon auf seinem Weg, Priester zu werden, abverlangt. Er stammt aus Budisnja Ravan in Bosnien und wuchs unter einem kommunistischen Regime auf. Früh entschied er sich, gegen alle möglichen Widerstände, ins Seminar zu den Franziskanern zu gehen und Pater zu werden. Als er nach dem Abitur den Militärdienst abzuleisten hatte, habe ein Offizier zu ihm gesagt: „Wenn ich sicher wüsste, dass Sie einmal Priester werden, würde ich Sie jetzt auf der Stelle erschießen.“

Der junge Mirko Cavar 1976 im kroatischen Dubrovnik.

Das Durchhaltevermögen von Mirko Cavar wurde auch nach seinem Theologiestudium, das er von 1975 bis 1980 in Sarajewo absolvierte, geprüft. In Deutschland bekam sein Studienabschluss keine Anerkennung. Also lernte Cavar innerhalb von drei Semestern die deutsche Sprache, schrieb seine Diplomarbeit und bestand an der Universität Eichstätt alle Prüfungen.

Mirko Cavar wird in Münsterhausen feierlich verabschiedet

In den 31 Jahren in Münsterhausen hat der Pfarrer Höhen und Tiefen erlebt. Er litt unter dem grausamen Bürgerkrieg, der seine weit entfernte Heimat erschütterte. Er litt mit den Familien von fünf krebskranken Kindern in seiner Pfarrgemeinde. Er erlebte intensiv eine Reihe von gemeinsamen Reisen mit der Pfarrgemeinde, unter anderem ins Heilige Land. Er machte seine Frauenkirche in Hausen zu einem zentralen Ort im „Musikalischen Frühling“ und begeisterte sich bei den CD-Aufnahmen, die dort entstanden. Er trat zur Freude eines großen Publikums mit der Heimatdichterin Bärbl Bachmann auf. Als „die Bärbl“ vor einigen Monaten überraschend starb, da habe er spontan gedacht, jetzt werde es auch für ihn Zeit, Abschied zu nehmen.

Cavar bei der Kindersegnung etwa im Jahr 1992.

Am kommenden Sonntag wird es eine Abschiedsfeier mit geladenen Gästen geben. Die Gläubigen sollen am Sonntag, 9. August, die Gelegenheit bekommen, Cavar in den Ruhestand zu verabschieden.

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