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Günzburg

18.03.2015

Polizisten angegriffen: Söhne wollten Mutter vor Festnahme schützen

Zwei junge Männer wurden jetzt vor dem Günzburger Amtsgericht wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte bestraft. Sie hatten ihre Mutter vor der Festnahme schützen wollen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte werden zwei Männer bestraft. Aber auch für die Eltern hat der Richter deutliche Worte.

Das Urteil, das Richter Roland Groß über zwei junge Männer sprach, fiel deutlich milder aus, als es zu Beginn der Verhandlung ausgesehen hatte. Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, so hatte die Anklage gelautet – und ohne Geständnis sei eine strenge Strafe zu erwarten, kündigte Groß an.

Polizei wehrt sich mit Pfefferspray gegen drohende Jugendliche

Das war passiert: Im vergangenen Sommer klingelte es an der Haustür in Ichenhausen, die Polizei war da. Die Mutter der beiden Angeklagten sollte nach einer Trunkenheitsfahrt zur Blutentnahme ins Krankenhaus gebracht werden, der heute 17-jährige Sohn und sein inzwischen 21-jähriger Bruder wollten das aber verhindern.

Als die beiden Polizisten die Mutter zum Auto führten, versuchten die Söhne, sie aus dem Griff der Beamten zu befreien. Dem Jüngeren gelang es, die Hand der Mutter zu fassen. Er handelte sich einen Platzverweis ein, der ihn wenig beeindruckte. Die Beamten griffen zum Pfefferspray, der ältere Sohn drohte: „Ich hau dir gleich eine aufs Maul.“ So stand es in der Anklage, die der Staatsanwalt in der Verhandlung vor dem Günzburger Amtsgericht vortrug.

Was nur am Rande der Verhandlung und schon vorher draußen auf dem Flur zur Sprache kam: Die Mutter hatte sich wohl im Garten vor der Polizei versteckt, um der Blutentnahme zu entgehen. Bei dem Gerangel auf der Straße wollte sie fliehen, wurde aber schnell wieder von der Polizei festgenommen. Der Streifenwagen ist bei dem Vorfall beschädigt worden, Richter Roland Groß sagte dazu nur so viel: Es sei nicht viel passiert, „Gott sei Dank, außer, dass das Auto hin war“.

17-Jähriger: "Öfter mal Probleme mit den Beamten"

Dafür äußerte sich Groß zu anderen Punkten. Dass die Mutter, der später 2,62 Promille Blutalkohol attestiert wurden, sich vor der Polizei im Garten versteckte, sei nicht gerade ein „Vorbild“ für die Söhne. Und dem Jüngeren sagte der Richter unmissverständlich: „Ihre Mutter wurde nicht entführt!“ Die Polizisten seien nicht verpflichtet gewesen, den Söhnen zu sagen, warum sie die Mutter mitnehmen wollten. Dass es in der Familie, wie der 17-Jährige aussagte, „öfter mal Probleme mit den Beamten“ gegeben habe, beeindruckte den Richter nicht sonderlich. Die Mutter solle lieber dafür sorgen, dass es nicht mehr zu Polizeieinsätzen kommen muss.

Zwar halte er das Verhalten der beiden Angeklagten für „menschlich nachvollziehbar“, sagte Groß, an eine „Verkettung von dummen Umständen“, wie von Rechtsanwalt Ulf Treptow vorgebracht, mochte er aber weniger glauben. Zugunsten der beiden jungen Männer wertete der Richter das Geständnis, das der 17-Jährige sich nach vehementem Zureden und kurzer Beratung mit seinem Anwalt dann doch noch hatte abringen können, und das Geständnis des 21-Jährigen, das darauf in einem knappen Satz folgte. Auch eine „gewisse elterliche Prägung“ wertete Groß zugunsten der beiden und sprach schließlich in beiden Fällen eine Verwarnung aus.

Milde Strafe: Arbeitsstunden für geständige Jugendliche

Der 17-Jährige, der bisher noch nichts auf dem Kerbholz hatte, muss 35 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, sein älterer Bruder, der laut Groß strafrechtlich schon „massiv“ aufgetreten ist, muss 60 Stunden absolvieren.

Wegen „Reiferückständen“ legte der Richter bei beiden das Jugendstrafrecht zugrunde und machte ihnen deutlich, dass bei einem weiteren Delikt Freiheitsentzug droht. Und an die Eltern, die der Verhandlung als Zuhörer folgten, wandte sich Groß auch: „Am besten kann man so was durch das eigene Vorbild verhindern.“

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