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Thannhausen

14.01.2021

Schnelles Internet: Kommt der Glasfaserausbau für Thannhausen?

Teilweise gibt es im Stadtgebiet bereits Verteilerknotenpunkte mit Glasfasertechnologie. Die Hausanschlüsse bestehen bisher jedoch meist aus Kupferleitungen. Das könnte sich in absehbarer Zukunft ändern.
Bild: Markus Landherr

Plus Der Bauausschuss will schnelleres Internet in Thannhausen realisieren. Welche Möglichkeiten es für die Stadt gibt und wie viel das kosten wird.

„Wir wollen schnelles Internet für unsere Bürger“, fasste Peter Schoblocher ( Freie Wähler) die Diskussion in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses Thannhausen zusammen. Vorausgegangen war ein Informationsaustausch mit Alfred Wöcherl von der Breitbandberatung Bayern GmbH. Er informierte über Fördermöglichkeiten im Rahmen der bayerischen Gigabitrichtlinie für einen flächendeckenden Ausbau von Glasfaseranschlüssen. Thannhausen könne als „Raum mit besonderem Handlungsbedarf“ mit hohen Förderzuschüssen rechnen.

Bis zu 90 Prozent seien möglich. Der „besondere Handlungsbedarf“ hebe die maximale Fördersumme von sechs auf acht Millionen Euro. Das Förderprogramm wurde Anfang letzten Jahres vom Freistaat Bayern gestartet. Bisher gibt es laut Stadtbaumeister Stephan Martens-Weh nur im Stadtteil Burg und im Gewerbegebiet an der Carl-Zeiß-Straße Glasfaseranschlüsse. Bei der Baumaßnahme in der Tannenbergstraße, die in diesem Jahr realisiert wird, werde ein Telekommunikationsunternehmen ebenfalls Glasfaseranschlüsse verlegen. Ansonsten bestehen die meisten Anschlüsse in der Stadt bisher aus Kupferleitungen. Lediglich die sogenannten Datenautobahnen, also die Zuleitungen zu den Verteilknotenpunkten, wurden in den letzten Jahren von privaten Anbietern teilweise auf Basis von Glasfaser verlegt.

Thannhausen hat bereits seit 2016 einen Masterplan zum Glasfaserausbau

Bereits im Jahr 2016 hat die Stadt einen Masterplan zum Glasfaserausbau erstellt. Dieser sei eine optimale Grundlage für die flächendeckende Bereitstellung entsprechender Anschlüsse, so Wöcherl. Der Masterplan umfasst das gesamte Stadtgebiet und verzeichnet die notwendigen Verteilknotenpunkte, die Zuleitungen und die einzelnen Hausanschlüsse. Denn anders als beim Wasserleitungsbau, brauche jedes Haus einen ganz eigenen Anschluss, ausgehend von einem Knotenpunkt, so Wöcherl.

Wenn die Stadt einen kompletten Glasfaserausbau nach der bayerischen Gigabitrichtlinie ins Auge fasse, sollten bereits jetzt bei anstehenden Baumaßnahmen entsprechende Leerrohre mitverlegt werden. Dies spare rund ein Viertel der Baukosten. Die Stadt gehe hier zwar in Vorleistung, die Kosten würden aber gefördert, erklärte Wöcherl. Herbert Fischer ( CSU) war skeptisch, ob dies eine Aufgabe der Kommune sei und ob damit ein flächendeckender Ausbau in absehbarer Zeit gelinge. „Wir haben an sich einen guten Straßenzustand und glücklicherweise nicht sehr viele anstehende Baumaßnahmen“, sagte er. Das sei richtig, so Wöcherl. Allerdings basiere der dadurch entstehende Flickenteppich an Leerrohren auf dem Masterplan und könne in der Folge in den kompletten Ausbau integriert werden. Laut Stadtbaumeister Stephan Martens-Weh wurden auch in den zurückliegenden Jahren immer wieder entsprechende Leerrohre verlegt.

Wie die Stadt die Kosten für schnelles Internet ermittelt

Der nächste Schritt für die Stadt wäre laut Wöcherl die Beauftragung einer Markterkundung. Das bedeutet, dass die gesamte Anzahl an möglichen Glasfaseranschlüssen erfasst wird. Damit erhalte man Aufschluss über die Gesamtkosten für die Maßnahme. Hier gehe die Stadt kein Risiko ein, da die Kosten für die Markterkundung durch Fördergelder gedeckt seien.

Bürgermeister Alois Held (CSU) befürwortete den Glasfaserausbau grundsätzlich. Allerdings wisse man nicht, wo die Reise hingehe: „Wer weiß, welche Technologie in den nächsten Jahren entwickelt wird.“ Wenn Glasfaser dann nicht mehr Stand der Technik sei, setze man die Investitionen in den Sand. Alfred Wöcherl gab zu verstehen, dass aktuell keine Technologie die bodengebundene Glasfaser ersetzen könne. Außerdem seien die Vorleistungen der Kommune attraktiv für ein Telekommunikationsunternehmen, das dann den restlichen Ausbau und den Betrieb des Netzes übernehmen würde. Die bereits verlegten Leerrohre verkaufe die Stadt dann an den jeweiligen Betreiber.

Thannhausen könnte in drei bis vier Jahren ein Glasfasernetz haben

Wenn man jetzt mit der Markterkundung starte, könne die Maßnahme bereits in drei bis vier Jahren komplett umgesetzt sein, sagte Wöcherl und berichtete von guten Erfahrungen der Gemeinde Sontheim im Unterallgäu. Dort wurde Ende letzten Jahres der Gigabitausbau gestartet. Die Kommune ist damit die erste Gemeinde in Bayern, die den regulären Förderbescheid erhalten hat.

In Thannhausen wird sich jetzt der Stadtrat mit dem Thema befassen. Bei drei großen Baumaßnahmen, die in diesem Jahr anstehen, könnten dann weitere Leerrohre verlegt werden: In der Von-Eichendorff-Straße und in der Bäcker- und Metzgerstraße werden die Wasserleitungen erneuert, die Christoph-von-Schmid-Straße wird komplett umgebaut.

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