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Ursberg

30.11.2019

Sie hat sich ihr ganzes Leben lang für andere eingesetzt

Aus ihrem Leben im Dienst an Kranken und Hilfsbedürftigen erzählt Sr. Hildemar Mägerl, die ihr 75-jähriges Profess-Jubiläum feierte. 

75 Jahre war Schwester Hildemar Mägerl im Dienst für Kranke und Menschen mit Behinderung.

Es ist schon bewundernswert, wenn man mit 96 Jahren noch in solch geistiger Verfassung ist, dass man am Leben und in seiner Umgebung aktiv teilnehmen kann. Und wer von jung an bis ins hohe Alter Kranke und Behinderte pflegt, sie betreut und ihnen beisteht, verdient höchste Anerkennung und Respekt. 1939, also vor 80 Jahren, trat Maria Mägerl in den Orden der Franziskanerinnen im Kloster der St. Josefskongregation Ursberg ein. Unlängst konnte sie in festlichem Rahmen das äußerst seltene 75-jährige Profess-Jubiläum in ihrem Wirkungsort feiern. Im Verlauf eines Besuches im Mutterhaus erzählte die vitale Ordensfrau nun aus ihrem Leben, das vor allem in der Zeit ihrer jungen Jahre von Bescheidenheit, Sparsamkeit, Verzicht und mit unvorhersehbaren Ereignissen gekennzeichnet war.

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Sie entschloss sich spontan, im Ursberger Kloster zu bleiben

Geboren in Großschönbrunn, einem kleinen Ort, nördlich von Amberg in der Oberpfalz, wuchs sie mit acht Geschwistern auf und besuchte die ersten vier Klassen der Volksschule in ihrem Heimatort und dann im nahe gelegenen größeren Vilseck, wo danach Vorbereitungen zur Aufnahmeprüfung für die Schulschwestern liefen.

Der Besuch dieser Schule in München leitete die Erfüllung ihres früh geäußerten Berufswunsches, Lehrerin zu werden, ein. Für das junge Mädchen bedeutete der Umzug vom Land in die Stadt eine große Umstellung und Herausforderung. Die inzwischen begonnene NS-Zeit bewirkte, dass es immer wieder Schikanen gab und die Schule 1939 geschlossen wurde.

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Maria kehrte darauf wieder in ihre Heimat zurück. Dort traf sie auf eine Bekannte, die ihr vom Kloster im schwäbischen Ursberg erzählte und sie einlud, diesen Ort zu besuchen. Sie folgte der Einladung ohne größere Vorbereitungen für einen längeren Aufenthalt zu treffen – es war ja nur eine kurze Besichtigung an einem Tag vorgesehen. Das Leben im Kloster, die Umgebung und die freundlichen Schwestern beeindruckten Maria aber so sehr, dass sie sich spontan entschloss, hierzubleiben und nicht mehr nach Hause zurückzukehren.

Vier Jahrzehnte als Arzthelferin und Lehrschwester tätig

Und dieser Entschluss sollte für ihr ganzes Leben gelten, denn 1944 legte sie nach der Zeit als Novizin die ewige Profess ab und gelobte, zeitlebens die Regeln des Ordens zu befolgen und ein gottgeweihtes Leben zu führen. Mit dem Gelübde entschied sich Maria Mägerl für den Schwesternnamen Sr. Hildemar.

Hauptbestandteil ihrer Aufgabe war fortan die Fürsorge für Hilfsbedürftige, Schwache und Kranke, wie sie in der von Dominikus Ringeisen gegründeten St. Josefs-Kongregation in großer Zahl lebten. Das erstreckte sich zunächst auf die Gruppentätigkeit in der „14-Nothelfer-Abteilung“ in St. Josef, aber auch in der während der Kriegsjahre eingerichteten Lazarettstation in St. Vincenz und dann ausschließlich im Krankenhaus St. Camillus. Dank ihrer gründlichen Ausbildung war sie in der Lage, alle anfallenden Tätigkeiten in der Krankenpflege allgemein, aber auch als Assistentin bei Operationen, beim Röntgen, in der Ambulanz oder beim Vernähen von Operationswunden auszuüben.

„Man musste einfach alles können“, erinnert sich Sr. Hildemar. Etwas später erfolgte die Grundausbildung in Köln-Hohenlind zur Ausübung der Lehrtätigkeit, sodass sie vier Jahrzehnte gleichzeitig als Arzthelferin und Lehrschwester tätig war. Erst im hohen Alter beendete sie ihren aufopfernden Dienst, versorgte aber noch Jahre die Sakristei in St. Camillus und verrichtete häusliche Dienste.

Aufgaben immer mit Leidenschaft

Als glückliche Fügung bezeichnet sie, dass aus dem Kreis ihrer neun Geschwister zwei ebenfalls in der St. Josefskongregation ihre Lebensaufgabe fanden. Leider ist Sr. Friedegard schon verstorben, doch Sr. Brigitta war jahrzehntelang im Pflegeberuf und ist für ihre Schwester eine fürsorgliche Stütze. In gut einem Jahr kann Sr. Brigitta ihr 65-jähriges Profess-Jubiläum feiern. Unter anderem trägt manche Vereinsfahne die Handschrift dieser versierten Stickerin.

Sr. Hildemar erzählt abschließend von einer Begegnung in jungen Jahren mit Sr. Martina, einer älteren Mitschwester, die sie an den Sarkophag von Dominikus Ringeisen in der Aussegnungshalle auf dem Ursberger Klosterfriedhof führte. „Werde eine gute Schwester nach dem Leitmotiv von Ringeisen, das Vertrauen auf Gott ist das Leben unserer Kongregation“, so lauteten ihre Worte. „Es haben mich Höhen und Tiefen begleitet, aber ich habe meine Aufgaben immer mit Leidenschaft ausgeübt“, betont Sr. Hildemar und freut sich, dass sie und ihre betagten Mitschwestern im Mutterhaus in Ursberg gut versorgt werden.

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