Krumbach

06.04.2015

Skaos im Wohnzimmer

Begeisternder Auftritt: Die Gruppe Skaos bei ihrem Heimspiel im Krumbacher Jugendzentrum.
Bild: Marc Hettich

Skaos ist ein Urgestein der deutschen Ska-Szene. Wer die Band miterlebt hat, weiß warum. Beim Heimspiel in Krumbach zeigte die Band ein Konzert mit besonderem „Wohnzimmergefühl“.

Ein großes Wohnzimmer. Bekannte Gesichter auf dem Sofa, in der hinteren Ecke ein Kicker mit lachenden Zockern, auch den grinsende Kerl hinter der Bar kennt man. Überhaupt hat man das Gefühl, die Leute an diesem Abend alle schon einmal gesehen zu haben. Und irgendwie zu kennen. Fun & Brass-Musiker. Eine Mitarbeiterin des Heimatmuseums. Eine Popchorn-Sängerin. Und natürlich all die jungen Leute mit Rastas und bunten Haaren. Etwa 150 waren da – zu viel für ein gewöhnliches Wohnzimmer. Und doch irgendwie ein angenehmes „Wohnzimmergefühl“. Wenn in Krumbach alle Generationen zusammenkommen, spielt Skaos im Juze.

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Man könnte jetzt über das aktuelle Album „More Fire“ berichten. Oder davon, dass die Jungs schon in Japan auf Tour waren und aus der deutschen Ska-Szene nicht mehr wegzudenken sind. Aber das alles wurde schon hundert Mal geschrieben. Kein Wunder, die Ska-Urgesteine glänzen auch mit einer ungeheuren Bühnenpräsenz.

Aber solcherlei trockene Fakten sind nicht geeignet, die schweißtreibende Atmosphäre eines Skaos-Gigs einzufangen. So mancher späte Gast musste an der Türe abgewiesen werden – die Sicherheitsbestimmungen geben eine Höchstzahl an Juze-Besuchern vor. Es hätte aber auch ohnehin kaum noch ein weiterer Tänzer zwischen die mitunter ekstatisch-verzückt zuckenden Leiber gepasst. Ob man die zum Teil schon mehr als 30 Jahre alten Songs nun kennt oder nicht, spielt ebenso wenig eine Rolle wie die Tatsache, ob (wie an diesem Abend) die aktuelle oder eine der alten Besetzungen der Band auf der Bühne steht. Die Ska-typischen Off-Beats gehen direkt ins Bein.

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Treibende Bläser und groovige Rhythmen erinnern an die Wurzeln der Ska-Musik: verschiedene musikalische Einflüsse vereinten sich in den 70er und 80er Jahren im Dunstkreis von Punk, 2Tone und Reggae zu einer neuen Subkultur. Anfangs unpolitisch, spaltete sich die Szene mit dem Aufkommen rechtsextremistischer Texte von Bands wie Skrewdriver. So entstand der archetypische Nazi-Skinhead mit Glatze, Springerstiefeln und Bomberjacke. Der Großteil der Ska-Szene distanzierte sich von dieser Unterströmung – Skaos ist da keine Ausnahme. Mit ihrem Hit „Bonehead“ bezogen die Krumbacher schon längst Stellung gegen Rechtsextremismus und Faschismus. Auch dem Publikum im Juze stand der Sinn offenkundig nicht nach Naziparolen – sondern nach Spaß.

Skaos ist nach wie vor ein Selbstläufer. Dem Juze-Team ist es gelungen, ein buntes Publikum in die Hans-Lingl-Straße zu locken. Nach dem Konzert war der Abend noch nicht zu Ende: Zu diversen Hits aus der Konserve tanzte sich das ausdauerndere Partyvolk durch die Nacht. Je später der Abend, desto belastbarer das Sitzfleisch der Gäste. Ganz wie im eigenen Wohnzimmer.

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