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Interview

12.08.2020

Ski-Rennläuferin Meike Pfister: Platzt wegen Corona das Comeback?

Nur für das Zeitungsfoto präsentiert sich die Rennläuferin Meike Pfister aus Deisenhausen in so gemütlicher Pose. Ansonsten ist sie in nächster Zeit häufig auf Gletschern aktiv, um sich auf den Winter und nach langer Verletzungspause auf ein gelungenes Comeback im Ski-Weltcup vorzubereiten.
Bild: Sammlung Pfister

Plus Weltcup-Rennläuferin Meike Pfister vom Skiklub Krumbach plant bald das Comeback nach schwerer Verletzung. Durch die Corona-Krise bleibt vieles aber ungewiss.

Seit eineinhalb Jahren hat Skirennläuferin Meike Pfister kein Rennen mehr gefahren. Bei einem Sturz in der Weltcup-Abfahrt in Crans Montana ( Schweiz) verletzte sie sich schwer. Es folgte ein Operation und eine lange Reha. Nun kämpft sich die 24-jährige Deisenhauserin wieder zurück. Im Interview spricht sie über die lange Leidenszeit und wie sie wieder zu alter Stärke zurückfinden will - wenn Corona es zulässt.

Frau Pfister, als Mitglied des 13-köpfigen A-Kaders des Deutschen Skiverbandes gehört man doch zu den Wenigen, die zurzeit – trotz der hochsommerlichen Temperaturen – schon an den nächsten Winter denken, oder?

Pfister: Ja, ich zähle wahrscheinlich schon zu denjenigen, die momentan bei 32 Grad an den Winter und den Schnee denken. Aber für mich ist das ganz normal, denn die Saison geht Mitte Juli los. Wir waren auch schon drei Tage Skifahren am Stilfser Joch und sind im August durchgehend in der Schweiz in Zermatt und Saas-Fee auf Schnee, um uns intensiv auf den kommenden Winter vorzubereiten.

Heißt es, bei der Wahl ob nun Bade- oder Skianzug müssen Sie nicht lange überlegen?

Pfister: Schwierig. Also, ich mag den Sommer natürlich auch, aber der Skianzug hat natürlich Vorrang, denn das ist ja meine Leidenschaft. Freilich, wenn es draußen heiß ist und ich am See liege, hab ich natürlich auch gern den Badeanzug an.

Meike Pfister: "Habe grünes Licht von den Ärzten bekommen"

Sie waren ja durch einen gerissenen Nerv in der Schulterpartie nach dem Sturz im Februar 2019 bei der Weltcup-Abfahrt im schweizerischen Crans Montana die ganze letzte Saison außer Gefecht. Ist jetzt alles wieder o. k.?

Pfister: Es ist eigentlich soweit wieder alles in Ordnung. Die Schulter ist zwar noch nicht komplett bei 100 Prozent, aber sie ist auf jeden Fall so, dass ich grünes Licht bekommen hab von den Ärzten, und dass ich ganz normal Skifahren darf, ohne dass ich was kaputt machen kann.

Meike Pfister in Aktion.
Bild: Michael Kappeler (dpa)

Wenn Sie Ihr tägliches Trainingsprogramm abarbeiten, müssen Sie da Einschränkungen aufgrund von Corona hinnehmen?

Pfister: Anfangs gab es schon Corona-Einschränkungen, aber seit geraumer Zeit ist es weitgehend normal. Ich kann mein Training ganz normal absolvieren. Außer dem Mundschutz, den ich halt tragen muss wie jeder andere, wenn ich in Trainingshalle oder -raum hinein laufe, merke ich so gut wie nichts mehr von Corona.

Ski Alpin: Pfister und Co. trainieren in der Schweiz

Wie sieht eigentlich so eine Wintervorbereitung im Hochsommer aus? Da muss man doch sicherlich hoch hinaus, um brauchbaren Schnee zu finden?

Pfister: Wie ich schon erwähnt habe, sind wir viel auf den Gletschern unterwegs, mitunter auf sehr hohen. Normalerweise würden wir auch nach Chile fliegen, aber das wird wegen Corona wahrscheinlich ausfallen. So werden wir uns viel in der Schweiz bewegen. In rund 4000 Metern Höhe findet man schon gute Bedingungen vor.

Sie sind ja Sportsoldatin mit Dienstgrad Stabsunteroffizier bei der Bundeswehr in Sonthofen. Wie viel Prozent in etwa nimmt der Sport in Anspruch und wie viel bleibt für den „Dienst für den Staat“?

Pfister: Mittlerweile bin ich sogar Sportsoldatin mit dem Dienstgrad Feldwebel. Was die Prozente betrifft: Die liegen seit diesem Jahr bei 100 Prozent Sport und fast null Prozent Dienst. Aber mein Sport ist ja Dienst am Staat, also kann man wiederum sagen, dass es 100 Prozent Dienst für den Staat sind.

Meike Pfister aus Deisenhausen will im Dezember wieder Rennen fahren

Am 24. Oktober ist Weltcup-Auftakt mit dem Riesenslalom in Sölden. Feiern sie da nach der verletzungsbedingten Zwangspause ihr Comeback?

Pfister: Nein. Ich werde erst bei den Rennen Anfang Dezember in Lake Louise, sofern sie stattfinden, an den Start gehen.

Ende November steht dann ein weiterer Riesenslalom im amerikanischen Killington auf dem Programm. Also in jenem Land, das von der Corona-Krise mit am härtesten betroffen ist. Gibt es Überlegungen beim Verband, auf diesen Termin zu verzichten?

Pfister: Das ist schwierig zu beantworten. Ich denke, dass sich vielleicht auch die FIS ein Alternativprogramm zu den Rennen in den USA überlegen wird. Von DSV-Seite weiß ich momentan nichts darüber. Ich hoffe, man wird da eine Lösung finden.

Meike Pfister beim Rehatraining in Berchtesgaden. Dort wird sie von Konditionstrainer Marcus Hirschbiel betreut.
Bild: Sammlung Pfister

Sie haben sich bekanntlich auf die Speed-Disziplinen Abfahrt, Super G und Riesenslalom spezialisiert. Damit steht dann mit zwei Abfahrten und einem Super G innerhalb von drei Tagen vom 4. bis 6. Dezember in Lake Louise (Kanada) gleich ein richtiger Härtetest an. Sehen Sie diese Rennen als richtungsweisend für die Saison?

Pfister: Mein Ziel ist es, dort mein Comeback zu feiern und mit 100 Prozent am Start zu stehen. Dann werden wir sehen, was dabei herauskommt. Es ist jetzt schon eine sehr lange Zeit ohne Rennen gewesen, aber ich werde mich so gut es geht vorbereiten und hoffentlich Schritt für Schritt zu alter Stärke zurückfinden.

Die Olympischen Spiele 2022 sind das Ziel von Meike Pfister

Wenn sich die Corona-Situation bis zum Winter nicht gravierend zum Positiven verändert, drohen – wie in anderen Sportarten auch – Skirennen unter Ausschluss der Öffentlichkeit bzw. mit reduzierter Zuschauerzahl. Könnten Sie damit leben?

Pfister: Ja. Es ging anderen Sportarten ja auch so. Wenn sich die Lage nicht bessert, dann ist es immer noch besser, man fährt Rennen ohne Zuschauerbeteiligung. Es ist unser Job, Rennen zu fahren und wir wollen Rennen fahren. Wenn es nur ohne Zuschauer geht, dann müssen wir trotzdem froh sein, dass wir überhaupt fahren können. Natürlich wäre es schöner, wenn sich das Ganze normal abspielt. Aber darauf kann ich wenig Einfluss nehmen.

34 Punkte waren in der Saison 2017/18 das Beste, was Sie in einer Weltcupsaison gesammelt haben. Eine ähnliche Punktzahl würde Sie in der kommenden Saison aber nicht ganz zufrieden stellen, oder?

Pfister: Es ist auf jeden Fall mein Ziel, mehr zu holen. Klar, ich komm aus einer Verletzung raus, ich weiß nicht, wie ich mich jetzt in der Vorbereitung entwickeln und wie ich dann am Start stehen werde. Ich denke aber, dass ich mehr als 34 Weltcuppunkte schaffen kann. Ob es nächste Saison schon so weit ist oder erst übernächste, das werden wir dann sehen.

Ihre ganz großen Ziele sind sicherlich nach wie vor die Weltmeisterschaft 2021 im italienischen Cortina und die Olympischen Winterspiele in Peking?

Pfister: Ja, das sind meine großen Ziele. Daran hat sich nichts geändert.

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