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Krumbach

09.10.2019

Sportzentrum Krumbach: Entscheiden jetzt die Bürger?

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Das Krumbacher Sportzentrum mit dem Hallenbad (Bild – in dem sich die Saisoneröffnung wegen technischer Probleme verzögert) steht derzeit intensiv im Fokus der öffentlichen Debatte. Nach der jüngsten Entwicklung ist es möglich, dass es in absehbarer Zeit zu einem Bürgerentscheid kommt.
Bild: Peter Bauer

Plus Die Stadträte Achim Fißl und Marcus Härtle kritisieren den bisherigen Planungsprozess und wollen die „Notbremse“ ziehen. Welche Schritte nun folgen sollen.

„Besinnt Euch, zerredet das Thema nicht“: Vielleicht ist es dieser geradezu leidenschaftliche Appell zu späten Stunde, der die ganze verfahrene Diskussion um die Zukunft des Krumbacher Sportzentrums plastisch vor Augen führte. Der Diskussionsabend war weit fortgeschritten, als sich Nico Harder, Technischer Leiter der Wasserwacht im Bezirk Schwaben, zu Wort meldete. In der Schwimmhalle sei die Lage bereits mit „5 nach 12“ zu umschreiben. Beim Projekt Sportzentrum solle jetzt keine Zeit mehr verloren werden und es soll die günstigste Lösung verwirklicht werden.

Warum ist die Lage in der Diskussion um das Sportzentrum so verfahren? Lesen Sie dazu unseren Kommentar:

Sportzentrum: Warum die Lage verfahren ist

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Aber wie sieht die günstigste Lösung denn aus? Seit 2013 wird darüber diskutiert. Bürgermeister Fischer und zuletzt eine Mehrheit des Stadtrates waren und sind für einen Neubau. Doch die Stimmen, die dies für den falschen Weg halten, werden lauter. Die beiden Stadträte Achim Fißl (SPD-Fraktionsvorsitzender) und Dr. Marcus Härtle (UFWG) wollen ein Bürgerbegehren gegen einen Abriss und Neubau des Sportzentrums auf dem Weg bringen. Rund 70 Interessierte waren zu ihrer Informationsveranstaltung in den Saal des Krumbacher Gasthofs Munding gekommen.

Wie Härtle und Fißl mitteilten, müsse das Bürgerbegehren von rund 1000 Unterzeichnern unterstützt werden. Dann wäre der Weg prinzipiell frei für einen Bürgerentscheid. Beide sind zuversichtlich, dass sie in den nächsten drei Wochen die erforderliche Zahl an Unterschriften zusammenbekommen.

Wie Bürgermeister Hubert Fischer zuletzt auf Anfrage mitteilte, könnte ein Bürgerentscheid nicht am Tag der Kommunalwahl (15. März 2020) stattfinden. Fißl und Härte gehen davon aus, dass ein Bürgerentscheid vor der Kommunalwahl über die Bühne gehen würde. Wenn er denn nötig sei. Denn da gibt es sozusagen noch eine Hintertür. Wenn der Krumbacher Rat sich doch noch mehrheitlich gegen einen Neubau entscheiden würde, dann sei ein Bürgerentscheid hinfällig. Zuletzt wurde die Entscheidung, einen Förderantrag für das Neubauprojekt bei der Regierung von Schwaben einzureichen, mit einer Mehrheit von 15:10 Stimmen beschlossen. Also durchaus knapp.

Welche Alternativen sehen Härtle und Fißl zu einem Neubau? Sie betonen, dass verschiedene Varianten konkret geprüft werden sollten. Eine Generalsanierung, eine schrittweise Sanierung und die Zusammenarbeit mit einem privaten Investor (Public Private Partnership, Öffentlich-private Partnerschaft). Bei einer solchen Lösung könnte ein privater Investor die Anlage bauen, die Stadt würde sie mieten). Die Frage für einen Bürgerentscheid könnte so lauten: „Sind Sie dafür, dass das Sportzentrum (bestehend aus Hallenbad, Dreifachsporthalle und Mensa) statt durch Abriss und Neubau im Wege der Sanierung dauerhaft erhalten bleibt?“ Deutlich wurde in der Debatte um exakte Formulierungen an diesem Abend aber auch, dass den Organisatoren wohl noch einiges an Detailarbeit bevorsteht.

Das Hallenbadbecken ist in der warmen Jahreszeit in der Regel leer.
Bild: Peter Bauer

Härtle und Fißl stellten im Gasthof Munding aktuelle Zahlen vor. Derzeit sei laut Planer für das Neubauprojekt mit Gesamtkosten von rund 32 Millionen zu rechnen. Doch da seien die zu erwartenden Baukostensteigerungen der nächsten Jahre nicht berücksichtigt. Realistisch sei eine Zahl von 36 Millionen. Es sei denkbar, dass die Kosten sogar an die 40 Millionen Euro heranreichen würden. Bereits jetzt sei klar, dass allein an der Stadt Krumbach zehn Millionen nicht förderfähige Kosten hängen blieben.

Fißl und Härtle haben wiederholt davon gesprochen, dass Krumbach mit dieser Perspektive regelrecht in eine Schuldenfalle hineintappen würde und der Schuldenstand der Stadt am Ende bis zu viermal so hoch sei als in vergleichbaren Kommunen Bayerns.

Krumbach wäre dann, so die beiden Initiatoren, in seiner Situation, in der kein Geld mehr für wichtige Pflichtaufgaben da wäre. Härtle und Fißl nannten hier die Weiterentwicklung der Mittelschule, die Ganztagesgrundschule, den Kinderhort, den Straßenbau und die Bereitstellung von Plätzen in Kindertagesstätten. Gerade in diesem Bereich könnte die Stadt in den kommenden Jahren vor weiteren Herausforderungen stehen. Fißl und Härtle kritisierten Bürgermeister und Stadtverwaltung, die ihre Planungen immer als „alternativlos“ darstellen würden.

Mehrfach meldete sich in der Diskussion auch die Krumbacher CSU-Vorsitzende Sabine Turek zu Wort. Zahlen in einem Bereich von 36 bis 40 Millionen Euro? Auch die Krumbacher CSU gehe von dieser Größenordnung aus, betonte sie. Auch sie meint, dass eine Generalsanierung preisgünstiger sei. Aber für diese Variante würden bislang leider keine konkreten Zahlen vorliegen.

Weitere Informationen zur Position der CSU finden Sie hier:

Sportzentrum Krumbach: CSU möchte Bürger einbinden

Wie ist das mit den Zahlen? Zuletzt waren vonseiten des Planers (Krug Grossmann Architekten München) für einen Hallenbad-Neubau etwa 11, 9 Millionen Euro angesetzt, für die Sanierung 7,8 Millionen. Hier war aber das Dach nicht mitberücksichtigt. Bürgermeister Fischer und Tobias Handel, Leiter des Bereichs Hochbau, hatten vor einigen Wochen im Gespräch mit unserer Redaktion betont, dass die 7,8 Millionen Euro für eine Sanierung aus ihrer Sicht zu knapp kalkuliert seien. Kritiker der städtischen Planungen wie etwa Stadtrat Christoph Helmes hatten aber darauf verwiesen, dass beispielsweise die Stadt Buchloe ihr Hallenbad erfolgreich saniert habe. Auch Härtle und Fißl bemängelten, dass es für die Variante einer Generalsanierung keine konkrete Berechnung gebe.

Zur Position von Bürgermeister Hubert Fischer gibt es hier weitere Informationen:

Sportzentrum: Fischer sieht Mehrheit für Neubau

Das Krumbacher Hallenbad ist derzeit bekanntlich geschlossen. Wegen technischer Probleme verzögert sich der Saisonstart. Lesen Sie dazu auch:

Wann öffnet endlich das Krumbacher Hallenbad?

Thema war dies auch in verschiedenen Beiträgen aus dem Publikum, in denen der bisherige, sich über Jahre hinziehende Diskussionsprozess zum Teil massiv kritisiert wurde. Voraussetzung für einen soliden Entscheidungsprozess müsse doch die Vorlage konkreter Alternativen sein. Otti Pfelzer (er hat bekanntlich den Krumbacher Spielmanns- und Fanfarenzug über viele Jahrzehnte geprägt) meinte beispielsweise, dass man sich eine solche Vorgehensweise in der freien Wirtschaft nicht leisten könne. Wiederholt wurde an diesem Abend auf die einzigartige Architektur des bestehenden Sportzentrums hingewiesen.

Der Planung stehen sie seit Langem skeptisch gegenüber

Thema in der Diskussion war auch die Frage, warum die Stadträte Fißl und Härtle, die den Diskussionsprozess ja über Jahre mitbegleitet hätten, nun den Weg eines Bürgerentscheids wählen würden. Beide wiesen darauf hin, dass sie der Planung der Stadt schon seit Langem skeptisch gegenüberstehen würden und dies hätten sie in ihren Beiträgen im Stadtrat auch vielfach zum Ausdruck gebracht. Die Vorbereitungen für ein mögliches Bürgerbegehren würden schon seit rund einem Jahr laufen. Mit Blick auf die jüngste Entwicklung im Stadtrat sei es nun notwendig gewesen, die Notbremse zu ziehen. Sie bedauerten, dass sich die Ratsmehrheit schon vor Jahren mit Blick auf die Sporthalle für den Bau einer Mehrzweckhalle für bis zu 800 Personen entschieden habe. Härtle meinte hingegen, dass eine Sanierung der bestehenden schönen Halle möglich sei. Zum Einwand, dass es bei einer Sanierung viele Unwägbarkeiten gebe, sagte Härtle, dass auch ein Neubau finanziell „aus dem Ruder laufen kann“.

Manche der Gekommenen erinnerten an den Bau des Schul- und Sportzentrums Ende der 70er-Jahre. Die Kosten seien damals von geplanten 25 Millionen Mark auf etwa 40 Millionen Mark gestiegen. Die Stadt sei in ihren Handlungsmöglichkeiten danach viele Jahre am Limit gewesen.

Bemängelt wurde ferner, dass die Stadt Krumbach im laufenden Prozess dem Planer keine finanzielle Höchstgrenze vorgegeben habe und die Öffentlichkeit nicht ausreichend über das Vorhaben informiert habe.

Der Abend im Gasthof Munding machte die ganze Komplexität des Themas und die schwierige Suche nach der optimalen Lösung noch einmal offensichtlich – und wie viele Fragen da noch sind. Doch Fakt ist, dass der Diskussionsprozess mit der Initiative Bürgerbegehren eine neue Stufe erreicht hat.

Und man kann ahnen, welch massive Rolle dies in den kommenden Wochen im Kommunalwahlkampf spielen wird.

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