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Nattenhausen

06.11.2019

Streit um geplanten Bauhof in Nattenhausen

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Zwischen historischem Kreuzberg und einer landwirtschaftlichen Halle könnte in Nattenhausen der neue VG-Bauhof errichtet werden. Weder von Denkmal- noch Naturschutzseite gibt es Einwände gegen das Vorhaben. Doch vonseiten der Bürger kündigt sich Widerstand gegen das Projekt an.
Bild: Stefan Reinbold

Plus Weder der Denkmal- noch der Naturschutz haben Bedenken, doch vonseiten der Bürger regt sich Widerstand. Der Alternativstandort birgt jedoch auch gewisse Tücken.

Der geplante Bauhof der Verwaltungsgemeinschaft Krumbach (VG) in Nattenhausen erregt die Gemüter. Vor allem regt sich Widerstand gegen den Standort auf einer Wiese östlich des historischen Kreuzbergs. Karl Thoma, einst Bürgermeister in Nattenhausen, spricht von einer „Verschandelung der Ortsansicht“, außerdem sei von der „zu erwartenden Lärmbelästigung der halbe Ort betroffen“. Die dort lebenden Fledermauskolonien, würden als Tagschläfer durch den Lärm der Maschinen sowie an- und abfahrender Lkws gestört. Thoma fürchtet, dass die gesamte Population aufgrund fehlender Möglichkeiten, neue Quartiere zu finden, „zu Grunde gehen wird“. Andere Bürger gehen davon aus, dass der historische Charakter des Kreuzbergs – hier stand im Mittelalter zeitweilig eine Burg – unter der benachbarten Bebauung leiden würde. Mit dem geplanten Bauhof würde eine der schönsten Stellen in Nattenhausen als Naherholungsgebiet verloren gehen. Andere würden die Fläche eher als Baugebiet für Wohnhäuser bevorzugen.

Einwände aus der Bürgerinformation sollen in öffentlicher Ratssitzung behandelt werden

Überdies behauptet Thoma, dass eine zu dem Thema stattgefundene Gemeinderatssitzung „weder öffentlich im Schaukasten angekündigt, noch deren Abstimmungsergebnis danach bekannt gegeben wurde“. Dem widerspricht Bürgermeisterin Gabriele Wohlhöfler. „Wir haben da nichts zu mauscheln“, sagt sie trocken. Es sei durchaus legitim, dass die Bürger Nattenhausens Argumente gegen den geplanten Standort vorbrächten. Deswegen habe die Gemeinde einen Informationsabend veranstaltet. Die dort aufgenommenen Einwände sollen in einer der kommenden Gemeinderatssitzungen öffentlich behandelt werden, sagt Wohlhöfler. Sie bittet aber um Verständnis, dass sie nicht mit jedem Gedanken sofort an die Öffentlichkeit gehe und betont: Bislang habe der Gemeinderat keinerlei Entscheidung in dieser Angelegenheit getroffen. Egal welchen Standort die Gemeinde bevorzuge, immer seien Bürger betroffen. Die Gemeinde müsse nicht die Interessen einzelner, sondern aller Bürger im Auge haben.

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Angesichts des immer breiteren und spezialisierteren Aufgabenspektrums und der Tatsache, dass immer weniger Menschen diese Aufgaben im Fronlohn als klassische Hand- und Spanndienste ehrenamtlich verrichteten, mache ein gemeinsamer Bauhof der VG durchaus Sinn. Als sinnvoll hätten die sechs VG-Bürgermeister auch einen zentralen Standort erachtet, damit alle Orte der VG möglichst schnell erreichbar seien, sagt Wohlhöfler. Zunächst sei das alte ÜWK-Gelände in Breitenthal in den Blick genommen worden. Aus verschiedenen Gründen sei es aber nicht zu einem Vertragsabschluss gekommen. Man habe auch verschiedene private Grundstücke geprüft, sagt Wohlhöfler. Die sollten sich aber im Gebiet der Verwaltungsgemeinschaft befinden. Letztlich sei nur übrig geblieben, „auf kommunale Flächen zu gehen.“ Damit geriet der Grund östlich des Kreuzbergs in die engere Auswahl, wo sich ohnehin bereits eine landwirtschaftliche Halle im Osten und ein Übungsplatz für Fahrschüler befindet. Norbert Weiß, Bürgermeister von Deisenhausen, hat die Planskizzen für die eingeschossige rund 600 Quadratmeter große Halle und die zunächst angedachten Schüttgutboxen entworfen, die in der Bürgerinformation vorgestellt wurden.

Planskizze der maximal möglichen Ausdehnung des geplanten Bauhofs. Zunächst ist nur eine ca. 600 Quadratmeter große Halle und Schüttgutboxen auf einem Areal von insgesamt rund 2000 Quadratmetern geplant.
Bild: VG Krumbach/AZ-Infografik

Bereits im kommenden Jahr oder 2021 könnte das Vorhaben umgesetzt werden. In weiteren Schritten wäre das Areal um Carports sowie eine zusätzliche Lagerhalle zu erweitern, wenn das nötig sein sollte.

Leiter der Naturschutzbehörde spricht von „intelligenter Lösung“

Vonseiten des Denkmalschutzes gibt es gegen das geplante Vorhaben keine Einwände. „Durch die Planung wird weder direkt in die obertägig noch erkennbare Bodendenkmalsubstanz eingegriffen, noch ist hier eine Beeinträchtigung der Wahrnehmbarkeit dieses Bodendenkmals erkennbar“, heißt es vonseiten des Landesamts für Denkmalpflege. Die Naturschutzbehörde könnte ebenfalls mit dem Standort am Kreuzberg leben. „Den Platz finde ich von der Auswahl her ideal“, sagt Ottmar Frimmel, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Die Anbindung über die Staatsstraße sei bereits vorhanden, was auch die Lärmbelästigung des Ortes stark reduziere. Man könne das Areal mit einer heimischen Hecke einfrieden und so optisch wie ökologisch aufwerten. Die Fledermäuse würden sich laut Frimmel nicht von Lkws oder Maschinen stören lassen. „Fledermäuse hat’s im Dorf auch“, sagt Frimmel. Es seien sogar schon Mausohrkolonien unter Autobahnbrücken entdeckt worden. Worauf es den Tieren ankomme, sei das Nahrungsangebot und das werde durch den geplanten Bauhof keineswegs beeinträchtigt. Frimmel spricht von einer intelligenten Lösung. „Da macht man nix kaputt“, während der von Nattenhauser Bürgern vorgeschlagene Alternativstandort an der „Alten Schutte“ Frimmel zufolge zu weit im Außenbereich liege.

Die Alte Schutte in Nattenhausen wurde von Bürgern als Alternativstandort für den VG-Bauhof ins Gespräch gebracht.
Bild: Stefan Reinbold

Zwar sei die Schutte selber kein Biotop, sondern nur die Heckenstrukturen entlang der Straße zur und teilweise um die ehemalige Kies- und Sandgrube herum. Zudem räumt Frimmel ein, dass ein solches Biotop nicht unersetzlich sei. Allerdings warnt er davor, durch eine Bebauung so weit im Außenbereich einen Präzedenzfall zu schaffen. Die „Alte Schutte“ werde noch geprüft, sagt Wohlhöfler. Allerdings seien hier deutlich höhere Kosten zu befürchten, da aufgrund der Verfüllung durch Bauschutt eine Bodenbeprobung auf Altlasten und gegebenenfalls ein Bodenaustausch stattfinden müsse. Begutachtet werden müsste auch, wie tragfähig der Untergrund ist. Darüber hinaus würde die Erschließung der Alten Schutte die Gemeinde wesentlich teurer kommen. „Das ist ja nicht unser privates Geld, über das wir da reden“, sagt Wohlhöfler.

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